Fahrbericht VW Golf GTI VII Facelift

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© Hans-Dieter Seufert
Fri Feb 03 10:31:58 CET 2017 - Fri Feb 03 10:31:58 CET 2017 Uhr von Marcus Peters

Um magere 10 PS steigt die Leistung des neuen VW Golf VII GTI mit dem Facelift. Oder anders: Der bisherige Performance-Motor steckt nun unter der Haube des Basis-GTI. Daneben bietet VW vor allem digitale Spielzeuge an.

So wie er ist, scheint der GTI perfekt – kein Grund für VW, Wesentliches zu ändern. Weshalb das Facelift des Golf-Sportlers – nunja – sparsam ausfällt. Habhaftes? Neben der üblichen Stoßfänger-Schminke nur die LED-Scheinwerfer, welche die Xenon-Glüher ablösen. Sowie die umgestalteten Rücklichter und die etwas größeren Endrohre am Heck. Plus zehn PS mehr: Der GTI kommt nun mit der bisherigen Performance-Ausbaustufe des Zweiliter-Turbos und leistet damit 230 PS.

Langeweile durch Perfektion?

Diesem etwas ernüchterndem Einstieg folgt nun die aufbauendere Feststellung: Was bisher am GTI toll war, ist es immer noch. Etwa, dass er den Fahrspaß bereits serienmäßig hat: dank des mitteilsamen Fahrwerks, der exakten Lenkung, der fein dosierbaren Bremsen, des knackigen Sechsgang-Schaltgetriebes, der haltgebenden Sportsitze und des gut in der Hand liegende Lenkrads. Zudem steht der GTI auf 17-Zöller mit 225er-Gummis. So unterwirft er seine Interessenten erst gar nicht ausuferndem Konfigurations-Stress.

Wem 230 PS genügen, der muss auch nicht bis zum 31. März warten, wenn der neue Performance an den Start geht; der leistet dann 245 PS, also 15 PS mehr als der Basis-GTI. Ab diesem Termin gibt es übrigens auch den Golf R – doch der spricht (wie wir aus alten Tests wissen) ein anderes Klientel an.

Adaptiv-Dämpfer steigern Alltagskomfort

Es gibt nur wenige Optionen, die wir befürworten würden: Die adaptiven Stoßdämpfer für 1.045 Euro sind mit ihrer Komfort-Stellung für alle ratsam, die den GTI im Alltag und auf der Langstrecke bewegen – zumal er auf der straffen Stufe genauso GTI-siert, wie es der Sportfahrer erwartet. Und, wenn wir schon beim Thema Schnellfahren sind: Wer ab und zu über die Rundstrecke bügeln möchte, sollte für 60 Euro noch den Feuerlöscher unter den Beifahrersitz stecken.

Stolz ist VW auf das neue 12,3 Zoll messende Active Info Display anstelle der klassischen Armaturen – stolz deshalb, weil man den Golf nun als digitalisiert betrachtet. Und wer heute nicht digitalisiert ist, macht sich des Hinterwäldlerischen verdächtig. Das hochaufgelöste Display kennt man aus diversen Audi-Modellen. Es kostet 510 Euro und bietet mit den dünnen roten Strichen höchstens minimales bis überhaupt kein GTI-Flair.

Noch stolzer sind die Techniker auf das neue berührungsempfindliche Display in der Mittelkonsole mit 9,2 Zoll Durchmesser. Es glänzt mit der dunkelgläsernen Oberfläche von Tablets, die spätestens seit dem Tesla Model S ein absolutes must have zu sein scheint. Der Touchscreen büßt den bisherigen Lautstärke-Knopf ein, reagiert dafür auf smartphoneske Wischbewegungen und blättert dabei die Menüseiten um.

Als Discover Pro steht die Neuerung samt Navigationssystem für happige 2.385 Euro in der Preisliste. Sie beinhaltet die Möglichkeit der vollflächigen Vernetzung: via App-Connect beispielsweise mit den gängigen Apple- und Android-Smartphones. Und dann wäre da noch die so genannte Door-Bird-Funktion: Hierbei hat ein gleichnamiges Startup-Unternehmen eine App entwickelt, mit der sich die Video-Sprechanlage der heimischen Wohnung vom Auto aus bedienen lässt.

Im eigentlichen GTI-Sinne bietet Discover Pro übrigens nur zwei brauchbare Funktionen: den Laptimer und die Sportanzeige, welche auf Wunsch die Öltemperatur oder die Fliehkräfte in nachgebildeten Rundinstrumenten darstellt. Sowie den Ladedruck in digitalen Ziffern.

Stiernackiger Vortrieb im VW Golf GTI

Wer bei Vollgas im dritten Gang kurz darauf schielt, liest etwa 2,01 bar ab – dann geht es GTI-mäßig vorwärts. Zwar stemmt der etwas verschämt 2.0 TSI BMT genannte Turbo-Bulle laut Datenblatt stiernackige 350 Nm schon bei 1.500/min; doch dieser Wert wird wie immer auf dem Prüfstand gegen die Bremse gemessen. So 200 bis 300 Kurbelwellenumdrehungen mehr sollten es schon sein, bis der Lader spürbar Druck macht. Um die zehn zusätzlichen PS gegenüber dem bisherigen GTI zu fühlen, muss man natürlich schon sehr sensibel sein. Interessant wäre hier eine A/B-Blindverkostung.

29.975 Euro kostet der GTI als zweitüriger Handschalter ab sofort mindestens, 350 Euro mehr als bisher; erhältlich ist er ab 24. Februar. Wobei VW die Restbestände vor dem Facelift zu außerordentlich gute Leasingraten angeboten hat. Wer bei diesen Schnäppchen zugegriffen hat, kann sich freuen, ein praktisch immer noch aktuelles Auto zu fahren. Denn erheblich sind die Änderungen am Power-Golf nun wirklich nicht. Übrigens nicht einmal optisch: Man muss dem Neuen schon tief in die Augen blicken, um den doppelzackigen Lidstrich zu entdecken (Sie können ihn auf dem Aufmacherbild der vorherigen Doppelseite erkennen). VW spricht hierbei von Winglets, weil sich die Designer offenbar von den gleichnamigen Flügelchen eines Rennwagens inspirieren ließen.

Soviel (oder so wenig) zum modellgepflegten GTI. Bleibt die Hoffnung, dass wir demnächst zum Thema GTI Performance mehr berichten können

Technische Daten:

Golf GTI

Leistung: 169 KW (230 PS)
Drehmoment (bei U/min): 350
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Grundpreis:30.875 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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