Der Mythos vom Gen-Grasvon Michael Bornkessel In den letzten Monaten kursierten immer wieder alarmierende Meldungen über "Gen-Gras" durch die Medien. Angeblich sei genmanipuliertes Marihuana auf dem Schwarzmarkt verfügbar, das nach Aussage eines deutschen Zollbeamten aufgrund des hohen Wirkstoff-Anteils sogar Heroin-Dealer dazu verführe, ihren Kunden den neuen Stoff zu verkaufen. Eine im Juni 2004 vorgelegte europäische Studie kommt jedoch zu einem gegenteiligen Ergebnis.
Genmanipuliertes Gras?
Den Anfang nahm die Geschichte vom angeblichen Gen-Gras bereits im März 2004 und seitdem haben verschiedene Medien darüber berichtet: Der Gehalt des Wirkstoffs THC (chemisch genau: Tetrahydrocannabinol) in Cannabis-Pflanzen sei teilweise bis auf das Dreifache angestiegen und daher könne man die heute verfügbaren THC-Produkte in ihrer Wirksamkeit nicht mit dem "Hippi-Kraut" der 60er Jahre vergleichen, hieß es. Auch Marion Caspers-Merk, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, betonte Ende Juli 2004 gegenüber der Zeitung "Die Welt", Cannabis enthalte heute mehr THC als noch vor 30 Jahren. Doch eine bereits im Juni 2004 vorgelegte Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Nach den Aufsehen erregenden Meldungen hat sich die EU-Agentur eingehend mit diesem Thema befasst und kommt zum Schluss, dass "keine Hinweise auf einen bedeutenden Anstieg des Wirkstoffgehalts" in den meisten europäischen Cannabismärkten vorliegen. Auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) konnte keine Anzeichen dafür finden, dass der durchschnittliche Wirkstoffgehalt in den letzten Jahren bedeutsam angestiegen wäre.
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