Schnarchen

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Schnarchen

© Getty Images
21.03.2009 - 10:09 Uhr

Mal ehrlich: Es gibt nichts Schrecklicheres, als nachts völlig erschöpft ins Bett zu fallen und dann stundenlang wach zu liegen weil er mal wieder sägt. Dabei schläft er schon im Nachbarzimmer- doch an der allnächtlichen Lärmbelästigung ändert das nichts. Wir verraten Ihnen, was hinter dem Schnarchen steckt und wie wieder Ruhe ins Schlafzimmer einkehrt.

Jeder fünfte Deutsche hält nachts sein Herzblatt wach. Und das nicht etwa, weil er die Hände nicht von ihr lassen kann, sondern weil er zu den ausgewiesenen Schnarchern zählt.

Zunächst macht Frau noch gute Miene zum bösen Spiel und versucht ihr Glück mit beherzten Stößen in seine Seite- doch selten ist der Körpereinsatz von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Wenn dann auch die Ohrstöpsel versagen, geben auch die stärksten Nerven nach und die Platzierung des Mannes in das Nachbarzimmer lässt nicht lange auf sich warten. Es gibt jedoch auch Frauen, die in Sachen Schnarchen jedem Mann Konkurrenz machen können. Jedenfalls fast jedem, denn der Weltrekord wird aktuell von einem Mann aus Schweden gehalten. Er bringt es mit seinen Schnarchern auf beachtliche 93 Dezibel. Das entspricht dem Geräuschpegel von einem Spaziergang an einer gut befahrenen Umgehungsstraße. Doch wieso schnarchen manche Menschen eigentlich?

Die Ursachen des Lärmterrors

In den Medien kursieren immer wieder die seltsamsten Theorien über den Hintergrund des Schnarchens. So lautete es unlängst, dass das Schnarchen unseren Vorfahren dazu diente, gefährliche Raubtiere in die Flucht zu schlagen. Manch eine geplagte Bettgenossin wird dieser Theorie sofort Glauben schenken, doch hinter dem lauten Phänomen stecken tatsächlich ganz andere, weniger urtümliche Erklärungen.

Die nervenaufreibenden Geräusche entstehen, weil die Muskulatur im Hals-Nasen-Rachenraum nachts gern ein Nickerchen hält. Vor allem der Gaumensegel, der Kehldeckel und das Zäpfchen flattern dann bei jedem tiefen Atemzug herum. Zudem können die erschlafften Muskeln des Nächtens die Atemwege verengen. Dadurch muss die Atemluft mit höherem Druck eingesaugt werden und der Lärm hält Einzug.

Besonders gefährlich klingt das Ganze bei einer Erkältung. Auch Menschen mit verkrümmter Nasenscheidenwand sind nachts gern lauter, als ihnen lieb ist. Doch nicht immer ist man so unschuldig am Schnarchkonzert: Übergewicht, die Einnahme von Schlaftabletten oder auch das ein oder andere Glas Bier vor dem Schlafengehen können die Atmung behindern und so lautstarke Probleme heraufbeschwören.

Schnarchen ist zwar Gift für die Nachtruhe, aber in der Regel ungefährlich. Es sei denn, man gehört zu den so genannten "Heavy Snorern". Dieser Kreis der Schnarcher ist durch besonders ausdauerndes und lautes Sägen gekennzeichnet. Sie sind außerdem besonders häufig von der Schlafapnoe betroffen.

Bei einer Schlafapnoe blockieren die erschlafften Muskelpartien die Atemwege vollständig. Bis zu 500mal in der Nacht kann den Betroffenen der Atem stocken, ohne dass er davon überhaupt etwas mitbekommt. Durch die Atemaussetzer kommt der Schnarcher nicht in den Genuss von Tiefschlafphasen und das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff- Müdigkeit, Konzentrationsschwächen sind an der Tagesordnung. Weitere Folgen sind ein erhöhter Blutdruck und Depressionen, denn ohne den Tiefschlaf bleibt die Erholung des Körpers auf der Strecke.

Besonders ernst wird es bei mehr als zehn Atempausen pro verschlafener Stunde. Dann bleibt nur der Gang ins Schlaflabor. Dort können Schlafexperten abklären, welche Ursachen hinter den Atemaussetztern stecken. Hierfür werden die Atempausen aufgezeichnet und mit unterschiedlichen Vorrichtungen die Sauerstoffversorgung und die Herzfunktionen kontrolliert. Die Messapparaturen sind so winzig, dass sie im Bett getragen werden können und den Schlaf nicht behindern.

Wenn sich der Verdacht einer Schlafapnoe bestätigt, kommen vor allem zwei Methoden zum Einsatz. Eine Möglichkeit ist die nasale Überdrucktherapie, bei der über eine Maske Luft in die Atemwege geblasen wird. Dadurch bleiben sie im Schlaf offen und das Risiko eines Atemaussetzers sinkt. Der Nachteil dieser Methode ist der große Störfaktor der Maske. Etwas bequemer ist da die die TNI-Therapie, bei der der Schnarcher nur eine kleine Nasenbrille zum Schlafen aufsetzen muss.

Dem Schnarchen Herr zu werden, ist nicht ganz so leicht. In den meisten Schlafzimmern gehören Ohrstöpsel zur Grundausstattung des Nachtschränkchens. Doch ein leidenschaftlicher Schnarcher schafft es ohne Mühen, sich trotzdem Gehör zu verschaffen. Eine andere Vorgehensweise ist weniger bequem. Schlafwesten und spezielle Kissen sorgen dafür, dass man sich im Schlaf nicht auf den Rücken drehen kann. Der erzwungene Seitenschlaf verhindert, dass der Zungengrund die Atmung behindert und sorgt so für stille Nächte.

Apotheken und Reformhäuser bietet darüber hinaus unterschiedliche Mittel an, die den durchsägten Nächten ein Ende bereiten sollen. Dazu zählen Klassiker wie Nasenpflaster und Nasenklammern und ätherische Öle, die die Atemwege erweitern sollen. Erfolgsversprechend sind auch Nasensprays mit Kamille oder Dexpanthenol.

Für ruhige Nächte sollen auch Mundschienen sorgen. Sie ziehen den Unterkiefer regelrecht nach vorn und verschaffen dem Rachen dadurch mehr Raum. Eine etwas eigentümliche Methode ist der Vibrationsalarm. Dieser meldet sich immer dann, wenn ein Schnarchgeräusch ertönt. So findet nicht nur der Partner, sondern außerdem der Schnarcher selbst keine Ruhe.

Wenn die Ursache des Schnarchens eine üppige Leibesfülle ist, dann hilft langfristig häufig nur eine Reduzierung des Körpergewichts. Und wenn selbst die schlanke Linie keinen Erfolg bringt, können Operationen sinnvoll sein. So können Nasenscheidewände begradigt oder ein Teil des Gaumensegels oder Zäpfchens entfernt werden, damit die Atemwege frei sind und endlich Frieden ins Schlafzimmer einkehrt.

Autor: Sibylle Fünfstück

Quelle: freenet.de
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