30.05.2013 - 24:57 Uhr

Interaktive Forschungs-App über den Verlust der Nacht

Die Smartphone-App zum "Verlust der Nacht" im Einsatz (Illu.). ©
verlustdernacht.de
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Die Smartphone-App zum "Verlust der Nacht" im Einsatz (Illu.). © verlustdernacht.de

 

Jülich (Deutschland) - Licht besitzt durchweg ein positives Image. Zu viel Licht hat aber auch Schattenseiten: Es schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch den Menschen. Doch wie hell ist es nachts wirklich? Mit der neuen App können Smartphone-Nutzer die Sterne zählen und darüber die Himmelshelligkeit messen. Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) entwickelten sie im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts "Verlust der Nacht".

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"In natürlichen Gegenden kann man mit dem bloßen Auge Tausende von Sternen sehen“ sagt Dr. Christopher Kyba von der Freien Universität Berlin und vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). "Am Nachthimmel von Berlin sind es immer noch einige Hundert, aber in den meisten Großstädten ist die Situation viel schlimmer."

"Das Leben auf der Erde ist evolutiv angepasst an den Wechsel zwischen hellen Tagen und dunklen Nächten", sagt Dr. Annette Krop-Benesch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). "Die Erhellung der Atmosphäre durch künstliches Licht bei Nacht kann weitreichende Auswirkungen auf die Ökosysteme weltweit und möglicherweise auch unsere Gesundheit haben. Bisher wissen wir aber viel zu wenig über die nächtliche Helligkeit in den unterschiedlichen Lebensräumen."

Die Smartphone-App, die bislang jedoch leider nur für Android-Systeme ausgelegt ist (eine App für Apple-Geräte ist in Planung!) soll dabei helfen, weltweit die Himmelshelligkeit zu beschreiben, den sogenannten Skyglow (Himmelsschein). Sie baut auf das Citizen Science Projekt "GLOBE at Night" auf, in dem Menschen auf der ganzen Welt die Himmelshelligkeit bestimmen und als Kriterium dafür die Sichtbarkeit der Sterne heranziehen, da die Frage der Lichtverschmutzung nicht zuletzt auch aus astronomischer sicht von Bedeutung ist. Daraus entstehen Karten, die die Helligkeitsverteilung und ihre Entwicklung über die Jahre zeigen. Die Daten stehen aber auch anderen Wissenschaftlern zur Verfügung, um mögliche Zusammenhänge mit Gesundheit, Biodiversität, Energieverbrauch und vielen anderen Faktoren zu untersuchen.

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Die kostenlose App leitet die Anwender zu bestimmten Sternen und fragt nach deren Sichtbarkeit. Durch Bestimmung des lichtschwächsten Sternes können die Wissenschaftler ermitteln, wie hell der Himmel an diesem Ort ist und wie viele Sterne gesehen werden können. Alle Messungen werden anonym gesammelt. Daraus entstehen Karten, die die Helligkeitsverteilung und ihre Entwicklung über die Jahre zeigen. Anhand dieser Daten untersuchen Wissenschaftler nun erstmals die ökologischen, gesundheitlichen sowie kulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen der nächtlichen Lichtverschmutzung. Sie suchen nach den Ursachen für die zunehmende Beleuchtung der Nacht und entwickeln Lösungsansätze für nachhaltige Beleuchtungskonzepte mit modernen Techniken.

"Mit der App können interessierte Menschen auf der ganzen Welt Daten für die Forschung über die Helligkeit des Himmels sammeln, ohne teure Messgeräte zu benötigen", sagt Fabian Kohler vom BMBF. So kann jeder Smartphone-Besitzer zum Erfolg des Projekts beitragen. Man kann aber auch die Helligkeit am eigenen Wohnort mit anderen Orten vergleichen. Nebenbei lernt der Nutzer den Sternenhimmel kennen und bekommt ein Gefühl dafür, wie viele Sterne er an einem dunkleren Ort noch sehen könnte.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt wurde im Wissenschaftsjahr 2012 initiiert und vom Projektträger Jülich (PtJ) betreut. Die neu gestartete App ist Teil einer breiten, von den Akteuren gemeinsam mit dem PtJ entwickelten Informationskampagne zum Thema Lichtverschmutzung.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt "Verlust der Nacht" finden Sie unter: "www.verlustdernacht.de".

Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
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