27.08.2009 - 15:04 Uhr

Zeitreisen bald möglich?

Abell 2218
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Abell 2218

Ein Physiker vom Technion-Israel Institute of Technology hat ein theoretisches Modell entwickelt, das es zukünftigen Generationen erlauben könnte, in die Vergangenheit zu reisen. Der Wissenschaftler glaubt, mit seiner Theorie eine Reihe von bisherigen Problemen, die mit dem Bau einer Zeitmaschine verbunden waren, elegant gelöst zu haben.

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Aus Science Fiction-Filmen sind Zeitreisen und die damit verbundenen Probleme wohl bekannt: Da verlieben sich Zeitreisende in ihre Mütter und verhindern um Haaresbreite ihre eigene Zeugung oder ganze Welten drohen durch eine kleine Manipulation in der Vergangenheit in den Einflussbereich einer unheimlichen außerirdischen Rasse zu geraten. Doch all dies ist frei erfunden und wird so nie stattfinden können.

Wirklich? Ob Zeitreisen tatsächlich unmöglich sind, darüber diskutieren Physiker schon seit Jahrzehnten. Die meisten sind skeptisch und glauben, dass es nie dazu kommen wird, dass ein Mensch eine wie auch immer gestaltete Zeitmaschine besteigt und damit eine Reise in eine andere Epoche antritt.

Doch manche Wissenschaftler kümmert die Skepsis der Kollegen wenig: So beschäftigt sich der Physiker Amos Ori schon länger mit der Theorie von Zeitreisen. Das Grundprinzip einer Zeitmaschine basiert dabei auf der Relativitätstheorie von Einstein, nach der Raum und Zeit zu einer vierdimensionalen sogenannten Raumzeit verbunden sind. Objekte mit einer großen Masse können nun diese Raumzeit verbiegen – etwas, was man im Universum regelmäßig beobachten kann. Ori und seine Kollegen suchen nun nach Möglichkeiten, diese Verbiegung so groß zu machen, dass sich eine Schleife bildet.

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"Wir wissen, dass solche Verbiegungen der Raumzeit immer wieder auftreten", erläutert Ori. "Für unsere Zwecke müssen sie aber so stark sein, dass sie eine besondere Form annehmen, in der die Zeitlinien geschlossene Schleifen bilden. Wir versuchen nun herauszufinden, ob es möglich ist, die Raumzeit so zu manipulieren."

Ausgeschlossen, dass Zeitreisen möglich sind, haben Physiker nie. Doch waren sie bislang der Ansicht, dass man einige recht exotische Zutaten benötigt, um eine solche Reise in der Zeit zu ermöglichen. Dazu gehörte beispielsweise ein Material, das über eine negative Dichte verfügt. Dieses, so glauben einige Theoretiker, könnte es sogar geben, allerdings nur in winzigen Mengen, die nicht für den Bau einer Zeitmaschine ausreichen würden.

Schon 2004 hatte Ori deswegen ein Verfahren vorgeschlagen, mit dem man eine Zeitschleife entstehen lassen könnte, ohne auf dieses exotische Material angewiesen zu sein. Die Zeitschleife hätte sich danach als eine Art Donut-förmiges Vakuum gebildet. Mit jeder Runde in dieser Schleife wäre der Zeitreisende weiter zurück in die Vergangenheit gelangt. Einziges Problem damals: Die Zeitschleife muss von einem bislang unbekannten Material umgeben sein, um so in Form gehalten zu werden.

In seiner jüngsten Arbeit, die im Juli in der Fachzeitschrift "Physical Review" erschienen ist, beschreibt Ori nun eine modifizierte Theorie, bei der man auf das unbekannte Material zum Einhüllen der Zeitschleife verzichten kann. Insgesamt, meint Ori, sei sein jetzt vorgestelltes Modell deutlich besser und robuster entwickelt als das Verfahren in seiner früheren Arbeit.

Dass das neue Modell nun ohne jegliche Form von exotischer oder unbekannter Materie auskommt, bedeutet allerdings nicht, dass man gleich morgen mit der Konstruktion einer Zeitmaschine beginnen kann. So sei beispielsweise noch nicht sicher, wie stabil eine solche Zeitmaschine überhaut ist. Nach Oris Berechungen würde alles von den Anfangsbedingungen abhängen, die äußerst exakt eingestellt werden müssten. Doch selbst ob diese Anfangsbedingungen überhaupt erreicht werden können, sei zurzeit noch unklar. An dieser Frage arbeitet der Wissenschaftler gerade.

"Wenn man die richtigen Anfangsbedingungen trifft, würde die Zeitmaschine selbstständig funktionieren ohne weiteren Einfluss von außen", so Ori. "Das kann man in etwa mit einer Kanone vergleichen: Wenn man einmal ordentlich gezielt und abgefeuert hat, wird der Weg der Kugel ins Ziel nur durch die Gesetze der Physik bestimmt."

Bei dem von Ori erdachten Verfahren würde es sich auch nicht um eine Zeitmaschine im klassischen Sinne handeln: "Die Maschine ist selbst die Raumzeit. Wenn wir heute eine solche Zeitschleife erzeugen würden, könnten wir zukünftigen Generationen ermöglichen, unsere Zeit zu besuchen. Wir könnten allerdings selbst nicht in die Vergangenheit reisen, weil unsere Vorfahren diese Möglichkeit nicht für uns geschaffen haben."

Selbst wenn sich Oris Ideen realisieren ließen, bliebe uns also die Reise in die Vergangenheit versperrt. Und ob Oris Ideen je zum Bau einer Zeitmaschine führen werden, daran zweifeln zahlreiche Fachkollegen des theoretischen Physikers. Oris Modell einer Zeitmaschine, so ihre Meinung, wurde für ein sehr idealisiertes Modelluniversum entwickelt, das mit unserem Universum nichts zu tun hat.

Unüblich ist dieses Verfahren in der theoretischen Physik nicht: Oft lernt man aus vereinfachten Modellen mit idealisierten Bedingungen genau die Dinge, die man später benötigt, um eine Theorie auch auf die reale Welt zu übertragen. Doch bis dahin, ist es noch ein weiter Weg, so dass man sich wohl zunächst weiter mit fiktiven Zeitreisen begnügen muss.

Autor: Stefan Deiters

Quelle: freenet.de
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