Porsche Taycan Turbo auf dem Schrottplatz: Unfall ja, aber viel später

Porsche Taycan Turbo auf dem Schrottplatz: Unfall ja, aber viel
später
Bild 1 von 11

Porsche Taycan Turbo auf dem Schrottplatz: Unfall ja, aber viel später

© www.copart.com

Ein Taycan Turbo, der nach nur 24 Kilometern als Totalschaden endet? Eine nette Geschichte. Mit einem kleinen Haken: Sie stimmt leider nicht. Mit einer Ausnahme: Kaputt ist der Porsche dennoch.

Egal ob V8-Bolide oder Elektroauto: Wer mit Sportwagen nachhaltig Spaß haben will, braucht entweder ganz viel Erfahrung, ganz viel Talent, ganz viel Disziplin oder wahlweise einen super fitten Schutzengel. Nichts davon trifft auf den Besitzer dieses Porsche Taycan Turbo zu, der es tatsächlich fertig gebracht haben soll, seinen nagelneuen Elektro-Renner bereits nach 15 Meilen (umgerechnet 24 Kilometer) auf dem Parkplatz der Ewigkeit abzustellen. Was von dem Porsche noch übrig ist, steht beim Online-Auto-Auktionshaus Copart in Hillsborough im US-Bundesstaat New Jersey und wartet darauf, von irgendjemandem gekauft zu werden. Soweit die Geschichte, die auch wir gerne aufnahmen. Weil alleine die Idee, einen über 160.000 Euro teuren Sportwagen nach nur 24 Kilometern in Kernschrott zu verwandeln, eine schaurig-schöne Gänsehaut erzeugt.

Falsche Laufleistung

Der Haken an der morbiden Geschichte? Sie stimmt so leider nicht. Zumindest, was das Kilometer-Alter des Taycan Turbo angeht. Herausgefunden hat das Dirk Schmelz, der sein Geld unter anderem damit verdient, auf seiner Website autorechereche.de die Historie von Gebrauchtwagen zu verifizieren. Seine Informationen machen aus der irren Geschichte einen allerdings nicht weniger tragischen Unfall mit wirtschaftlichem Totalverlust: "Das Fahrzeug mit der FIN WP0AC2Y14LSA70195 wurde am 04.05.2020 mit einer Gesamtfahrleistung von 1.235 Meilen als verunfallt gemeldet. Umgerechnet also etwa 1.976 Kilometer!". Okay. Also 2.000 Kilometer statt 24. Was wenig daran ändert, dass der Taycan viel zu früh von uns gegangen ist.

Ein Totalschaden bleibt er nämlich trotzdem. Und zu kaufen ist das Wrack nach wie vor. Wobei die Zielgruppe der Interessenten überaus überschaubar ausfallen dürfte. Mit ein bisschen guten Willen, Klebeband und einem Schraubenschlüssel ist dem Taycan Turbo definitiv nicht zu helfen. Im Auktionstext ist von massiven Schäden am Unterboden die Rede. Und dann sind da ja noch die Räder, die extrem ungesund in den Radhäusern stehen. In Frage kommt also eventuell ein Akku-Verwerter, der scharf auf die seltenen Erden aus den Elektromotoren, bzw. die teuren Rohstoffe ist, die in der 93,4 kWh großen Batterie verbaut wurden. Oder eben jemand, der einen Teilespender für den Erst-Taycan gebrauchen kann.

Mit der Leistung überfordert

Über den Unfallhergang ist genauso wenig bekannt wie über den ursprünglichen Besitzer. Anhand der Bilder lässt sich aber die eine oder andere Vermutung darüber anstellen, dass der Mensch hinterm Steuer ganz offensichtlich mit den 680 Overboost-PS des Taycan Turbo überfordert war. Alle Airbags auf der linken Fahrzeugseite haben gezündet, also muss der Porsche links irgendein Hindernis mitgenommen haben. Allerdings fehlen die dazu passenden Karosserieschäden. Unsere Vermutung: Der Bruchpilot ist über eine wenig dynamische Fahrbahnbegrenzung gekreiselt und hat sich dabei mehr oder weniger alle Radaufhängungen abgerissen und den Unterboden zerfetzt. Zur Theorie mit der stur im Weg stehenden Fahrbahnbegrenzung passt übrigens auch das brutal aus der Felge links vorne ausgestanzte Dreieck.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Der Mercedes W123-Club hat die Emissionen eines 240 D gemessen. Im Straßenverkehr. Wir vergleichen das Ergebnis mit ...mehr
Mit dem Großwagen definierte BMW 1968 die Werte in der Oberklasse neu. Mercedes gab sich repräsentativ und komfortabel.mehr
Wir sind ein bisschen verliebt und auch ein bisschen verwirrt. Warum um alles in der Welt sollte man so ein ...mehr
Anzeige