Daimler-Prüf- und Technologiezentrum Immendingen

Daimler Testgelände Immendingen
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Daimler Testgelände Immendingen

© Daimler

Daimler bündelt seine weltweite Fahrerprobung auf dem neuen Testgelände seit Ende 2018 in Immendingen. Hier alle Infos zum Prüf- und Technologiezentrum.

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Das Testgelände ist auf einem ehemaligen Bundeswehr-Gelände (Gelände der Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne und benachbarter Standortübungsplatz) in der Gemeinde Immendingen (zwischen Bodensee und Villingen-Schwenningen) entstanden. Insgesamt umfasst es 520 Hektar, zu den 450 Hektar Kasernengelände hat Daimler zusätzlich noch Grundstücke von der Gemeinde und Privatpersonen erstanden. Rund 200 Millionen Euro hat der Autobauer dort investiert und 2015 mit dem Bau begonnen.

Die Funktion des Testgeländes ist nicht nur Testfahrten auf öffentlichen Straßen deutlich zu reduzieren, sondern auch Vernetzung, autonomes Fahren und Elektromobilität zu testen sowie Verbrennungsmotoren zu optimieren und alternative Antriebe weiterzuentwickeln. Insgesamt gibt es 30 Strecken mit einer Gesamtlänge von 68 Kilometern.

Die wichtigsten Test-Strecken:

  • Bertha-Fläche: Der Name steht für „ Bereich zum E rproben und Testen von und mit hochautomatisierten F ahrzeugen“´und misst 100.000 Quadratmeter. Sie ist 950 Meter lang und bis zu 650 Meter breit. Auf ihr werden Assistenzsysteme und autonome Fahrfunktionen erprobt. Außerdem können die Test hier Autobahngeschwindigkeit, Einfädel- und Spurwechselsituationen an Einfahrten oder Funktionen zur Kollisionsvermeidung erproben.
  • 4x4 Modul: Das Prüfgelände mit zwei Steigungsbahnen (40- und 70-prozentigen Steigung über 30 Meter) erlaubt den Test von Allrad- und Geländewagen auf unbefestigten Wegen.
  • Albdauerlaufkurs: Insgesamt drei Strecken mit steilen Aufstiegen und Gefällstrecken bilden die Topografie der Schwäbischen Alb nach.
  • Handling-Kurs: Inmitten des Ovalkurses ist die kurvenreiche 4,7 Kilometer lange Strecke mit einem Höhenunterschied von 31 Metern dem Nürburgring angelehnt. Hier können hohe Längs- und Querbeschleunigungen, aber auch Notsituationen simuliert werden.
  • Fahrdynamikfläche: Ermöglicht die Erprobung des Fahrzeugverhaltens im Grenzbereich. Zentrales Element der Asphaltfläche ist ein Kreis mit 260 Metern Durchmesser.
  • Ovalkurs: Vier Kilometer langer Kurs mit Kurvenüberhöhung. Auf der obersten Spur in der Südkurve erlaubt Tempo 160 ohne Lenkeinschlag zu fahren, in der Nordkurve sind des 135 km/h.
  • Nasshandlingkurs: Liegt im Ovalkurs und besitzt ein Bewässerungssystem.
  • Fernstraßengerade: Zwei parallel verlaufenden Geraden plus Wendeschleifen simuliert eine autobahnähnliche, zweispurige Strecke. Eine Seitenwindanlage mit großen Ventilatoren ist geplant.
  • Schlechtwegering: Der Kurs an der Grenze des Prüfgeländes ist vier Meter breit und 7,1 Kilometer lang. Die Steigungen betragen zwischen 15 und 20 Prozent.
  • Schlechtwegeverschmutzungsfläche: Kurvenreicher, feldwegartiger Rundkurs mit einem speziellen Schotterbelag. Diese setzt sich in Ritzen und Spalten der Fahrzeuge fest, wie zum Beispiel den Achslagern oder Achsanbindungen.
  • Komfort-Modul: Teststrecke um Komforteigenschaften, Geräuschverhalten und Bodenfreiheit zu erproben. Hier gibt es unterschiedliche Fahrbahnbeläge wie Kofsteinpflaster mit und ohne Schlaglöcher, Bordsteinauffahrten sowie Verwindungsstrecken und -hügel.
  • Stadtquartier: 1,5 Kilometer Stadtstraßen mit diversen Kreuzungsituationen für autonomes Fahren., Car-to-X--Kommunikation und Assistenzsystem-Tests. Um das automatisierte Parken zu testen, wurde auf dem Gelände neben dem Innenstadt-Bereich ein spezielles Parkhaus errichtet. Dazu gehören enge Auffahrten und Stahlbetondecken, um zu testen, ob das Fahrzeug sich die notwendigen GPS-Signale von Satelliten für die Suche nach einer Parklücke holen kann.
  • Technologiezentrum: In dem ehemaligen Kasernenkomplex befinden sich die Büros, Werkstätten, Forschung- und Entwicklungseinrichtungen sowie Tankstelle, E-Ladesäulen und Reifenzentrum.

Auf dem Testgelände in Immendingen kann der Autohersteller rund um die Uhr testen, einige Module werden jedoch nur von sechs bis 22 Uhr befahren. Nur Testfahrer mit Schulungen für die einzelnen Module dürfen die jeweiligen Strecken befahren, wobei eine On-Board-Unit den Zugang erlaubt. Die Leitzentrale kann alle angemeldeten Fahrzeuge auf Monitoren verfolgen. Für die Sicherheit auf dem Gelände sorgen rund um die Uhr Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge, zudem sind Sicherheitszonen mit doppelten Leitplanken und Reifenstapeln sowie Sturzräumen eingerichtet.

Fun Facts über das Testgelände: Wussten Sie, dass …

  1. … das Layout des PTZ vom Formel-1-Streckendesigner Hermann Tilke angelegt worden ist.

  2. … ein Unimog U 430 auf der Schlechtweg-Verschmutzungsstrecke für den stets gleich schlechten Zustand des Messfelds sorgt. Vorn hilft ein Erdhobel mit Sprühmittelanlage bei der notwendigen Glättung der Teststrecke. Hinten kann der 300 PS starke Unimog aus der Baureihe Geräteträger mit einem Heckaufreißer allzu sehr verdichtete Streckenabschnitte wieder auflockern.

  3. … Südkorea an die Schweiz grenzt. Im Zuge des Streckenlayouts sind in Immendingen solche ungewöhnlichen geografischen Nachbarschaften entstanden. Denn um beispielsweise testen zu können, wie gut die Kameras des Fahrzeugs mit unterschiedlichen Fahrbahnmarkierungen oder Ausführungen von Leitplanken zurecht kommen, sind diese in den einzelnen Abschnitten länderspezifisch ausgeführt.

  4. … die Zufahrtsstraßen zu den Prüfmodulen und weitere Strecken auf dem Gelände links und rechts unterschiedlich asphaltiert sind. In der Regel ist die Fahrbahn auf der einen Seite in gutem Zustand, während die Gegenspur künstlich mit Schlaglöchern und vielen anderen, oft landestypischen Straßenwidrigkeiten präpariert ist.

  5. … der sogenannte Heidedauerlauf schon lange nicht mehr in der Lüneburger Heide stattfindet. Die Heide-Dauererprobung von Mercedes-Benz hat eine mehr als 60 Jahre lange Geschichte. Sie begann in den 1950er-Jahren auf besonders schlechten Landstraßen in der Lüneburger Heide. Später erhielten Schlechtwegeparcours auf Versuchsstrecken in Untertürkheim und Sindelfingen diesen Namen. Denn sie wurden maßstabsgenau der Marterstraße aus der Heide nachgebaut. Ebenso werden Prüfstände mit den bei solchen Tests gespeicherten Daten gesteuert. Künftig findet diese Dauererprobung ebenfalls in Immendingen statt.

  6. … die Steilkurven im Ovalrundkurs in der obersten, dritten Spur mit einer Freihandgeschwindigkeit von 160 (Südkurve) bzw. 135 km/h (Nordkurve) befahren werden können. Dann nämlich treten keine Seitenkräfte am Reifen auf, und das Fahrzeug bleibt auch ohne Lenkimpuls im Kurvenverlauf. Der Fahrer wird dabei mit einem Mehrfachen seines Körpergewichts in den Sitz gepresst.

  7. … fahrerlose Mercedes-Benz Arocs den Schnee auf dem PTZ räumen werden. Der automatisierte Winterdiensteinsatz erfolgt im Verbund. Ausgestattet sind die Arocs Testfahrzeuge mit dem Remote Truck Interface (RTI), einer Schnittstelle im Fahrzeug, mit der Fahrzeugfunktionen fernbedient und Daten ausgetauscht werden können. Über das RTI sind alle Fahrzeuge mittels telematischer Systeme voll vernetzt, fahren automatisiert und können im Fahrzeugverbund sowohl führen als auch folgen.

  8. … bis zu 90 Prozent der weltweiten Fahrzeug-Dauerläufe im PTZ stattfinden können. Durch die Höhenlage (800 m über N.N.) wird genügend Eis und Schnee erwartet, um auch die Wintererprobung in Schweden/Finnland zurückfahren zu können.


Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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