Ist Hanf ein revolutionärer Werkstoff für die Automobilindustrie?

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© Quelle: Alfredo Estrella - AFP
14.06.2018 - 08:00 Uhr

Seitdem die Hanffaser des Nutzhanfes in der Mitte der 1990er Jahre wiederentdeckt wurde, ist das Material aus der Automobilindustrie nicht mehr wegzudenken. Damals deckte der Faserbedarf einen Marktanteil von 9 Prozent ab. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Bedarf auf bis zu 15 Prozent anstieg. Dieser Anteil beläuft sich auf etwa 3.900 Tonnen an dem Material, das insbesondere als Verbundstoff genutzt wird. Autobauer verwenden Hanf überwiegend für Formpressteile, die für Verkleidungen, Autotüren und Armaturen zum Einsatz kommen.

Vorteile von Hanf im Überblick

Hanf ist für die Automobilindustrie ein erstklassiger Werkstoff, da das Material durch seine natürliche Fungizität punktet. Die schlechte Brennbarkeit der Naturfaser ist ein weiterer Vorteil, der für die Verwendung spricht. Des weiteren haben Formpressteile aus Hanf keinerlei scharfe Kanten, wodurch sich die Verletzungsgefahr auf ein Minimum reduziert. Die Folge: Schnittverletzungen werden bei Autounfällen weitgehend ausgeschlossen.

Einfache Produktionsprozesse

Als vorteilhaft erweist sich die Verwendung von Hanf in der Autoindustrie ebenfalls, da die aus den Fasern gefertigten Bauelemente in einem Arbeitsgang erzeugt werden können. Durch das geringe Eigengewicht des Baustoffs halten sich die Produktionskosten von Fahrzeugen in Grenzen – zumindest zum Teil. All diese Komponenten räumen Hanf für Automobilhersteller eine hohe Bedeutung ein. Durch die Nutzung der Naturfasern sind die Fahrzeuge nicht nur extrem wettbewerbsfähig. Eine Sicherung von Arbeitsplätzen wird in dieser mitarbeiterreichen Branche gewährleistet.

Noch ist eine Nutzung von Naturfasern weit von der Massenanfertigung entfernt

Heute werden in unterschiedlichen modernen Fahrzeugen etwa fünf bis sieben Kilogramm an Naturfaserwerkstoffen verarbeitet. Neben Hanffasern werden Flachs- oder Kokosfasern in Sitzlehnen oder verarbeitete Olivenkerne für Tankentlüftungen verarbeitet. All diese Vorteile sprechen für den Einsatz der Materialien. Dennoch könnte die Nutzungsrate der Werkstoffe noch wesentlich höher sein. Noch immer betonen Agrarwissenschaftler, dass eine Verwendung natürlicher Verbundwerkstoffe für eine Massenanfertigung zu teuer ist. Europaweit gibt es nicht viele Firmen und Fahrzeughersteller, die Hanffasern passend verarbeiten und somit die Kfz-Industrie beliefern. Erschwerend kommt hinzu, dass Naturfasern nicht den hohen Anforderungen an die meisten Bauteile eines Autos entsprechen. Um alle Biokomponenten normgerecht zu erfüllen, wäre ein erneuter Kostenaufwand notwendig.

Ein Fall für Luxusfahrzeuge

Dennoch haben europaweit erste Hersteller den Schritt gewagt. Ein Beispiel ist der Lotus Eco Elise, der als erstes vorrangig aus Hanfmaterialien produziertes Kfz Europas Straßen eroberte. Mercedes oder BMW setzen ebenfalls auf den Gebrauch der Hanfverbundstoffe, die in Nobelkarossen wie dem BMW i8 oder dem City-Elektroauto i3 zum Einsatz kommen. Diese Fahrzeuge sind zwar noch weit von einer Serienproduktion entfernt. Dennoch setzen die Kfz Zeichen. Deshalb – diesbezüglich sind sich viele Insider sicher – wird die Industrie des Hanfautos in den nächsten Jahren deutlich voranschreiten.

Quelle: freenet.de
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