Reisen wie früher: Unterwegs mit dem Wohn-Oldie

Bildrechte: Flickr 28th Annual Vintage Rally, Long Melford. 2nd & 3rd July 2011 Dave Catchpole CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten Die ersten Wohnwagen kamen Ende des 19. Jahrhunderts in England auf. Sie wurden damals noch von Pferden gezogen.
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Bildrechte: Flickr 28th Annual Vintage Rally, Long Melford. 2nd & 3rd July 2011 Dave Catchpole CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten Die ersten Wohnwagen kamen Ende des 19. Jahrhunderts in England auf. Sie wurden damals noch von Pferden gezogen.

11.07.2017 - 09:00 Uhr von MR

Schon früher gab es spektakuläre Wohnwagen und Campingmobile. Während heutige Reiseautos mit Luxus, viel (Smart-)Technologie und umfassenden Sicherheitsfeatures punkten, bieten die Oldies unter den Caravans vor allem eines: echten Camping-Charme.

Schneckenhauswagen, Klappfix, Schwalbennest, FaWoBoo? Es gab in der Vergangenheit einige Kuriositäten unter den Wohnwagen. Das lag weniger daran, dass man sich von anderen abgrenzen wollte, sondern war vielmehr der Praktikabilität geschuldet. Camping bedeutete früher vor allem Freiheit, und das war immer mit dem Verzicht auf Luxus verbunden. Allerdings bedeutete es nicht, dass man nicht auch praktische und äußerst clevere Ideen in den Wohnwagen verbauen konnte. Die touristischen Reisewagen wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien erfunden. In den 1930er-Jahren baute Arist Dethleffs das erste deutsche Pendant mit dem Namen "Wohnauto". Das Gefährt ähnelte einem kastenförmigen Pferdewagen und sorgte in den 1960ern zu einem riesigen Reisewagen-Boom. Eines der verblüffendsten Designs besitzen sogenannte "teardrop trailer", tropfenförmige Wohnwagen. Der kleine Anhänger mit Namen "Piccolo" ist einer der berühmtesten Vertreter dieser Variante und aus Stahlblech und in Stromlinienform gebaut. Besonders imposant ist seine Abmessung: Der Wagen ist nur knapp 2,50 Meter lang und wiegt nur 115 Kilogramm. In solch einem Mini-Wohnwagen, der bis heute sehr beliebt ist, kann man nicht stehen, sondern hat lediglich Platz zum Schlafen. Der Clou an der Sache ist aber, dass der Piccolo-Wohnwagen dank luftgefüllter Kotflügel schwimmfähig ist. Mit einem Außenbordmotor schafft man maximal 15 km/h auf dem Wasser – Camping Deluxe schon zu damaligen Zeiten. Einer der späteren Nachfolger der kleinen "teardrop trailer" ist der Würdig 301. Dieser Typ Wohnwagen hat eine ähnliche Form, bietet aber mehr Stehhöhe. Als "Dübener Ei" oder "Kuschelkugel" bekannt, war er eines der beliebtesten und schönsten Campingfahrzeuge der DDR. Ebenfalls etwas eigensinnig ist das sogenannte "FaWoBoo." Unter dem Motto "Fahren, Wohnen, Boot" kam das Gefährt in den 1960er-Jahren auf den Markt. Die Behausung lässt sich zusammenfalten, wenn man sie transportiert, und mit wenigen Schritten aufklappen, wenn man darin wohnen will. Das Dach ist abnehmbar und kann als Motor- oder Segelboot genutzt werden. Bis heute bauen viele Campingliebhaber Busse, Müllfahrzeuge, alte Verkaufswagen und sogar Güllefässer zu Deutschlands verrücktesten Wohnwagen und Reisemobilen um. Voraussichtlich werden daraus auch in Zukunft noch einige Kuriositäten resultieren.

Lust auf eine Fahrt? Das gilt es zu beachten

Heute kann man ohne Probleme Oldtimer und Vintage-Wohnwagen mieten. Vom Eriba Puck bis zu Dethleffs Beduin findet man bei zahlreichen Anbietern verschiedene Modelle. Die Fahrt mit einem Wohn-Oldie sollte jedoch gut überlegt sein.

Erwartungshaltung

Zum einen sollte man seine Erwartungshaltung überprüfen. Echte Oldtimer bieten nicht annähernd den Komfort, den selbst moderne Einsteigermodelle ermöglichen. So gibt es beispielsweise keine Toilette und keine Waschgelegenheiten im Inneren des Wagens. Auch Herd und Kühlschrank sind oft nicht dabei. Die kleineren Kuschelkugeln besitzen kein Heizsystem, da sie rein durch Körperwärme aufgeheizt werden sollen. All das sollte man bedenken, bevor man mit dem Wohn-Oldie in den Urlaub fährt. Allerdings macht genau dieser Verzicht auf Luxus den Charme aus. Zudem sind fast alle Campingplätze in Deutschland und Europa mit Sanitäranlagen und allem, was ein Camper sonst noch benötigt, ausgestattet.

Technische Gegebenheiten

Wer sich für einen Oldie entscheidet, muss einiges beachten. Für Wohnwagen benötigt man in der Regel einen Führerschein, der es einem erlaubt, einen Anhänger zu ziehen. Der normale B-Führerschein reicht hierzu nicht aus. Ausnahme sind besonders kleine Wohnwagen. Liegt das Gewicht unter 750 Kilogramm, dürfen sie ganz normal an das Auto angehängt und auch mit Führerschein B gezogen werden. Zu beachten sind außerdem die technischen Gegebenheiten des Autos. Je nach Fahrzeugmodell darf nur eine bestimmte Wohnwagengröße angehängt werden. Die Daten dazu findet man in den Fahrzeugpapieren. Darüber hinaus muss das Auto über eine Anhängerkupplung verfügen, damit selbst die kleinsten Mini-Wohnwagen gezogen werden können. Wer keine Anhängerkupplung besitzt, kann diese mühelos vom Fachmann nachrüsten lassen. Dann steht dem Wohnwagen-Urlaub fast nichts mehr im Weg.

Fahrsicherheit

Bedenken sollte man jedoch: Das Fahren mit dem Wohnwagen erfordert ein höheres Maß an Aufmerksamkeit im Verkehr. Da der Wohn-Oldie für zusätzliches Gewicht, mehr Breite, Höhe und Länge sorgt und mehr Angriffsfläche für Wind bietet, ist das Fahrverhalten anders. Deshalb muss unter anderem die Geschwindigkeit stark gedrosselt werden. Je älter der Wohnwagen, desto langsamer ist man damit in der Regel unterwegs. In vielen Fällen sollte man die Autobahn meiden und stattdessen auf Landstraßen fahren. Für Wohnwagen gilt überwiegend ein Tempolimit von 80 km/h. Die Reise dauert also länger, ist aber auch bequemer. Und schließlich lernt man die Umgebung bei langsamem Tempo durch die Landschaft besser kennen als im Eiltempo über Autobahnstrecken.

Quelle: freenet.de
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