Eifel-Enttäuschung für Ferrari: Rückschritt von Quali zu Rennen

Eifel-Enttäuschung für Ferrari: Rückschritt von Quali zu
Rennen
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Eifel-Enttäuschung für Ferrari: Rückschritt von Quali zu Rennen

© Motorsport Images

Nach dem vierten Startplatz von Charles Leclerc schien sich am Nürburgring bereits die Wende für Ferrari anzudeuten. Doch dann lief es am Sonntag wie in Mugello. Ferrari sucht weiter nach dem Schlüssel, ein ganzes Wochenende zu glänzen.

Die Situation erinnerte ein bisschen an Ferraris Heimspiel in Mugello. Hoffnung am Samstag, Ernüchterung am Sonntag. In Mugello fuhr Charles Leclerc vom fünften Startplatz los und kam als Achter ins Ziel. Am Nürburgring stellte er mit dem vierten Startplatz sein bislang bestes Quali-Ergebnis der Saison 2020 ein, kam aber nur als Siebter ins Ziel.

Sebastian Vettel ging zum sechsten Mal in dieser Saison komplett leer aus. Teamchef Mattia Binotto zog ernüchtert Bilanz: "Wir sind natürlich nicht zufrieden mit diesem Resultat, aber wir werden weiter hart daran arbeiten, unser Auto zu verbessern."

Am Nürburgring kamen weitere neue Teile an den SF1000. Charles Leclerc notierte einen kleinen Fortschritt. "Der positive Aspekt des Wochenendes war, dass wir am Samstag trotz kalter Temperaturen stark unterwegs waren und dass wir eine gute Balance für das Auto gefunden haben. Das zeigt uns, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen."

Trotzdem ging die Reise im Rennen rückwärts. Leclerc machte es an den Reifen fest. "Die Soft-Reifen haben nach wenigen Runden stark gekörnt. Wir müssen herausfinden, warum das so war. Ich war langsam und konnte mich nicht verteidigen. Das hat den Rest des Rennens beeinträchtigt."

Leclerc profitierte nicht von Safety-Cars

Die Story des Rennens am Nürburgring las sich ähnlich wie die in Mugello. Auch da spielten die Reifen Ferrari einen Streich, wenn auch aus anderen Gründen. Offenbar ist es im Moment noch nicht möglich, den Speed vom Samstag über eine ganze Renndistanz am Sonntag umzusetzen. Das Körnen der Reifen zwang Leclerc schon nach zehn Runden an die Box. "Wir haben dann auf ein Zweistopp-Rennen umgestellt, was die richtige Entscheidung war", lobte Leclerc seine Strategen.

Weil die Abnutzung der Reifen dem Ferrari-Piloten die Taktik diktierten, konnte Leclerc auch nicht wie andere von der VSC-Phase in Runde 16 und dem echten Safety-Car in den Runden 44 bis 49 profitieren. In beiden Fällen schnallte Ferrari kurz vorher neue Reifen auf. Viele andere profitierten von geschenkten Boxenstopps, nur Ferrari nicht.

Die Ingenieure ließen Leclerc während der Safety Car-Phase mit dem gebrauchten Satz Medium auf der Strecke, obwohl die Gegner rundherum mit frischen Reifen in den Re-Start gingen. Obwohl die Vorzeichen gegen ihn sprachen, rutschte Leclerc nur der Alpha Tauri von Pierre Gasly durch. "Ich glaube, wir haben uns noch ganz gut aus der Affäre gezogen."

Vettel-Unfall wie 2019 in Silverstone

Das ließ sich von Sebastian Vettel nicht sagen. Der Elfte des Trainings fuhr gegen den Trend mit Medium-Reifen los, verlor beim Start eine Position und blickte dann dem Alfa Romeo von Antonio Giovinazzi ins Auspuffrohr, als die mittlere Gummimischung endlich auf Temperatur war. "Ich konnte schneller fahren als die Autos vor mir, konnte sie aber nicht überholen. Da habe ich ein bisschen zu viel riskiert und mich gedreht."

Der Abflug am Ende der Zielgerade erinnerte an den Unfall im Duell mit Max Verstappen vergangenes Jahr in Silverstone. Vettel versuchte es erst innen, dann außen, und als er die Spur des vorausfahrenden Autos kreuzte verlor er in den Turbulenzen den entscheidenden Anpressdruck.

Immerhin blieb der Ferrari heil. Nur der Reifensatz war hinüber. Vettel fiel auf den vorletzten Platz zurück. In der aussichtslosen Lage gab ihm Ferrari eine Garnitur harte Reifen mit, die bis dahin keiner angefasst hatte. Das Ziel war durchzufahren und so vielleicht noch einen WM-Zähler zu holen.

Doch ab der 38. Runde ließ der Grip der Reifen nach. Eigentlich viel früh, doch der Ferrari war an diesem Tag ein Reifenfresser. Als Leclerc mit anderer Taktik von hinten heranstürmte, erwartete jeder eine Stallregie. Doch am Kommandostand blieb es ruhig. Vielleicht aus Angst, Vettel könnte den Befehl ignorieren, was viel über das Vertrauen zwischen Fahrer und Team aussagt.

Weitere Upgrades in Portimao

Als Vettel seinen Ingenieur warnte, dass der Reifensatz womöglich nicht bis zum Ende halten würde, nahm das Safety-Car den Ferrari-Strategen die Entscheidung ab. Der zweite Reifenwechsel warf Vettel zwar wieder auf den 14. Platz zurück, doch jetzt hatte er wenigstens frische Soft-Reifen am Auto.

Es dauerte nach dem Re-Start aber acht Runden, bis er endlich am Williams von Nicholas Latifi vorbei war und weitere zwei Runden, bis er den Haas von Kevin Magnussen abgeschüttelt hatte. Dann stand Vettel wieder bei seinem alten Freund Giovinazzi an. Dort war Endstation. Dem Ferrari fehlte der Top-Speed. Der Alfa Romeo-Pilot konnte wie Vettel DRS einsetzen. Vor Giovinazzi fuhr noch Haas-Pilot Romain Grosjean.

Vettel gab zu, dass er bei dem Rennen, das er 2013 noch gewinnen konnte, nicht seinen stärksten Tag hatte. "Im Moment ist der Wurm drin. Das Auto war im Verkehr extrem schwer zu fahren. Mit meinem Fehler habe ich mir die Chancen zerstört, besser abzuschneiden. Ich tat mich schwer Autos zu überholen, die langsamer als ich waren. Wir konnten im Rennen wegen der Probleme nicht den Speed fahren, den wir im Training hatten."

Vettel hofft, dass mit dem nächsten Rennen in Portimao wieder bessere Zeiten anbrechen. Dann bringt Ferrari die dritte Stufe des Aero-Pakets. Jetzt ist der Diffusor an der Reihe, der mehr Stabilität ins Heck bringen soll.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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