F1-Historie Indy 500

Schon in der ersten F1-Saison 1950 zählte das Indy 500 zum
WM-Programm. Hier wird Jimmy Johnson nach einem Boxenstopp
angeschoben.
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Schon in der ersten F1-Saison 1950 zählte das Indy 500 zum WM-Programm. Hier wird Jimmy Johnson nach einem Boxenstopp angeschoben.

© IndyCar
12.01.2019 - 00:00 Uhr von Michael Schmidt

Elf Mal zählte das Indy 500 zur Formel 1-Weltmeisterschaft. Der Gaststart der Bleifuß-Yankees war ein Zugeständnis an den amerikanischen Verband, der Teil der WM sein wollte, bis 1959 aber keinen eigenen Grand Prix auf die Beine stellen konnte.

Die Sieger hießen Johnnie Parsons, Billy Vukovich und Jimmy Bryan. Die Siegerautos Kurtis Kraft, Epperly und Watson. Der Siegermotor Offenhauser. Nie gehört? Allesamt stehen in der Hall of Fame der Formel 1 als GP-Sieger. Dabei waren sie nur ein Anhängsel der Weltmeisterschaft, das heute gerne vergessen wird. Elf Mal standen die 500 Meilen von Indianapolis im GP-Kalender. Es war ein Zugeständnis der FIA an den amerikanischen Verband, der darauf pochte auch ein amerikanisches Rennen im Kalender zu haben.

Formel 1-Autos waren den Yankees unbekannt. Der Rennsport auf der anderen Seite des Atlantiks fand auf Sandbahnen oder asphaltierten Ovalbahnen statt. Im Fall von Indianapolis auf einem 2,5 Meilen langen Rechteck, das mit Millionen von Klinkern zugepflastert war. Daher der Name Brickyard.

In Indy traten auch Diesel-Autos an

Dass dieses Rennen mit Autos unter einem völlig anderen technischen Reglement abgehalten wurde als in der Formel 1, störte damals keinen. In Indianapolis traten 4,5-Liter-Saugmotoren gegen aufgeladene Dreiliter-Triebwerke an. Sogar Dieselmotoren waren zugelassen. Den Selbstzündern wurde mehr Hubraum gestattet. 1952 stellte Fred Agabashian seinen Kurtis Kraft mit einem Vierrundenschnitt von 222,057 km/h auf die Pole Position. Das Besondere an diesem Einsatz war, dass ein Cummins-Dieselmotor mit Turbolader sein Auto antrieb. Das 6,5 Liter fassende Ungetüm gab 380 PS ab und wurde liegend in das Chassis eingebaut, um den Schwerpunkt abzusenken. Nach 71 Runden war Schluss. Der Cummins-Diesel überhitzte.

Mit der Ausnahme für die Amerikaner hoffte die FIA, dass europäische Fahrer am Indy 500 und im Gegenzug die Indy 500-Recken an den europäischen Grand Prix teilnehmen würden. Der Plan ging nicht auf. Von den Europäern ließ sich nur Alberto Ascari im Nudeltopf blicken. Sein Einsatz 1952 in einem Ferrari 375 mit einem 410 PS starken Ferrari V12 endete nach 41 Runden mit einem Radlagerbruch. Juan-Manuel Fangio und Nino Farina ließen sich nur im Training in Indy blicken. Mangels geeignetem Material reisten sie vor dem Rennen wieder ab.

Das Drama um Bill Vukovich

Von den Indianapolis-Haudegen schafften es nur zwei in das andere Lager. Troy Ruttman, der sich 1952 mit 22 Jahren zum bis dahin jüngsten Indy 500-Sieger gekrönt hatte, versuchte sich 1958 mit einem Maserati 250F beim GP Frankreich. Der Amerikaner wurde Zehnter. Rodger Ward trat 1959 und 1963 beim GP USA an. Einmal mit einem Kurtis Kraft Roadster, das zweite Mal in einem Lotus. Der Indy 500-Sieger von 1959 und 1962 fuhr mit unterlegenem Material hinterher.

Ein einziger Fahrer gewann in den 50er Jahren das Rennen zwei Mal. Bill Vukovich fuhr schon 1952 auf Siegeskurs, als er neun Runden vor Schluss in die Mauer abbog. 1953 und 1954 dominierte der „verrückte Russe“, wie sie den Mann aus Fresno nannten, die wilde Jagd im Kreis. Auch 1955 zählte „Vucky“ zu den Favoriten. Dann schlug das Schicksal grausam zu.

Ausgangs Turn 2 sah Vukovich in der 56. Runde plötzlich wild kreiselnde Autos vor sich. Der Champion erspähte eine Lücke in dem Chaos, übersah dabei aber den Kurtis Kraft von Al Keller. Der drückte den zweifachen Indy-Sieger auf den umgestürzten Wagen von Johnny Boyd. Von dort wurde Vukovichs Kurtis Kraft über die äußere Mauer katapultiert. Das Auto überschlug sich endlos und donnerte in zwei geparkte Pkw von Zuschauern. Vukovich flog aus dem Auto und traf einen Pfosten mit dem Kopf. Nach 16 Runden unter Gelblicht wurde sein Tod gemeldet.

Ein Bootsmotor dominierte in Indy

Sämtliche Indy-Rennen wurden mit dem Offenhauser-Motor gewonnen. Es handelte sich ursprünglich um einen Bootsmotor, der dann in ein Renn-Aggregat umkonstruiert wurde. Die Monoblock-Konstruktion verzichtete auf eine Zylinderkopfdichtung und erlaubte aus diesem Grund hohe Kompressionen. 1950 gab der Offy-Vierzylinder-Reihenmotor aus 4.417 Kubikzentimeter Hubraum 345 PS ab. Zehn Jahre später waren es bei leicht reduziertem Hubraum aber höherer Verdichtung 370 PS.

Die Autos waren samt und sonders Eigenkonstruktionen. Die Namen der Designer sind nur US-Spezialisten geläufig. Lujie Lesovsky, Quinn Epperly, A.J. Watson, Eddie Kuzma oder Frank Kurtis konstruierten ihre Fahrzeuge speziell für die Anforderungen der Linksherum-Vollgasschlacht. Allesamt mit Frontmotor. Brabham und Lotus erschienen mit ihren Mittelmotor-Autos erst in den 60er Jahren im Speedway.

Mit dem Rennen von 1960 ging das Kapitel Indy 500 als Teil der Formel 1-Szene zu Ende. Seit 1959 gab es einen echten US-Grand Prix. Die Formel 1 gastierte ein Jahr lang in Sebring, dann in Riverside, um schließlich vorübergehend eine feste Heimat in Watkins-Glen zu finden.

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Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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