F1-Test Abu Dhabi 2019 (Tag 2)

Wenn ein Pilot im Freien Training trotz Aufforderung nicht an
der FIA-Waage angehalten hat, gab es bisher immer automatisch einen
Boxengassen-Start als Strafe. Ab 2020 können die FIA-Stewards je
nach Schwere des Falls auch mildere Urteile aussprechen.
Bild 1 von 46

Wenn ein Pilot im Freien Training trotz Aufforderung nicht an der FIA-Waage angehalten hat, gab es bisher immer automatisch einen Boxengassen-Start als Strafe. Ab 2020 können die FIA-Stewards je nach Schwere des Falls auch mildere Urteile aussprechen.

© xpb

In Abu Dhabi drehten die zehn Teams am Mittwoch die letzten offiziellen Testrunden vor der Winterpause. Am Ende lag wieder ein Mercedes-Fahrer im Klassement ganz vorne. Für Ferrari lief es dagegen nicht optimal. Wir haben Infos und Bilder.

Formel-1-Autos sieht man im Dezember eher selten im Einsatz. Doch irgendwann muss auch mal Schluss sein. Sieht man mal von der individuellen Erprobung der 18-Zoll-Reifen für 2021 ab, dann gab der Grand-Prix-Zirkus mit dem Testfinale am Mittwoch (4.12.2019) in Abu Dhabi seine Abschiedsvorstellung für dieses Jahr.

Zum großen Kehraus hatten sich noch einmal einige prominente Piloten angemeldet. Der einzige Fahrer, der zwei volle Tage im gleichen Auto saß, hieß Esteban Ocon. Schon nach seinem Comeback am Vortag zeigte sich der Renault-Pilot begeistert: „Es war ein fantastisches Gefühl, wieder im Auto zu sitzen. Auf diesen Tag habe ich mehrere Monate gewartet.“

Für den 1,86-Meter-Schlaks ist der Test wichtig, um noch vor dem Start in die Saison 2020 die perfekte Sitzposition im Cockpit zu finden und sich mit seinem neuen Team zu akklimatisieren. „Dieser Test ist wirklich entscheidend. Er hilft mir extrem weiter. Mit dem verkürzten Testprogramm im Februar ist es ein großer Vorteil, dass ich jetzt schon mal ins Auto darf.“

Mit den Bestzeiten hatte der Rückkehrer nichts zu tun. Nach Platz acht in der ersten Session beendete Ocon den zweiten Testtag auf Rang sechs. Insgesamt drehte der Renault 205 Runden zum Abschied in die Winterpause.

Mercedes-Junior im Silberpfeil

Möglich wurde der Frühstart Ocons nur durch die vorzeitige Freigabe von seinem ehemaligen Arbeitgeber Mercedes. Das Weltmeister-Team musste seinen Junior-Fahrer mangels offener Cockpits zu Renault ziehen lassen. Mit George Russell hat man ja noch einen weiteren extrem talentierten Nachwuchsmann im Kader.

Der Youngster war am ersten Tag noch in seinem regulären Williams-Dienstwagen unterwegs. Zum großen Finale durfte er dann in den Silberpfeil umsteigen und beweisen, dass er genauso schnell ist wie Stammpilot Valtteri Bottas. Der Finne hatte zum Auftakt der Testwoche die Bestzeit gesetzt.

Am Ende reichte es für den gesundheitlich etwas angeschlagenen Russell zwar in 1:37.204 Minuten zur Tagesbestzeit, doch die Marke von Bottas vom Vortag verfehlte der Herausforderer knapp um mickrige acht Hundertstel. Die Zeiten sind aber nicht ganz vergleichbar. Bottas fuhr seine schnellste Runde mit der 2019er C4-Mischung, Russell war auf dem 2020er C5 unterwegs. Mit 145 Runden toppte der Brite immerhin die Kilometerleistung des Finnen um sieben Runden.

Leclerc in der Bande

Bei Ferrari war am Mittwoch ein früher Feierabend angesagt. Zwei Stunden vor dem Ende der Session rutschte Charles Leclerc in die Bande von Kurve 14. Der Pilot blieb bei dem Kontakt mit der Bande unverletzt, das Auto schaffte es aber nur mit dem Transporter zurück an die Box. Leclerc kam dadurch nur auf 103 Runden. Zur Bestzeit von Russell fehlten knapp zwei Zehntel.

Für Ocon, Russell, Leclerc und den Rest der Piloten ging es am Mittwoch vor allem darum, einen guten Eindruck von den neuen 2020er Reifen zu bekommen. Nach dem Test am Dienstag hatten sich einige Piloten etwas kritisch geäußert. „Ich glaube nicht, dass es der Reifen ist, den wir uns gewünscht haben“, erklärte zum Beispiel Romain Grosjean. Ocon fügte an: „Der Unterschied zwischen den Reifen ist nicht gerade riesig.“

Das Feedback überraschte Pirelli-Sportchef Mario Isola nicht: „ Die neuen Reifen sind ungefähr eine Sekunde langsamer. Es war aber auch nicht unser Ziel, schnellere Reifen zu bauen. Der Auftrag von den Teams an uns lag darin, das Arbeitsfenster zu vergrößern und die Gefahr von Überhitzung und Graining weiter zu reduzieren.“

Noch ist nicht ganz sicher, ob die Prototypen-Reifen auch wirklich in der kommenden Saison zum Einsatz kommen werden. Noch können die Teams den Wechsel mit einer Mehrheit ablehnen. Die Aerodynamiker bringt das in eine Zwickmühle. Weil sich die neuen Reifen in der Form etwas von der alten Generation unterscheiden und sich unter Last anders verhalten, müssen die Ingenieure zweigleisig fahren.

Am zweiten Testtag versuchten die Aerodynamik-Experten dem veränderten Luftstrom erneut mit riesigen Messgittern auf die Spur zu kommen. In der Galerie zeigen wir Ihnen einige aktuelle Impressionen der letzten Testrunden des Jahres 2019.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Rolls-Royce, Lotus und Jaguar: So manches britische Modell steht in den deutschen Neuzulassungs-Charts kurz vorm Brexit.mehr
Obwohl noch letzte Genehmigungen fehlen, begann Tesla in Grünheide bereits, die ersten Bäume zu fällen. Und nutzt dazu ...mehr
Ex-Formel-1-Fahrer und TV-Experte Nico Rosberg analysiert die Lage bei Ferrari - Sebastian Vettel kann er sich in ...mehr
Anzeige