Ferrari knapp vor Mercedes

Charles Leclerc & Valtteri Bottas - GP Italien 2019
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Charles Leclerc & Valtteri Bottas - GP Italien 2019

© Motorsport Images

Ein Ferrari steht in Monza wie erwartet auf der Pole Position. Doch die vierte Trainingsbestzeit von Charles Leclerc fiel knapper aus als erwartet. Valtteri Bottas verlor die Pole Position, weil Kimi Räikkönen vor ihm crashte.

Vor einem Jahr strahlte die erste Startreihe beim Italien-Grand-Prix in Rot. Diesmal schoben sich zwei Silberpfeile zwischen die beiden Ferrari. Charles Leclerc markierte die schnellste Trainingsrunde bereits im ersten Versuch der dritten K.O.-Runde in der Qualifikation. Mit 1.19,307 Minuten war der Monegasse zwei Zehntel langsamer als Kimi Räikkönen im Vorjahr. Und genau dieser Räikkönen half Leclerc diesmal dabei, seinen Ferrari auf den besten Startplatz zu stellen.

Der Sauber-Pilot flog mit den beiden Mercedes im Rücken in der Parabolica rückwärts in den Reifenstapel. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas bekamen die gelbe Flagge gezeigt. Während Hamilton mit leichtem Lupfen gerade noch vorbei huschte, musste Bottas in der Parabolica richtig vom Gas.

„Das hat zwei Zehntel gekostet. Valtteri wäre auf die Pole Position gefahren“, waren die Mercedes-Ingenieure überzeugt. Es war auch so knapp. Hamilton verfehlte Leclercs Zeit um 0,039 Sekunden, Bottas um 0,047 Sekunden. Sebastian Vettel folgt mit einem Rückstand von 0,150 Sekunden auf Platz 4.

Ferrari im Top-Speed um 7,2 km/h schneller

Mit einer Pole Position für Ferrari musste man rechnen. Die Strecke von Monza passt ins Profil des SF90. Viele Geraden, wenig Kurven. Der klare Trainingssieg von Spa drängte Ferrari beim Heimspiel in eine noch größere Favoritenrolle. Deshalb war der knappe Vorsprung von Leclerc eine Überraschung.

Mercedes-Rennleiter Toto Wolff pflichtete bei: „Von der Papierform müssten wir in Monza schlechter sein. Unser Top-Speed ist schlechter als der von Ferrari und Renault. Aber schon das letzte Jahr hat gezeigt, dass unsere Autos in Monza konkurrenzfähiger sind als in Spa.“

Charles Leclerc wurde am Ende der Zielgeraden mit 349,7 km/h gemessen. Lewis Hamilton schaffte dort nur 342,5 km/h. Wegen des Windschattens sind die Spitzenwerte nur bedingt aussagekräftig.

Mehr erzählt die Zwischenzeit des ersten Sektors, der aus der Zielgerade, der ersten Schikane und der Curva Grand besteht. Bis auf die 80 km/h schnelle Schikane geht der knapp 27 Sekunden lange Abschnitt mit Vollgas. Leclerc und Vettel führen im ersten Sektor die Rangliste an. Allein dort nehmen sie den Mercedes drei Zehntel ab. Insgesamt waren die Ferrari auf allen vier Geraden knapp eine Sekunde schneller als die Silberpfeile. In den beiden anderen Sektoren hat es genug Kurven, dass sich Hamilton und Bottas mit Bestzeiten zurückkämpfen konnten.

Bottas zwei Zehntel vor der Roten Flagge

Trotz des knappen Vorsprungs ist Leclerc optimistisch, dass er den Mercedes einen großen Kampf liefern kann. „Unser Speed in den Longruns am Freitag war besser als in Spa. Wir haben hier auch keine Probleme mit der Reifenabnutzung.“

Das sieht man bei Mercedes ein bisschen anders. Da hatte man aus den Dauerläufen am Freitag einen Vorteil von drei Zehntel pro Runde auf die Ferrari kalkuliert. Hamilton ließ sich von seinem zweiten Startplatz nicht die Laune verderben. Ganz im Gegenteil: „Wir sind jetzt in einer Position, in der wir den Ferrari den Kampf ansagen können.“

Auch Bottas sieht durchaus Siegchancen: „Wir hatten hier das Potenzial auf die Pole zu fahren. Das hatten wir in Spa nicht.“ Der Finne hatte Pech und Glück zugleich. Sein Pech war die gelbe Flagge wegen des Räikkönen-Unfalls. Sein Glück, dass ihm die Rennleitung die bereits gestrichene Rundenzeit vom ersten Q3-Versuch wieder zurückgab.

Das Rätsel klärte sich schnell. Die Zeit wurde zunächst annulliert, weil Bottas nach dem Schwenken der roten Abbruchflagge wegen des Unfalls von Räikkönen die Ziellinie querte. Doch das Schwenken der Flagge ist nicht entscheidend. Es zählt der Zeitpunkt, an dem die Teams offiziell über den Abbruch des Trainings informiert werden.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Ein Streckenposten könnte ja fälschlicherweise eine Flagge einsetzen. Erst die Mitteilung auf dem Zeitenmonitor macht die Entscheidung der Rennleitung amtlich. Und das fand erst nach der Zielpassage von Bottas statt. Allerdings denkbar knapp. FIA-Rennleiter Michael Masi verrät: „Es waren zwei Zehntelsekunden.“ Andersherum hätte Bottas seine Zeit verloren und wäre am Ende wegen des Chaos beim zweiten Versuch ohne irgendeine zählbare Runde dagestanden. Das hätte Startplatz sieben bedeutet.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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