GP Aserbaidschan offiziell verschoben: Gar keine Rennen im Juni?

GP Aserbaidschan offiziell verschoben: Gar keine Rennen im
Juni?
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GP Aserbaidschan offiziell verschoben: Gar keine Rennen im Juni?

© xpb

Die Formel 1 arbeitet an einem Alternativkalender. Doch keiner weiß, wann die Corona-Krise ausgestanden ist. Jetzt wurde auch der Grand Prix von Aserbaidschan offiziell verschoben. Auch Kanada wackelt bedenklich.

Was passiert mit der Formel 1? Schon jetzt ist klar, dass es zum spätesten Saisonstart aller Zeiten kommt. Wenn überhaupt. Nie wurde ein Formel-1-Jahr später eröffnet als am 27. Mai. Das war 1951 in der Schweiz der Fall. Inzwischen ist der 14. Juni das frühestmögliche Eröffnungsdatum.

Die ersten acht Grands Prix des ursprünglichen Kalenders sind der Corona-Krise bereits zum Opfer gefallen. Baku ist die letzte Verschiebung auf unbestimmte Zeit. 76 Tage vor dem Grand Prix zogen die Regierung und der lokale Veranstalter nach Rücksprache mit Experten und in engem Schulterschluss mit dem Formel-1-Management die Reißleine.

Aserbaidschan ist mit 65 Fällen (Quelle: Johns Hopkins University) zwar noch relativ schwach betroffen vom Coronavirus. Doch kein Land setzt sich in der derzeitigen Lage freiwillig einem Risiko aus. Es werde nun nach einem Ersatztermin für später im Jahr gesucht, heißt es.

Das Rennen in Monaco ist von den Veranstaltern bereits komplett abgesagt. Australien hat keine Chance, in einen Alternativkalender zurückzukehren. Auf der Formel-1-Webseite ist das Rennen bereits als Absage vermerkt. Die Rennveranstaltungen in Bahrain, Vietnam, Spanien und den Niederlanden sollen wie Baku später im Jahr nachgeholt werden. China wohl eher nicht. Das allein schrumpft den Kalender von 22 auf 19 Rennen.

Auch Kanada und Frankreich wackeln

Doch noch ist das Coronavirus nicht im Griff. Die Ansteckungen und Todesfälle steigen weltweit an. Virologen und Ärzte sehen den Höhepunkt noch nicht erreicht. Grenzen sind geschlossen. Der Flugverkehr ist fast lahmgelegt. Im Umkehrschluss heißt das: Im Moment ist kein einziger Grand Prix sicher. Nicht einmal das Rennen in Abu Dhabi am Saisonende, das im alten Kalender auf den 29. November terminiert ist.

Das erste Rennen, das Stand jetzt nicht verschoben oder abgesagt ist, wäre der Grand Prix von Kanada am 14. Juni. Doch selbst daran glauben nur die Optimisten. Kanada hat sich wie die meisten Länder der Welt abgeschottet. Eine Einreise ist nur Staatsbürgern sowie Personen mit permanentem Aufenthaltsstatus erlaubt.

Der Sport rückt in den Hintergrund. Die Kanadier haben ihre Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen, die am 24. Juli starten sollen, vorsorglich abgesagt. Das Internationale Olympische Komitee gerät immer weiter unter Druck, die Spiele ganz zu verschieben. Und wenn Olympia verschoben wird, gehen auch der Formel 1 die Argumente aus.

Kanada hat bisher 1.469 gemeldete Corona-Fälle. Frankreich 16.246. In Le Castellet würde das Rennen am 28. Juni stattfinden. Doch auch im Fall des GP Frankreich vergrößern sich die Fragezeichen. Das 24h-Rennen in Le Mans (13./14. Juni) wurde bereits in den September verlegt. Angesichts der aktuellen Lage sehen viele inzwischen einen Saisonstart im Juli als die frühestmögliche Alternative für die Formel 1.

Schießen auf bewegliches Ziel

Die Formel 1 steht vor einer der größten Bewährungsproben überhaupt in ihrer 70-jährigen Geschichte. Die Parteien rücken zusammen. Doch FIA, Liberty Media, die Teams und Technikpartner schießen auf ein bewegliches Ziel. Die Koordinaten ändern sich täglich, ja sogar stündlich. Die Formel-1-Spitze spielt verschiedene Szenarien durch. Doch mit jedem verschobenen Grand Prix müssen sie ihre Pläne neu justieren. Allein schon der Logistik wegen.

Ein Jahr ohne Formel 1 könnte manche Teams in eine Existenzkrise treiben. Keine Rennen, ausbleibende Sponsoreinnahmen, kaum Ausschüttung aus dem Topf der Rechteinhaber. Da bleiben je nach Team hohe zweistellige bis dreistellige Millionen-Beträge aus. Um Kosten zu sparen, wurde einstimmig das Technikreglement für 2021 auf 2022 verschoben. Die Formel 1 fährt 2021 mit den aktuellen Chassis und Reifen. Die Parteien haben alle Reifenentwicklungstests abgesagt.

So wird es immer wahrscheinlicher, dass die Formel 1 über den Winter fahren muss, sofern es das Coronavirus zulässt. Dafür müssen aber dringende Fragen geklärt werden. Können die Teams dazu verpflichtet werden, über 2020 hinaus zu fahren, obwohl man eigentlich nur bis Ende des Jahres in der Formel 1 eingeschrieben ist? Was bedeutet das für die Geldverteilung? Ein ähnliches Problem hat der Fußball, wo diverse Spielerverträge am 30. Juni enden.

TV-Verträge müssten für eine Wintersaison neu ausgehandelt werden, Produktion und Logistik umgestellt. Und dann bleibt noch die Personalfrage. Wie sehr würden die Arbeitskräfte an ihre Belastungsgrenze getrieben, wenn sich innerhalb weniger Monate Rennen an Rennen drängt, erst im Januar oder Februar Schluss ist, und das neue Jahr im März in Australien wieder starten soll? Kein Team unterhält zwei Crews, um die Reisestrapazen aufzuteilen. Das Chaos in diesem Jahr könnte also vielleicht auch zu Verschiebungen im nächstjährigen Kalender führen.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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