Hamilton unter Druck

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP England - 13. Juli
2017
Bild 1 von 76

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP England - 13. Juli 2017

© sutton-images.com
13.07.2017 - 20:07 Uhr von Michael Schmidt

Lewis Hamilton musste sich viel Kritik anhören, das Show-Event in London als einziger Fahrer geschwänzt zu haben. Der Mercedes-Star entschuldigte sich damit, dass er sich auf Silverstone vorbereiten wollte. Mit Party in Griechenland.

Lewis Hamilton machte sich in England maximal unbeliebt. Der Star der Massen in Silverstone schwänzte das größte Show-Event der Formel 1 aller Zeiten. Und das fand ausgerechnet auch noch mitten in London statt. Dort, wo Hamilton wie ein Popstar empfangen worden wäre. Alle Teams kamen. Neun von zehn stellten ein Showcar. 19 Fahrer waren anwesend. Weltmeister Nico Rosberg präsentierte seinen WM-Pokal. Nur einer fehlte. Als der Name Hamilton fiel, wurde im Publikum gebuht.

Hamilton hatte via Twitter mitgeteilt, dass er sich zwei Tage frei genommen hätte und sich darauf freue, alle Fans in Silverstone wiederzutreffen. Die fanden das dann nicht mehr lustig, als auf dem sozialen Netzwerk Instagram Fotos von Hamilton auftauchten, wie er in Griechenland Party machte und mit seinem Privatjet posierte.

Party gehört zu Hamiltons Entspannungsprogramm

Das waren die idealen Voraussetzungen für einen Spießrutenlauf am Tag der Pressekonferenzen in Silverstone. Doch Hamilton hatte sich bereits eine Standardantwort zurechtgelegt, die er immer dann anbrachte, als das Nachbohren der Journalisten zu aufdringlich wurde. „Ich habe versucht, mich optimal auf mein Heimrennen vorzubereiten und wollte einfach zwei Tage relaxen. Es ist das wichtigste Wochenende des Jahres. Ein Sieg ist Pflicht. Alle erwarten ihn von mir. Ich muss in der WM aufholen.“

Auf die Frage, ob zwei Vierstunden-Flüge nach Griechenland die bestmögliche Vorbereitung gewesen sind, gab Hamilton mürrisch zurück: „Wie ihr alle wisst, fliege ich sonst noch viele Stunden mehr in der Gegend herum.“ Was wir auch wissen. Hamilton erholt sich am besten, wenn man ihn tun lässt, was er will. Party gehört bei ihm zum Entspannungsprogramm.

Die Fragesteller ließen nicht locker. War es rückblickend ein Fehler, nicht in London angetreten zu sein. Andere Frage, gleiche Antwort: „Ich habe meine Entscheidung schon vorher getroffen. Meine Vorbereitung auf mein Heimrennen war mir wichtig. Und mein Team hat es verstanden.“ Noch ein Versuch: Würde er nächstes Jahr wieder so entscheiden? „Da denke ich nächstes Jahr drüber nach“, gab Hamilton zurück.

Als ihm einer zwischen Zeilen das Gerücht auftischt, die Verweigerung sei eine Trotzreaktion darauf, dass der eigene Teamchef Toto Wolff kürzlich bei der Geburtstagsparty von WM-Gegner Sebastian Vettel war, gab der WM-Zweite brummig zurück: „Das ist die dümmste Frage, die ich je gehört habe.“

Hülkenberg gibt Hamilton Rückendeckung

Die andere Fahrer griffen ihren Kollegen nicht direkt an, ließen aber doch durchblicken, dass die Veranstaltung im Herzen von London selbst für gestandene Formel 1-Piloten ein einmaliges Erlebnis mit Gänsehaut-Gefühl war. „Als ich zur Bühne gegangen bin, haben die Leute auf beiden Seiten der Straße applaudiert und meinen Namen gerufen. Ich fühlte mich wie ein Rockstar. Es war ein Tag, den ich nie mehr vergessen werde“, berichtete Esteban Ocon.

Auch Sebastian Vettel hatte Spaß: „Als die alten Autos mit den V8-Motoren fuhren und dann erst der McLaren-Honda mit dem V12, das war wie Musik in meinen Ohren. Ich habe es genossen, und ich glaube die Fans auch. England hat eine Passion für den Rennsport. Es war genau der richtige Ort. So gesehen ein Win-Win-Geschäft für alle.“ Selbst Fernando Alonso fand nur Lob: „Ich würde sagen, dass 20 bis 30 Prozent der Leute noch nie ein Formel 1-Auto gesehen habe. Auf den sozialen Netzwerken habe ich gelesen, dass für viele der nächste Schritt ist, sich ein Rennen anzuschauen.“

Auf die Frage, ob man Hamiltons Fernbleiben verstehen könne, antworteten die Kollegen eher vorsichtig. „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, ging Vettel jeder Kontroverse aus dem Weg. Alonso meinte auf die Frage, ob er sich im Sinne einer perfekten Vorbereitung besser zwei Tage freigenommen hätte: „Ich fühle mich auch so gut vorbereitet.“ Nico Hülkenberg zeigte sogar Verständnis für den Mercedes-Star: „Jeder ist anders. Wenn Lewis sich mit zwei freien Tagen besser vorbereitet fühlt, dann war es richtig für ihn.“

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
Kommentare
Top-Themen
Empfehlung: Ford Sierra XR4i Motor: V6, 12V, 2.792 ccm / Leistung: 150 PS bei 5.700 U/min / Gewicht: 1.250 kg / Vmax:mehr
Mit dem neuen Jahr treten auch einige neue Regeln und Vorschriften für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer in Kraft.mehr
Wir blicken auf das untere Ende der Verkaufs-Hitparade des KBA und nennen die Modelle, die im Oktober 2017 die ...mehr
Anzeige
Auto Motor und Sport
Anzeige
Auch interessant
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige