Hört nicht auf die Fernsehfritzen!

Mehr Wasser, mehr Crashs, mehr Zuschauer? Michael Schmidt glaubt
nicht, dass die Gleichung aufgeht.
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Mehr Wasser, mehr Crashs, mehr Zuschauer? Michael Schmidt glaubt nicht, dass die Gleichung aufgeht.

Bernie Ecclestones Vorschlag, die Rennstrecken künstlich zu bewässern, trifft bei Michael Schmidt auf wenig Gegenliebe. In seinem Blog warnt er, dass die Formel 1 zur Zirkusnummer verkommt.

Sind die noch zu retten? Erst Bernie Ecclestone, jetzt auch noch Pirelli. Da wird ernsthaft darüber diskutiert, die Strecke während eines Grand Prix künstlich zu bewässern, um mehr Spannung zu erzeugen. Was ist das für ein Blödsinn? Wer die Formel 1 kaputtmachen will, der lässt sich so etwas einfallen. Warum nicht gleich die Hälfte der Autos gegen die Rennrichtung fahren lassen?

Formel 1 ist gut, wie sie ist!

Leute, kommt endlich zur Besinnung. Die Formel 1 ist gut, so wie sie ist. Wir haben gerade eine der spannendsten Saisons hinter uns, und dann gibt es immer noch Leute, denen das nicht genug ist. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein bitte. Das muss nicht heißen, dass alles in der Formel 1 zum Besten steht, aber wenn wir von Veränderungen sprechen, dann sind damit höchstens kleine Anpassungen gemeint. Schon der verstellbare Heckflügel ist eine Nummer zu viel. Jede Form von künstlicher Spannung ist ein Armutszeugnis für den Sport. Er muss für sich sprechen und darf nicht zur Zirkusnummer verkommen.

Genauso gut könnte man vom Fußball verlangen, dass jede Mannschaft pro Match drei Elfmeter geschenkt bekommt. Und dem Torwart werden die Hände am Rücken gefesselt. So eine Schnapsidee wie eine künstliche Streckenbewässerung kann eigentlich nur Leuten einfallen, die diesen Sport nicht verstehen. Bernie Ecclestone ist ein Racer. Auf seinem Mist ist dieser absurde Vorschlag bestimmt nicht gewachsen, auch wenn er ihn jetzt in die Runde wirft.

Druck von Fernsehanstalten

Ich glaube zu wissen, woher diese Idee herkommt: CVC-Chef Donald Mackenzie hatte sie im letzten Jahr einmal in einem Experten-Gremium geäußert. CVC ist die Firma, denen die kommerziellen Rechte der Formel 1 gehören. Und Mackenzie ist Bernies Chef. CVC reagiert nur auf Druck, der von den Fernsehanstalten kommt. Und die wünschen sich mehr Überholmanöver. Morgen zehn pro Rennen, übermorgen vielleicht 100.

Dazu kann ich nur sagen: Leute, hört nicht auf die Fernsehmacher! Die haben null Ahnung von unserem Sport. Sie sollten sich lieber darauf konzentrieren, dass ihre Reporter die Formel 1 besser erklären. Dann ist sie auch für ein breiteres Publikum spannend. Das eine oder andere Überholmanöver mehr könnte sicher nicht schaden, aber da gibt es andere Lösungen als künstlichen Regen oder verstellbare Flügel.

Formel 1 sollte Fußball zum Vorbild nehmen

Beim Fußball hat es das Fernsehen auch mal probiert, als die Defensivtaktik populär war und deshalb weniger Tore fielen. Die FIFA hat sich von den Fernsehfritzen nicht dreinreden lassen. Die wollten größere Tore und die Abseitsregel abschaffen. Dabei hätten die TV-Anstalten auch nach der letzten WM in Südafrika allen Grund dazu, mehr Tore zu fordern. Bei Licht betrachtet war höchstens ein Drittel aller Spiele gut. Echte Fußballfans leben damit.

Die Formel 1 sollte sich ein Beispiel an den Fußballern nehmen. Die lassen sich von außen nicht reinreden. Der Sport wird für die echten Fans gemacht, nicht für Fernsehleute, die kurzsichtig nur an die Quote denken.

Quelle: 2011 Motor-Presse Stuttgart
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