Korrigierte WM-Tabelle

Max Verstappen leistete sich in der Saison 2018 Fehler am
Fließband. Wir zeigen Ihnen noch einmal die Bilder des
holländischen Crashkönigs...
Bild 1 von 17

Max Verstappen leistete sich in der Saison 2018 Fehler am Fließband. Wir zeigen Ihnen noch einmal die Bilder des holländischen Crashkönigs...

© sutton-images.com
05.06.2018 - 11:59 Uhr von Tobias Grüner

Max Verstappen hat sich bisher an allen sechs Rennwochenenden grobe Schnitzer und Kollisionen geleistet. Doch wo stünde der Holländer ohne die zahlreichen Fehler? Wir haben noch einmal nachgerechnet.

Max Verstappen ist eine der großen Attraktionen der Formel 1. Dank ihm wird das Motodrom beim Hockenheim-Grand-Prix zu großen Teilen in Orange erleuchten. Dank ihm ist das Rennen in Spa-Francorchamps erneut ausverkauft sein. Und dank ihm wird in der Königsklasse immer ordentlich Spektakel geboten. Für den Youngster, der sich einen Alterserkord nach dem anderen schnappte, ging es in den ersten drei Jahren praktisch nur nach oben.

Doch nach nur 6 Rennen in der Saison 2018 ist von dem großen Verstappen-Hype mehr viel übrig. Der Niederländer leistete sich einen Fehler nach dem anderen. Kleine Ausrutscher wechselten sich mit folgenschweren Kollisionen ab. Der WM-Titel ist in weite Ferne gerückt. Von Experten und ehemaligen Piloten hagelte es zuletzt heftige Kritik. Zu aggressiv, zu ungeduldig, nicht reif genug – selbst das eigene Team verlangte von seinem Piloten eine neue Einstellung.

Doch wie folgenschwer waren die sechs Fehler in den ersten sechs Rennen wirklich? Wir wollten genau wissen, wo Verstappen in der Fahrerwertung jetzt liegen würde, wenn er in manchen Situationen etwas weniger Risiko eingegangen wäre. Dazu haben wir noch einmal die Rennverläufe der ersten Rennen des Jahres analysiert und die Patzer des Red Bull-Piloten einfach rausgerechnet.

GP Australien:

Für den Auftakt in Melbourne fällt die Analyse relativ einfach aus. Verstappen hatte sich beim zu wilden Überfahren der Kerbs den Unterboden beschädigt und sich in Runde 9 einen Dreher geleistet. Dabei schlüpften Romain Grosjean, Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg durch. Weil Grosjean später ausfiel und Hülkenberg durch einen Undercut wieder eingeholt wurde, verlor Verstappen auf den ersten Blick nur eine Position.

Durch den Zeitverlust beim Dreher und durch das angeschlagene Auto bekam allerdings auch noch Fernando Alonso die Chance, durch einen Stopp in der virtuellen Safety-Car-Phase vorbeizuziehen, was für den Spanier sonst nicht möglich gewesen wäre. Oder anders ausgedrückt: Vor seinem Dreher lag Verstappen noch vor Teamkollege Ricciardo, der am Ende Vierter wurde. Das wäre also der Platz gewesen, den Verstappen ohne den Fehler eingenommen hätte. Es gingen also 4 Punkte verloren.

GP Bahrain:

In Bahrain ist die „Was-Wäre-Wenn-Frage“ schon nicht mehr ganz so leicht zu beantworten. In der Qualifikation feuerte Verstappen sein Auto in Kurve 2 in den Reifenstapel. Nach etwas Bedenkzeit gaben die Red Bull-Verantwortlichen zu, dass es sich um einen Fahrfehler handelte. Von Startplatz 16 machte der Youngster in der ersten Runde direkt 5 Plätze gut. Doch beim Duell mit Lewis Hamilton kam es zur folgenschweren Kollision. Verstappen schleppte sich mit einem Reifenschaden noch an die Box, musste aber nur kurze Zeit später mit einem Defekt am Differential aufgeben.

Wo das Auto mit der Startnummer 33 gelandet wäre, ist schwer zu sagen. Teamberater Helmut Marko hielt dank der guten Rennpace sogar einen Sieg für möglich, mindestens aber ein Podium. Hamilton landete später mit 6,5 Sekunden Rückstand auf Rang 3 hinter Vettel und Bottas. Weil sich nicht sagen lässt, ob Verstappen wirklich auf der Strecke an den anderen Top-Autos vorbeigekommen wäre, setzen wir ihn in unserer Rechnung konservativ auf Rang 4.

GP China:

Beim Rennen in China konnte Red Bull dann erstmals die gute Rennpace ausspielen. Ein geschickter zweiter Boxenstopp in einer Safety-Car-Phase brachte Verstappen und Ricciardo den Reifen-Joker für das letzte Renndrittel. Beim Restart in Runde 37 lag der Holländer noch vor seinem Teamkollegen. Ein missglückter Angriff auf Hamilton drehte die Reihenfolge um. Fünf Runden später kollidierte er dann auch noch mit dem Vettel-Ferrari, was zu einem massiven Zeitverlust führte. Auch Hamilton verlor eine Position gegen Räikkönen, weil er dem Red Bull ausweichen musste, was in die Rechnung einbezogen werden muss.

Am Ende rollte Verstappen noch hinter Bottas und Räikkönen ins Ziel. Teamkollege Ricciardo gewann das Rennen locker mit knapp 9 Sekunden Vorsprung. Hier muss man nicht lange spekulieren: Ohne Fehler und mit etwas mehr Geduld, hätte es am Ende einen Red Bull Doppel-Erfolg mit Max Verstappen auf der obersten Stufe gegeben. Ohne die Kollision wäre Vettel übrigens hinter Bottas Vierter geworden und nicht mit beschädigtem Auto auf Rang 8 abgerutscht.

GP Aserbaidschan:

Nur zwei Wochen nach China leistete sich Verstappen direkt den nächsten Bock. Beim Crash mit Teamkollege Ricciardo verteilten die Kommissare zwar nachträglich die Schuld gleichmäßig auf beide Piloten. Doch wenn Ricciardo nicht wie von seinem Team angewiesen in der Befragung einen Teil der Verantwortung auf sich genommen hätte, dann hätte es wohl eine deftige Strafe für Verstappen gehagelt. Praktisch alle Experten und Fahrerkollegen waren sich einig, dass der doppelte Spurwechsel beim Verteidigen den Crash verursachte.

Die Kollision in der 39. Runde hatte aber noch weitreichendere Folgen als nur den Doppelausfall für beide Red Bull, die im Normalfall auf den Plätzen 4 und 5 gelandet wären. Bottas hätte das Rennen ohne das Safety-Car dank des Reifenvorteils in den Schlussrunden wohl gewonnen – da sind sich die Mercedes-Strategen sicher. Doch beim Restart verlor Magnussen im Duell mit Gasly ein Leitblech von seinem Haas-Renner, das später für einen Reifenschaden und den Ausfall von Bottas sorgte.

Ohne den Restart hätte Vettel wohl auch nicht die Chance zur Attacke auf Bottas gehabt, bei der er sich den Reifen eckig bremste, was ihn am Ende auf Rang 4 zurückwarf. Hamilton hätte das Rennen unter normalen Umständen niemals gewonnen, auch Räikkönen und Perez auf den Plätzen 2 und 3 profitierten von dem durch den Red Bull-Crash ausgelösten Chaos in den letzten Runden.

GP Spanien:

Im Vergleich zu den Crashs in Bahrain und Baku war die Kollision in Barcelona fast schon harmlos. In einer Restart-Phase kollidierte Verstappen mit dem Williams von Lance Stroll und beschädigte sich den Frontflügel. Hier hatte der Niederländer Glück, dass sein Auto trotz des Schadens nicht zu viel Pace verlor, so dass er auf einen Reparatur-Stopp verzichten konnte.

Auf das Ergebnis hatte der Fehler somit keine Auswirkungen. Die beiden Mercedes waren in Barcelona unschlagbar. Sebastian Vettel stellte durch seine Reifenprobleme hinter Verstappen keine Gefahr dar. Und Teamkollege Daniel Ricciardo hatte durch einen selbstverschuldeten Dreher viel Zeit verloren und konnte dadurch nicht mehr in den Kampf um die Podiumsplätze eingreifen.

GP Monaco:

Bei Klassiker im Fürstentum waren die Folgen des Crashs im dritten Training für Verstappen dafür umso größer. Die Mechaniker schafften es nicht, dass beschädigte Auto bis zum Qualifying wieder einsatzbereit zu machen. Verstappen musste im Rennen von ganz hinten starten. Am Ende landete er nur auf Rang 9 und sammelte magere zwei Pünktchen.

Was mit dem Red Bull in Monte Carlo möglich gewesen wäre, zeigte Daniel Ricciardo eindrucksvoll. Im Qualifying sicherte sich der Australier locker die Pole Position. Im Rennen ließ er der Konkurrenz trotz ausgefallener MGU-K keine Chance. Selbst mit einer konservativen Rechnung wäre Verstappen mindestens auf Rang 2 gelandet.

Fazit:

Rechnet man alle Ergebnisse und WM-Punkte zusammen, kommt man auf ein interessantes Ergebnis. Max Verstappen hätte ohne seine Fehler in Serie nicht 35 WM-Punkte auf dem Konto sondern satte 90 Zähler und würde sich auf Rang 3 der Tabelle mittendrin im Kampf um den Titel befinden.

Fast noch interessanter als der Punktestand des holländischen Crashkönigs sind die Auswirkungen auf die anderen Piloten. An der Spitze würde sich die Reihenfolge komplett umkehren. Sebastian Vettel hätte nicht 14 Punkte Rückstand auf Hamilton sondern 17 Punkte Vorsprung. Neben Vettel ist Bottas der größte Leidtragende der Verstappen-Fehler. Sein Punktestand würde von 68 auf 85 Punkte ansteigen.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die zahlreichen Patzer von Max Verstappen in den ersten sechs Rennen des Jahres.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Ford präsentiert auf dem Goodwood Festival of Speed am 12. Juli 2018 ein Mustang-Einzelstück mit 700 PS. Der Ford ...mehr
Wie würde es aussehen, wenn jede Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2018 in Russland einen eigenen ...mehr
Der Volkswagen Sedric („Self Driving Car“) präsentierte vor einem Jahr den Sedric sich zum Genfer Auto Salon 2018 die ...mehr
Anzeige
Auto Motor und Sport
Anzeige
Anzeige