Mercedes bestätigt Formel-1-Verbleib: Toto Wolff bleibt Teamchef

Mercedes bestätigt Formel-1-Verbleib: Toto Wolff bleibt
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Mercedes bestätigt Formel-1-Verbleib: Toto Wolff bleibt Teamchef

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Mercedes widerspricht nachdrücklich den Gerüchten, die den Konzern bald außerhalb der Formel 1 sehen. Im Gegenteil. Mercedes bleibt der Königsklasse als Werksteam treu. Zudem steht die Vertragsverlängerung mit Toto Wolff als Teamchef unmittelbar bevor.

Seit 2014 dominiert Mercedes die Formel 1 wie kein Rennstall jemals zuvor. Seither hat die Marke mit dem Stern 89 von 121 möglichen Grand-Prix-Siegen eingefahrenn. Sechs Mal wurde ein Mercedes-Fahrer Weltmeister. Sechs Mal krönte sich der Rennstall mit der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft.

Trotz der großen Erfolge begleitete das Werksprogramm in der Formel 1 immer wieder Ausstiegsgerüchte. Sie erhielten scheinbar in den letzten Monaten frische Nahrung. Die Coronapandemie trifft die deutsche Automobilindustrie, trifft Mercedes. Der Absatz schrumpft, der Umsatz geht zurück, Mitarbeiter stecken in Kurzarbeit. Die Daimler-Aktie krachte auf ein Zwischentief von etwa 22 Euro. Inzwischen steht sie wieder bei über 34 Euro. Verständlich, dass man da auch prüfend auf die Motorsport-Aktivitäten schaut.

Trotz der Krise hält Daimler allerdings an seinem Formel-1-Programm fest. Und man wird es auch über 2020 hinaus tun. Auf Anfrage von auto motor und sport stellte der Stuttgarter Autobauer am Freitag klar: "Wir möchten nicht nur, sondern wir werden als Werksteam in der Formel 1 weitermachen." Oder anders: Mercedes bekräftigt, den neuen Grundlagenvertrag der Königsklasse unterschreiben zu wollen.

Mercedes begrüßt F1-Zukunftsplan

Am gestrigen Donnerstag hatte Mercedes abermals wieder aufkommende Gerüchte entkräftigt, dass das Formel-1-Engagement auf der Kippe stehe. In einem Statement wies Daimler das Gemunkel aufs Schärfste zurück. "Spekulationen über einen möglichen Rückzug aus der Formel 1 sind weiterhin unbegründet und verantwortungslos. Der Sport hat die richtigen Maßnahmen getroffen, um die Folgen der Covid-19-Pandemie und seine künftige finanzielle Nachhaltigkeit zu adressieren. Wir begrüßen diese Schritte."

Die Formel 1 um FIA-Präsident Jean Todt und die Rechteinhaber von Liberty Media haben in den letzten Wochen ganze Arbeit geleistet. Die Coronakrise bedroht zwar noch immer die Existenz mancher Teams. Doch die Formel 1 federt maximal ab. Man hat in dem hohen Risiko auch eine große Chance entdeckt – und sie genutzt. Ohne die drastischen Einschnitte hätte die Königsklasse womöglich einen Aderlass beklagen müssen. Durch den Zukunftsplan fällt es Herstellern wie Renault und Mercedes leichter, einen F1-Verbleib zu rechtfertigen.

Die Jahresausgaben der Teams werden sinken. Es gibt zwar noch Ausnahmen wie die Fahrergehälter, das Gehalt der drei bestbezahlten Angestellten und das Marketing zum Beispiel. Trotzdem werden selbst die Großen nicht mehr 300 Millionen und mehr im Jahr ausgeben, sondern deutlich weniger. 145 Millionen Dollar plus die Ausnahmen. Die Ausgaben können sie über Einnahmen aus dem Formel-1-Rechtetopf und über Sponsoren womöglich abdecken. Es wird sich zeigen, ob manche Teams vielleicht sogar kleines Geld verdienen können. In jedem Fall wird die Formel 1 nachhaltiger.

Motorenkosten runter

Damit nicht nur die Chassis-Abteilungen sparen, sondern auch die Motorenkosten drastisch runtergehen, werden die Prüfstandsläufe begrenzt. Da verfeuerten die Hersteller in der Vergangenheit dutzende Motoren und Benzin. Die Motoren liefen praktisch Tag und Nacht auf den Hightech-Prüfständen. Dem wird mit den neuen Regularien, die bereits ab 2020 greifen, ein Ende gesetzt.

Außerdem soll die Motorenentwicklung beschränkt werden. Die Hersteller werden nicht mehr für jede Saison einen komplett neuen Motor bauen. Teile werden eingefroren. In den nächsten Jahren wahrscheinlich der komplette V6-Turbo. All das spart Geld. Kosten, die enstehen, können ansonsten über die Forschung gerechtfertigt werden. Die Formel 1-Motoren sollen Schritt für Schritt auf synthetische Kraftstoffe umgestellt werden. Das könnte auch ein Weg für die Straßenautos der Zukunft sein.

Die Formel 1 hat bereits begonnen, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Spätestens 2030 will die Königsklasse CO2-neutral sein. Das ist wichtig für die Hersteller. Das grüne Rad wird sich nicht mehr zurückdrehen lassen.

Es wurden Antworten geliefert auf die Fragen der Kritiker. Kann ein Unternehmen, das wie die gesamte Branche und Wirtschaft tief in der Krise steckt, überhaupt weiter in der Formel 1 bleiben? Ein Geschäft, das hunderte von Millionen Euro pro Jahr verschlingt. Wäre das nicht unvernünftig, gar unmoralisch?

Wolff bleibt der Chef

Immer wieder tauchten in der jüngeren Vergangenheit auch Gerüchte um Mercedes-Teamchef Toto Wolff auf. Daimler beendet sie jetzt. "Toto ist und bleibt unser Teamchef – über die Saison hinaus", sagte ein Konzernsprecher gegenüber der Deutschen Presse Agentur. Wolff werde auch weiter das operative Geschäft des Mercedes-Teams leiten – auch über 2020 hinaus.

Dessen strategisches Investment bei Aston Martin und die laufenden Vertragsverhandlungen führten in den letzten Monaten zu wilden Spekulationen. Wolff wurde von manchen Medien bereits zum Geschäftsführer von Aston Martin gemacht. Und ihm wurde ein eher unterkühltes Verhältnis zu Daimler-Boss Ola Källenius nachgesagt. Wolff könne in seinem Reich nicht mehr agieren und regieren wie einst unter Vorstandschef Dieter Zetsche. Källenius überstimme ihn bei manchen Entscheidungen, hieß es.

Ob das nun stimmte oder nicht: Källenius und Wolff wollen weiter zusammenarbeiten. Zwischen den Zeilen hört man heraus, dass die beiden Parteien kurz vor Abschluss der Verhandlungen stehen. Daimler möchte sich zu Vertragsdetails nicht äußern. Hier gilt Diskretion.

Keine Ausweitung bei Aston Martin

Die AUTO BILD hatte darüber berichtet, dass der 48-jährige Österreicher Ende des Jahres seinen Posten als Teamchef räumen könnte. Er verlasse das operative Geschäft und steige stattdessen in das Aufsichtsgremium des Formel-1-Teams auf. Anvisiert sei eine Art Supervisor-Rolle. Der neue Teamchef müsse dann direkt an Wolff berichten.

Daimler bestreitet das. Genauso wie die Spekulationen um ein Tauschgeschäft zwischen Lawrence Stroll und Mercedes. In dem Bericht hatte es geheißen, Stroll würde seine Anteile an Aston Martin an Daimler abtreten, das die Firma im Sportwagenmarkt dann gegen Ferrari positionieren könne. Im Gegenzug erhalte Stroll Anteile am Mercedes-F1-Team. Der Kanadier und Wolff würden dann das Mercedes-Werksteam als Mehrheitseigner leiten.

Daimler verneint auf Anfrage, dass es solche Planspiele gibt. Im Gegenteil: Man verweist sie ins Reich der Fabeln. Es würden gezielt von gewissen Parteien Gerüchte gestreut, die nicht stimmten. Wäre an der Aston-Martin-Geschichte etwas dran, hätte es Daimler bereits bei der Bekanntgabe des Wechsels von Tobias Moers von AMG zu Aston Martin angedeutet. Dann wäre in der Pressemitteilung etwas gestanden wie: Mercedes strebt eine weitere Beteiligung an. Doch genau so ein Satz war nicht zu lesen.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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