Mercedes-Entscheidung in der Sommerpause

Valtteri Bottas - Formel 1 - 2019
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Valtteri Bottas - Formel 1 - 2019

© Motorsport Images

Wenn der GP Ungarn ein Empfehlungsschreiben für Valtteri Bottas gewesen sein soll, dann wäre er seinen Mercedes-Job jetzt los. Der Finne hofft, dass seine Richter das größere Bild sehen. Die Entscheidung soll noch in der Sommerpause fallen.

Valtteri Bottas oder Esteban Ocon? Diese Frage muss Mercedes in der Sommerpause beantworten. Wer wird 2020 der Mann neben Lewis Hamilton? Das Weltmeister-Team hat sich bei seiner Wahl selbst diese Frist gesetzt. Je länger man wartet, desto schwerer ist der Verlierer dieser Fahrerfrage bei einem anderen Team zu vermitteln. Da Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit den Fahrern aus seinem Pool auch persönliche Kontakte pflegt, hat er auch ein Interesse daran, dass sie in diesem Zirkus weiter eine Anstellung finden.

Valtteri Bottas hätte eine Glanzleistung beim GP Ungarn sicher geholfen. So weit war er gar nicht davon entfernt. Der Finne verpasste nur um 18 Tausendstel die fünfte Pole Position in diesem Jahr. Und er verwies immerhin seinen Teamkollegen um 0,179 Sekunden in die Schranken.

Doch dann war der schöne Traum nach einem Kilometer schon wieder geplatzt. Bottas fing sich im Kampf mit Lewis Hamilton und Charles Leclerc zwei Treffer am Frontflügel ein. „Das Manöver mit Lewis war hart, aber fair. Leclerc hätte vor mir nicht so scharf reinziehen müssen. Er war ja schon vorbei“, meinte Bottas im Rückblick.

Bottas überholt zehn Autos

Nach fünf Runden musste der Mercedes mit der Nummer 77 zum Service an die Box. Der Bremsplatten rechts vorne verursachte zu starke Vibrationen, und der Frontflügel wurde immer instabiler. Die Strategen hatten gehofft, Bottas könnte sein angeschlagenes Auto noch bis Runde 20 schleppen, um so mit einem Stopp über die Distanz zu kommen.

Für die ersten vier Plätze kam er sowieso nicht mehr in Frage. Aber solange er Carlos Sainz abwehren könnte, hätte dieser Plan Sinn gemacht. Doch dann musste die Ingenieure die Reißleine ziehen. „Die Vibrationen wurden immer schlimmer. Das hat auch den Flügel immer mehr beschädigt. Als wir Angst haben mussten, dass Valtteri das Auto auseinanderbricht, haben wir ihn reingeholt.“

Die Aufholjagd vom letzten Platz mit einem weiteren Boxenstopp gestaltete sich mühsam. Bottas überholte zehn Autos, hing aber insgesamt 48 Runden lang hinter Daniel Ricciardo und Lando Norris fest. Das hat Kimi Räikkönen, Pierre Gasly und Carlos Sainz ihre Positionen gerettet. Unter optimalen Bedingungen hätte Bottas noch Fünfter werden können. Er kam aber nur als Achter ins Ziel. Auch das wird man ihm bei einer Rennanalyse vorhalten. Im Zweikampf sind andere kompromissloser.

Ein Rennen unter Beobachtung

Bottas wusste, dass er unter Beobachtung fuhr. „Das machte es so schwierig frei zu fahren, ans Limit zu gehen, das Risiko abzuschätzen und die optimale Leistung zu bringen. Im Zweikampf mit Lewis musste ich auch an das Team denken.“ Eine Kollision mit dem Teamkollegen hätte die Chancen des Kandidaten sicher nicht verbessert.

Der Unfall von Hockenheim stand schon als dickes Minus in seiner Akte. Bottas hofft, dass seine Richter ihr Urteil nicht von einem Rennen abhängig machen: „Von der Leistung her hatte ich meine bislang beste Saison. Ich bin in der Qualifikation stärker geworden und fahre bessere Rennen. Was noch fehlt, ist die Konstanz. Der GP Ungarn sollte kein Maßstab sein. Nach dem frühen Boxenstopp habe ich an einem anderen Rennen teilgenommen.“

Der fünffache GP-Sieger verabschiedete sich mit den Worten in die Sommerpause: „Wir werden bald Neuigkeiten hören. Ich kann jetzt nur noch warten.“ Teamchef Toto Wolff versprach: „Das Resultat von Budapest wird für die Entscheidung nicht ausschlaggebend sein. Wir schauen auf das gesamte Bild. Das müssen wir uns in den nächsten Tagen noch zusammenstellen. Wir werden uns die Entscheidung nicht leicht machen.“

Fällt die Wahl auf Ocon, könnte es für Bottas eng werden. Der bestätigte: „In meiner Situation musst du einen Plan B oder C haben.“ Doch wie sieht der aus? Der Wunsch, in das nächstbeste Team zu wechseln, wird schwer zu erfüllen sein. Ferrari ist dicht. Red Bull nimmt normalerweise keine Fahrer von außen, und solche mit einer Mercedes-Vergangenheit haben es da besonders schwer.

Renault hat mit Daniel Ricciardo schon einen hochbezahlten Piloten im Stall. Bei McLaren geht nichts mehr. Was übrig bleibt sind Teams wie Haas, Racing Point oder Alfa Romeo. Das wäre dann aber wohl schon Plan C.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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