Paukenschlag im US-Motorsport

Roger Penske - IndyCar
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Roger Penske - IndyCar

 © Motorsport Images

Diese Nachricht schlug ein. Roger Penske, US-Geschäftsmann und Teambesitzer, kauft den Indianapolis Motor Speedway und die IndyCar-Rennserie. Das Volumen des Deals wird auf über eine Milliarde US-Dollar taxiert.

Stellen Sie sich vor, der Milliardär Dietrich Mateschitz würde die Formel 1 kaufen. Und dazu alle Rechte am Stadtkurs von Monte Carlo erwerben. Trotzdem würde Red Bulls Oberhaupt seine beiden Rennställe Red Bull und Toro Rosso behalten, und mit ihnen in der Formel 1 fahren.

Im US-Rennsport ist dieser Fall eingetreten. Roger Penske, 82, hat die IndyCar-Serie und den Indianapolis Motor Speedway von den bisherigen Eigentümern Hulman & Company übernommen. Der Kaufvertrag umfasst auch weitere Bereiche, wie zum Beispiel die Produktionsfirma der berühmten Rennstrecke in Indianapolis (IMS Productions).

Über den Kaufpreis schweigen die Beteiligten. Insider taxieren das Volumen des Deals auf über eine Milliarde US-Dollar. Die Übernahme muss noch von den zuständigen Behörden abgesegnet werden. Das soll spätestens bis Januar 2020 passiert sein. Der Indianapolis Motor Speedway und die IndyCar-Rennserie firmieren dann unter dem Dach von Penske Entertainment, einer Tochtergesellschaft der Penske Corporation.

Zweiter großer Deal im US-Rennsport

Wer schon einmal auf den US-amerikanischen Highways unterwegs war, hat zwangsläufig einen der Penske Trucks gesehen. Transport-Mogul Roger Penske ist im US-amerikanischen Motorsport eine große Nummer – vergleichbar mit dem Namen Andretti. Der 82-Jährige, dessen Unternehmen mehr als 60.000 Arbeitnehmer beschäftigt, unterhält seit Jahrzehnten eigene Rennteams (IndyCar, Stockcar und Sportwagen). Keine Mannschaft war in der Vergangenheit erfolgreicher beim Indy 500. Penske-Fahrer gewannen die 500 Meilen bereits 18 Mal. Zuletzt Simon Pagenaud im Mai beim 50-jährigen Indy-Jubiläum von Penske.

Jetzt führt der 82-jährige Ex-Rennfahrer, der auch zweimal in der Formel 1 startete (1961 und 1962, jeweils GP USA), mit seinem Unternehmen auch die Geschicke des Indianapolis Motor Speedway und der IndyCar-Serie. Sein Team kämpft um die großen Pokale. Ein Interessenskonflikt? Penske sagt dazu: „Ich verstehe die Frage nach der Integrität. Wir müssen eine scharfe Trennlinie ziehen. Hoffentlich habe ich genug Glaubwürdigkeit bei allen, sodass wir sicher sein können, dass es keinen Konflikt gibt. Ich werde mein Bestes geben, um sicherzustellen, dass dies nicht der Fall ist. Ich weiß, dass es mir die Leute ziemlich schnell sagen würden. Ich habe also eine Menge Leute, die mich beobachten werden.“

Solche Konflikte sind im US-Rennsport nicht ungewöhnlich. Die Familie France führt die Nascar-Rennserie. Gleichzeitig gehören ihr einige Rennstrecken. Auch bei Nascar gab es vor Wochen große Nachrichten zu vermelden. Nascar-CEO Jim France hatte die beiden Stützen seines Imperiums, Nascar und die International Speedway Corporation (ISC), in einem Merger unter ein Dach gepackt. Auch dieser Deal soll ein Volumen von 1,3 Milliarden US-Dollar gehabt haben.

Scharfsinn für gute Geschäfte

Partner und Konkurrenten loben die Übereinkunft zwischen Penske und Hulman & Company. „Das sind großartige Nachrichten für die Industrie“, sagt zum Beispiel Chip Ganassi, der mit einer Mannschaft gegen Penske antritt. „Das ist wie eine Injektion in den Arm. Für den Rennsport im Allgemeinen und die IndyCar-Serie im Speziellen. Roger ist ein guter Freund und ein Klasse-Typ. All seine Geschäfte führt er gut und makellos. Ich könnte für alle Beteiligten in unserem Sport nicht glücklicher sein.“

Jay Fray, Präsident von IndyCar, ist ebenfalls voll des Lobes. „ Roger ist seit mehr als einem halben Jahrhundert ein Teil dieses Sports. Seine Leidenschaft, seine Vision und sein Scharfsinn für Geschäfte garantieren Wachstum. Das Szenario könnte besser nicht sein.“

Zum dritten Mal überhaupt wechselt der Besitzer des Indianapolis Motor Speedway (Spitzname Brickyard), der 1909 erbaut wurde und seit 1911 die 500 Meilen von Indianapolis austrägt – eines der größten Autorennen überhaupt. Tony Hulman erwarb das Oval nach dem zweiten Weltkrieg 1945. Seine Firma Hulman & Company war also seit mehr als 70 Jahren in Besitz der berühmten Rennstrecke.

Tony George, Enkel von Hulman und der heutige Vorstandsvorsitzende, erklärt den Verkauf mit den folgenden Worten: „Wir sind auf Roger Penske zugegangen, und haben mit ihm an einem Verkauf gearbeitet. Die Hulman-George-Familie hat mehr als 70 Jahre gedient und über den Motor Speedway gewacht. Es war an der Zeit, die Fackel weiterzureichen. Roger ist erst der vierte Besitzer. Es gibt keinen besseren Mann und kein qualifizierteres Unternehmen an der Spitze des Indianapolis Motor Speedway und von IndyCar.“

Penske kennt den US-Rennsport auswendig

Kritiker werden den Interessenskonflikt anführen. Auf der anderen Seite ist es für den US-Rennsport sicher besser, dass ein Mann aus ihren Reihen nun das Zepter schwingt. Und kein Unternehmen, das ausschließlich auf Profit aus ist. Penske wurde 1951 mit dem Rennvirus infiziert. Sein Vater Jay nahm den damals 14-jährigen Sohnemann mit zum Indy 500. „Mein Vater wird herunterschauen auf diese Gruppe und sagen: Sohn, du hast einen guten Job gemacht“, sagt Roger Penske mit einem großen Schuss Pathetik.

Penske kennt die IndyCar-Serie wie kaum ein anderer. Er weiß um das Erbe der Rennserie und vor allem um die Bedeutung des Indy 500. Zwar ist im US-Rennsport Nascar noch immer die Nummer eins. Doch IndyCar erfreut sich wachsender Zahlen: bei den TV-Zuschauern, an der Rennstrecke und in den sozialen Netzwerken. „Wir haben die große Chance, weiter zu wachsen“, glaubt Penske, der jetzt gewissermaßen mit Jim France, 75, den US-Rennsport bestimmt.

Das neue Oberhaupt von IndyCar und Indy 500 verspricht Transparenz. „Es ist eine Teamaufgabe, unseren Sport weiterzuentwickeln.“ Penske will sich mit dem bestehenden Team erst einmal einen Überblick verschaffen, und dann einen Zehn-Punkte-Plan aufstellen. Er wünscht sich einen dritten Hersteller neben Honda und Chevrolet für die IndyCar-Rennserie.

F1 wieder in Indy?

Auf dem Indianapolis Motor Speedway sollen nicht nur die IndyCars und Nascars fahren. Penske kann sich vorstellen, die Formel 1 zurück zu holen. Von 2000 bis 2007 gastierte die Königsklasse auf der Rundstrecke von Indy. Es war ein Flop. Indy und die Formel 1 wurden nie warm, obwohl im ersten Jahr etwa 200.000 Zuschauer an die Rennstrecke kamen. Doch mit den Jahren flachte das Interesse ab.

Den Todesstoß gab es 2005. Damals fuhren das Rennen nur Ferrari, Minardi und Jordan. Die Michelin-Teams bogen nach der Einführungsrunde ab. Der französische Reifenlieferant konnte in der Steilkurve nicht für die Sicherheit der Autos garantieren. Dass die Formel 1 wie zwischen 1950 und 1960, als die 500 Meilen zur Weltmeisterschaft gehörten, wieder auf dem Oval fährt, ist ausgeschlossen.

Die Formel-1-Verantwortlichen werden Penskes Aussagen mit spitzen Ohren verfolgt haben. Sie wollen den Rennkalender in den nächsten Jahren von derzeit 21 auf bis zu 25 Rennen ausdehnen. Liberty Media kokettiert mit weiteren Grand Prix in den USA. In Miami scheint man abermals zu scheitern. Indianapolis versprüht zwar nicht das Flair der Stadt in Florida. Doch immerhin kann man hier Geschichte verkaufen.

Eine weitere Veranstaltung, mit der Penske liebäugelt, wäre ein 24-Stunden-Rennen. Dafür müssten allerdings erst einmal Lichtanlagen aufgestellt werden. Der berühmte Nudeltopf soll aber nicht nur Rennsportfans anziehen. Penske Entertainment hat mehr vor. Aus der Rennhauptstadt, der Racing Capital of the World, soll ein großer Unterhaltungsbetrieb werden.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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