Pleiten-Wochen für Lance Stroll: Unfall und Corona beuteln Stroll

Pleiten-Wochen für Lance Stroll: Unfall und Corona beuteln
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Pleiten-Wochen für Lance Stroll: Unfall und Corona beuteln Stroll

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Seit fünf Rennen wartet Lance Stroll auf Punkte. Seit seinem schweren Unfall in Mugello. Der Crash setzte dem Selbstbewusstsein zu, die Corona-Erkrankung dem Körper. Racing Point braucht einen fitten Stroll im Kampf um den dritten WM-Platz.

Der Faden riss Mitte September. Seither hechelt Lance Stroll seiner Form aus den ersten Rennen hinterher. In sieben der acht Grand Prix bis zum GP der Toskana in Mugello hatte der 22-Jährige für Racing Point gepunktet. Insgesamt schaufelte er 57 Punkte auf das Konto des Teams. Doch seit dem Rennen in Monza, seit dem dritten Platz, will Stroll nichts mehr gelingen.

Strolls Punkteserie beendete ein unverschuldeter Unfall. Der Racing Point war in Migello in der zweiten Arrabbiata-Kurve bei mehr als 270 km/h von der Straße abgekommen und seitlich im Reifenstapel eingeschlagen. Der Aufprall raubte dem Kanadier hörbar den Atem. Motor und Chassis waren schrott, und mussten für das folgende Rennen in Sotschi ausgetauscht werden.

Zwei harte Rückschläge

Der Saisonverlauf seit Mugello liest sich wie eine Pleitenserie. Highspeed-Crash; Unfall in Russland, weil ihn Charles Leclerc am Start in die Bande schickte; Corona-Ausfall am Nürburgring; doppelter Blechschaden in Portimao: erst gegen Verstappen im Training, dann gegen Lando Norris im Rennen; Frontflügelschaden in Imola in der ersten Runde.

Die letzten Wochen haben Stroll zugesetzt. "Er musste körperlich und mental zwei ziemliche Rückschläge verkraften. Es war ein ziemlich schwerer Unfall in Mugello. Das hat ihm wahrscheinlich Selbstvertrauen geraubt. Danach ein paar Rennen nicht fit zu sein, hat nicht geholfen", glaubt Racing Points Technikchef Andy Green.

Der schwere Unfall in der Toskana knackste das Selbstbewusstsein an. So ein Erlebnis kann sich im Hinterkopf festsetzen. Vor allem, wenn man selbst nicht schuld war. Und vor allem, wenn man die genaue Ursache nicht kennt. Es platzte der linke Hinterreifen, aber warum? Wahrscheinlich wegen eines Trümmerteils. Aber genau konnte es Racing Point nicht herausfinden. In so einem Fall können einem zwei Wochen bis zum nächsten Grand Prix ewig lang vorkommen. Weil man sich den Unfall nicht direkt aus dem Kopf fahren kann.

Sieben Corona-Fälle bei Racing Point

Einen Monat später beförderte Corona Stroll aus dem Cockpit und in das Krankenbett. Die Erkrankung steckt ihm auch Wochen später noch immer in den Knochen. Das Virus beutelt ihn, obwohl der Kanadier selbst wiederholt nur von leichten Symptomen sprach. Im Team hat man aber festgestellt, dass weder in Portimao noch in Imola der alte Lance Stroll den RP20 steuerte.

"Die Krankheit hat ihn sicher umgehauen. Das war etwas, was wir nicht wirklich vorausgesehen hatten. Wir haben gehört, wie lange es dauern kann, bis man sich von der Krankheit erholt hat, und ich denke, es dauert einige Zeit", sagt Green. Selbst Hochleistungssportler stecken dieses heimtückische Virus nicht einfach so weg. Ein paar Prozent weniger sind in der Formel 1 gleich mehrere Plätze. Und da wären noch die berechtigten Fragen der Journalisten, die ihn löcherten, warum es zehn Tage gedauert hatte, bis er seine Ansteckung mitteilte. Erst in Portugal und sogar noch in Imola. So etwas geht an keinem spurlos vorbei.

Hinzu kommt, dass Racing Point das Auto zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für Stroll umgebaut hat. Neue Aufhängungsteile in Russland haben ihm Gefühl für den RP20 gekostet. Stroll bemängelte, die neue Geometrie koste ihm am Kurveneingang. Racing Point rüstete auf die alte Version zurück. Doch eine Verbesserung stellte sich nicht ein. Im Gegenteil. In der Qualifikation zum GP der Emilia Romagna war Stroll im zweiten Qualifikationsteil der langsamste.

Bei Racing Point hofft man, dass sich der Pilot von den Spätfolgen des Mugello-Unfalls und seiner Corona-Erkrankung in den zwei Wochen bis zum Rennen in Istanbul erholt. Die Mannschaft aus Silverstone braucht den alten Stroll zurück. Nur mit einem Sergio Perez in Form wird man den dritten Platz in der Team-Weltmeisterschaft gegen Renault und McLaren nicht erobern. "Wir müssen ihm zu seinem alten Selbstvertrauen zurückhelfen. Manchmal reicht es schon, den Arm um einen zu legen und ihm Mut zuzusprechen", meint der Technikchef.

Sollte es nichts werden mit dem dritten WM-Platz wird Racing Point neben einigen Strategiefehlern das Corona-Virus verfluchen. Es kostete das Stammfahrer-Personal drei Rennen. Egal, wie gut Edelreservist Nico Hülkenberg auch ist. Solche Ausfälle werfen ein Team zwangsläufig zurück. In Summe beklagte Racing Point bereits sieben Corona-Fälle im Team – zwei betrafen die Fahrer, einer den Firmenchef Lawrence Stroll.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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