Renault und McLaren im Q3

Lando Norris - McLaren - GP Abu Dhabi - Formel 1 - Samtag -
30.11.2019
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Lando Norris - McLaren - GP Abu Dhabi - Formel 1 - Samtag - 30.11.2019

© xpb

Auf den Startplätzen 6 bis 9 stehen vier Autos mit Renault-Motoren. Das Werksteam und sein Kunde McLaren lieferten sich ein Duell um die Plätze hinter den Topteams. Doch dafür müssen sie auf Soft-Reifen starten. Carlos Sainz fürchtet, dass dies ein Nachteil sein könnte.

Am Freitag lief bei Renault und McLaren noch nicht viel zusammen. McLaren dümpelte im Mittelfeld herum, Renault im hinteren Drittel. Am Samstag schafften es alle vier Autos komfortabel in das Top Ten-Finale. Bei Renault wurde über Nacht viel umgebaut. Und plötzlich nahmen die gelbschwarzen Autos den Gripvorteil der kühlen Abendstunden mit, was ihnen am Tag davor nicht gelungen war. Der Werksrennstall und sein Kundenteam teilten sich die Plätze 6 bis 9 brüderlich auf. Lando Norris folgte Daniel Ricciardo, dann Carlos Sainz und schließlich Nico Hülkenberg.

Dabei lagen Norris, Ricciardo und Sainz innerhalb von nur 0,023 Sekunden. Hülkenberg fiel mit 0,274 Sekunden etwas ab. Dafür gab es zwei Gründe: „Ich bin hart über einen Randstein drüber, und daraufhin hat das Getriebe in einen Schutzmodus geschaltet. Das hat das Hochschalten danach etwas verzögert. Dabei habe ich beim Beschleunigen etwa eineinhalb Zehntel verloren.“ Für den Rest des Rückstandes musste der fehlende Rhythmus herhalten. „Am Freitagmorgen lief es noch richtig gut. Dann habe ich ein bisschen den Faden verloren. Die Harmonie mit dem Auto passte nicht mehr. Daniel hat sich wohler im Auto gefühlt. Bei 21 Kurven summiert sich das halt.“

Sainz war im Q2 schneller als im Q3

Auch bei McLaren sah man ein fröhliches und ein leicht frustriertes Gesicht. Lando Norris freute sich über fehlerlose Qualifikationsrunden. Dass er damit das Trainingsduell mit 11:10 gegen Carlos Sainz gewonnen hat, war für Norris eher zweitrangig. „ Wichtiger ist, dass ich in der Qualifikation in diesem Jahr konstant gute Leistungen gezeigt habe.“ Sainz dagegen haderte mit dem Timing der Qualifikationsrunde. Da wäre mehr drin gewesen als die 1.36,459 Minuten-Runde, meinte der Spanier. „Ich bin ja schon im Q2 eine Zeit von 1.36,3 Minuten gefahren.“

Die McLaren brauchen für optimale Qualifikationsrunden einen Aufwärmprozess in gemäßigter Fahrt. Weil McLaren spät dran war, kamen die Fahrer, die ihre Reifen mit schnelleren Runden aufheizen müssen, im Zug aber hinter den papaya-gelben Autos lagen, in Schwierigkeiten. „Einer hat mich noch überholt, was immer deine eigene Vorbereitung stört“, klagte Sainz. Sein Resümée: „Wir haben uns in eine falsche Position für saubere Aufwärmrunden gebracht. So haben wir am Ende nicht die optimale Runde abliefern können.“

Daniel Ricciardo überzeugte Renault, es genau anders herum zu machen. Der Australier hatte im Q3 nur einen Schuss. „Ich wollte eine saubere Aufwärmrunde und keinen Verkehr auf der Strecke. Es hat sich am Ende ausgezahlt. Ich konnte mich voll auf die Runde konzentrieren und das Maximale rausholen, auch wenn ich dabei auf ungefähr ein Zehntel wegen des schlechteren Grips von der Strecke her verzichtet habe.“

McLaren-Teamchef Andreas Seidl verteidigte das Timing des Teams: „Ricciardo hatte andere Voraussetzungen als wir. Er hatte nur einen Reifensatz und konnte seinen Versuch legen wie er wollte. Carlos hat sich zwei Garnituren für das Q3 aufgespart. Man kann nicht generell sagen, dass du mit langsamen Aufwärmrunden öfter zu den Opfern zählst als die Teams, die schnelle Aufwärmrunden brauchen. Die bleiben manchmal im Verkehr hängen oder müssen überholen.“

Ricciardo hat lieber vier Plätze Vorsprung

Für Renault und McLaren ist der letzte Grand Prix des Jahres mehr als nur eine belanglose Kür zum Kehraus. Renault will wenigstens den fünften Platz vor Toro Rosso halten. Das sieht auf dem Papier zunächst einmal ganz gut aus. Ricciardo und Hülkenberg starten von den Plätzen 7 und 9, Pierre Gasly und Daniil Kvyat von Rang 11 und 13. Doch die Toro Rosso-Fahrer haben freie Reifenwahl, während ihre Gegner von Renault mit den weichen Pirelli-Sohlen losfahren müssen. „Wenn ich wählen müsste, wäre ich lieber in unserer Position. Weil wir vier Startplätze Vorsprung haben. Das Überholen ist hier fast so schwierig wie in Barcelona“, vergleicht Ricciardo.

Der siebenfache GP-Sieger gibt aber auch zu: „In den ersten zehn Runden sind wir mit dem Soft-Reifen nicht schlechter dran als die Medium-Fraktion. Dann aber wird es zäh.“ Hülkenberg hofft auf das Gesetz der Serie: „Seit Japan haben wir mehr Konstanz. Wir waren immer in der Lage, in die Punkte zu fahren. Das Auto ist besser geworden. Das Ziel lautet ganz klar: Platz fünf für das Team sichern.“

Auch McLaren hat noch Ziele. Carlos Sainz soll Sechster in der Fahrer-WM werden. Dazu braucht der Spanier einen Punkt mehr als Gasly. Bei Gleichstand gewinnt der Franzose wegen des zweiten Platzes von Brasilien. Sainz sieht eine schwierige Aufgabe vor sich: „Das große Fragezeichen ist, welchen Vorteil die Fahrer haben, die auf Medium-Reifen starten können. Letztes Jahr war es ein Vorteil. Ich bin mit dieser Taktik Best of the Rest geworden.“

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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