Rennanalyse GP England 2017

So sehen Sieger aus! Lewis Hamilton feierte in England beim
Heimrennen seinen vierten Sieg der Saison. Wir haben die Bilder
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So sehen Sieger aus! Lewis Hamilton feierte in England beim Heimrennen seinen vierten Sieg der Saison. Wir haben die Bilder ...

© sutton-images.com
16.07.2017 - 23:17 Uhr von Bianca Leppert

In unserer Rennanalyse beantworten wir die wichtigsten Fragen zum GP England. Wieso war Hamilton so überlegen? Wieso hatte Ferrari Reifenprobleme? Und wie schaffte es Daniel Ricciardo so weit nach vorn? Die Antworten in unserer Rennanalyse.

Wieso war Lewis Hamilton so überlegen?

Lewis Hamilton fuhr in Silverstone in seiner ganz eigenen Welt. Keiner konnte dem dreimaligen Weltmeister das Wasser reichen. Er feierte nicht nur den vierten Sieg der Saison, zoomte sich bis auf einen Punkt an den WM-Führenden Sebastian Vettel heran, sondern zog mit fünf Siegen beim GP England auch mit Jim Clark und Alain Prost gleich. Die Überlegenheit von Hamilton auf dem 5,891 Kilometer langen Kurs kündigte sich schon im Qualifying an. Über eine halbe Sekunde schenkte er seinem Verfolger Kimi Räikkönen auf Platz zwei ein. So groß war der Abstand in der ersten Startreihe in diesem Jahr noch nie.

Im Rennen setzte Hamilton seinen Triumphzug fort. Er kontrollierte das Geschehen vom Start bis ins Ziel. Nach dem Boxenstopp wuchs der Vorsprung auf Räikkönen kontinuierlich an und pendelte sich einige Runden danach bei rund zwölf Sekunden ein. Abgesehen davon, dass dem Mercedes W08 die Strecke in Silverstone mit den mittelschnellen und schnellen Kurven entgegen kommt, machte auch Hamilton selbst den Unterschied. Aber was macht ihn auf der Strecke so viel stärker als andere Piloten?

„Es ist einfach eine meiner Lieblingsstrecken. Seit 2002 fahre ich hier Rennen”, sagt der 32-Jährige. “Maggotts-Becketts ist die beste Kurvenkombination der ganzen Saison. Und die Fans haben mir hier in jeder Runde einen extra Schub gegeben. Sie sind jedes Mal aufgestanden, wenn ich an ihnen vorbeigefahren bin. Das erlebst du sonst nirgends auf der Welt.”

Weshalb hatte Ferrari Reifenprobleme?

Das Finale des Grand Prix von England wurde für Ferrari zum Desaster. Zwei Runden vor Schluss erwischte es Kimi Räikkönen auf Platz zwei liegend mit einem Reifenschaden vorne links, eine Runde später ereilte Sebastian Vettel auf Platz vier liegend ebenfalls vorne links ein Reifenproblem. Beide hatten die Soft-Mischung aufgezogen. ”Vor Kurve 6 ist der Gummi vom Reifen gegangen, aber nicht wirklich explodiert. Davor hat sich alles normal angefühlt”, berichtete Räikkönen. Der Finne rettete sich noch an die Box, verlor aber durch den Zusatz-Stopp eine Position an Valtteri Bottas.

Vettel musste wegen des Schadens und des Zusatz-Service gleich drei Plätze abgeben und wurde schließlich Siebter. „Wir hatten Glück, dass wir überhaupt noch ins Ziel kamen”, meinte Vettel. Erklären konnte sich der Heppenheimer den Vorfall nicht. “Ich hatte das Gefühl, es sei in Ordnung. Dass der Reifen in die Luft fliegt, kann man nicht wissen. Das ganze Wochenende hat der Reifen lang gehalten. Die Vorhersage war, dass er noch viel länger hält.”

Räikkönens Reifen waren sogar sechs Runden frischer. Die beiden Fälle darf man aber ohnehin nicht vergleichen. Bei Räikkönen lösten sich Teile der Lauffläche, bei Vettel platzte der Reifen. Das bestätigte auch Pirelli-Technikchef Mario Isola: „Es waren zwei unterschiedliche Schadensbilder. Kimis Reifen hat keine Luft verloren, Sebastians Reifen schon.“ Pirelli sucht gemeinsam mit Ferrari die Ursache, was jedoch einige Tage in Anspruch nehmen wird. Die Reifen sollen in Mailand analysiert werden.

Wie schaffte es Daniel Ricciardo so weit nach vorn?

Den ersten Saisonsieg feierte Daniel Ricciardo in Baku. Der fünfte Platz in England fühlte sich für den Australier aber fast genauso gut an. Wegen eines außerplanmäßigen Getriebewechsels und eine Turbolader-Schaden im Zeittraining musste der Red Bull-Pilot vom 19. Platz losfahren. In 51 Runden pflügte er sich jedoch durch das Feld und sah schließlich hinter seinem Teamkollegen Max Verstappen die Zielflagge, der als Vierter gestartet war. Kein Wunder, dass ihn die Fans zum Fahrer des Rennens kürten.

„Ich hoffe, dass davon viel im Fernsehen zu sehen war”, witzelte der Sunnyboy. “Ich habe einfach das ganze Rennen über Autos überholt.” Insgesamt waren es 14 Überholmanöver. Selbst nach seinem Ausrutscher zu Beginn des Rennens, der ihn von Platz 13 wieder auf 18 zurückwarf, ließ er sich nicht entmutigen. „Ich war da etwas zu gierig”, entschuldigte sich Ricciardo für seinen Fehler. Eine Runde vor Schluss schnappte er sich noch Nico Hülkenberg, das Reifen-Problem von Sebastian Vettel spülte ihn einen weiteren Platz nach vorne. “Was den Spaß anging, würde ich diesem Rennen zehn von zehn Punkten geben”, meinte Ricciardo.

Ging die Taktik von Valtteri Bottas auf?

Nach dem Qualifying war die Zielvorgabe von Valtteri Bottas ganz klar: ein Podiumsplatz. Das hat der Finne mit Platz zwei erfüllt. Und auch ohne den geschenkten Platz von Räikkönen wäre er mit Platz drei im Plan gewesen. Die Entscheidung, im Gegensatz zu allen anderen Piloten in den Top-Ten mit dem Soft-Reifen loszufahren, machte sich bezahlt. Die Taktik zog man deshalb erst in Erwägung, weil Bottas wie Hamilton in Österreich wegen eines Getriebeproblems fünf Startplätze strafversetzt wurde und von Rang neun ins Rennen starten musste.

„Im Zeittraining hat mir das nicht geholfen, aber im Rennen war es die beste Entscheidung”, sagte Bottas. Nachdem Sebastian Vettel und Max Verstappen schon in Runde 18 und 19 in die Box abgebogen waren, hatte Bottas freie Bahn, legte eine schnelle Runde nach der anderen hin und fuhr sich so eine Lücke bis zu seinem Stopp in Runde 32 heraus, wo er auf Supersoft wechselte. Hätte er Räikkönen am Ende noch aus eigener Kraft schnappen können? “Nein, das wäre schwierig gewesen”, meinte der Mann aus Nastola.

Wieso war Renault so gut?

Nico Hülkenberg schaffte es mit dem R.S.17 auf den sechsten Platz und stellte damit das beste Auto aus dem Mittelfeld. Das gelang ihm zuvor nur in Barcelona. Dieses Mal könnte die gute Leistung im Rennen ein Wendepunkt sein. Im Zeittraining hatte man schon oft für Überraschungen gesorgt, am Sonntag knickten meist die Reifen ein. In Silverstone hatte Renault an Hülkenbergs Auto aber einen neuen Unterboden und neue Bardgeboards angebracht. „Damit generieren wir auf eine andere Art Abtrieb”, sagte Renault-Einsatzleiter Alan Permane. “Das wirkt sich auch positiv auf den Reifenabbau aus.” Man kann den Frontflügel nun mehr anstellen, ohne Abtrieb im Heck zu verlieren. „Wir müssen jetzt aber abwarten, ob sich dieser Eindruck auch auf anderen Strecken bestätigt.”

Hülkenberg selbst war ebenfalls happy: “Wir hatten eine gute Pace im Rennen und konnten uns vor beiden Force India halten, was sehr positiv ist.” Für das nächste Rennen in Ungarn will Renault noch einen neuen Frontflügel bringen.

Ergebnis GP England 2017

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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