Rennanalyse GP Spanien 2017

Lewis Hamilton wurde die Medium-Reifen los und ließ Soft
aufziehen. Da war die Virtuelle Safety Car-Phase gerade
beendet.
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Lewis Hamilton wurde die Medium-Reifen los und ließ Soft aufziehen. Da war die Virtuelle Safety Car-Phase gerade beendet.

© sutton-images.com
14.05.2017 - 23:08 Uhr von Bianca Leppert

Mercedes ebnete mit einer ausgeklügelten Taktik Lewis Hamilton den Weg zum Angriff auf Sebastian Vettel. Der wunderte sich, wo sein 8-Sekunden-Vorsprung blieb. In unserer Rennanalyse klären wir die offenen Fragen zum GP Spanien.

Wer löste den Start-Crash aus?

Schon in der ersten Kurve ging es wild zu. Es kam zu einer Kettenreaktion. Auslöser war Valtteri Bottas, der Kimi Räikkönen traf und dieser wiederum Max Verstappen. “Mein Start war gut. Ich wollte erst nach links, aber da war nicht genug Platz”, erklärt Bottas. “Ich habe versucht nach innen zu fahren, weil da eine Lücke war. Aber die hat Sebastian zugemacht und ich hing hinter ihm. In Kurve 1 wollte ich innen bleiben, außen versuchen dich die anderen dann zu überholen und es war unglücklich, dass ich Kimi berührt habe. Es war einfach zu eng und es tut mir leid, was mit den Jungs dahinter passiert ist.” Max Verstappen ergänzt: “Wenn Valtteri Kimi nicht berührt hätte, wäre genug Platz für uns alle in dieser Kurve gewesen.”

Zunächst kamen Räikkönen und Verstappen wieder zurück auf die Strecke. Dabei wich Felipe Massa aus, der wiederum Fernando Alonso zwang neben die Bahn zu fahren. Während Räikkönen den Ferrari schließlich in Kurve 10 mit Aufhängungs- und Reifenschaden im Kies parkte, schleppte sich Verstappen noch an die Box. Da war aber Feierabend.

Wie holte Hamilton den Vettel-Vorsprung von 8 Sekunden auf?

Sebastian Vettel konnte es nicht verstehen. In der Pressekonferenz rätselte er, wie Hamilton nach seinem zweiten Stopp den Vorsprung von knapp acht Sekunden wett machen konnte, so dass er direkt auf den Briten bei der Boxenausfahrt traf. “Ich war überrascht ihn so nah dran zu sehen”, meinte Vettel.

Der Schlüssel war Hamiltons zweiter Stopp eine Runde vor Vettel. Die Mercedes-Strategen holten ihn am Ende der Virtuellen Safety Car-Phase, die durch die Kollision von Felipe Massa und Stoffel Vandoorne ausgelöst wurde, zum Service. “Wenn du unter normalen Umständen einen Boxenstopp im Rennen machst, verlierst du um die 21 Sekunden. Unter dem Virtuellen Safety Car ist der effektive Zeitverlust viel weniger. Das hat ihm geholfen”, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Zunächst sah es so aus, als wäre man zu spät auf diese Idee gekommen, tatsächlich steckte aber die Taktik dahinter, Vettel keine Chance mehr zu geben, dasselbe zu tun. Als Hamilton in die Box abbog, musste Vettel sich auf einem Teil der Zielgeraden noch an die reduzierte Geschwindigkeit halten. Hinzu kam eine starke Outlap von Hamilton, bei der er im Vergleich zu Vettels späterer Outlap weitere zwei Sekunden gutmachte. Dieser taktische Zug brachte Hamilton mit den weichen Reifen erst in die Lage, Vettel auf den langsameren Medium-Reifen im letzten Stint anzugreifen.

Hätte sich ein dritter Stopp für Vettel gelohnt?

Am Mercedes-Kommandostand war man sich bewusst, dass auch nach dem Überholmanöver von Lewis Hamilton in Runde 43 noch eine Gefahr von Sebastian Vettel ausging. Schließlich hätte der von den Medium-Reifen noch einmal auf die weiche Mischung wechseln können, um einen Angriff zu starten. “Wir haben versucht immer einen Vorsprung von 2,5 Sekunden im Falle eines Boxenstopps zu haben”, sagte Wolff.

Vettel diskutierte am Funk auch mit seinem Ingenieur über Plan C. “Wir hatten einen großen Vorsprung auf Daniel, wir hätten alles machen können. Wir waren uns nicht sicher. Wir haben gehofft, Lewis würde mit seinen Reifen Problemen bekommen, aber das ist nicht passiert.” Vettel hätte noch gebrauchte weiche Reifen zur Verfügung gehabt. Die Mercedes-Ingenieure sagen, es hätte sich aber nur bis zwölf Runden vor Schluss gelohnt, weil sonst nicht genug Zeit für die Aufholjagd geblieben wäre. Und vorher hätte man sowieso gekontert.

Wie schaffte es Pascal Wehrlein auf Platz 8?

Es glich einem kleinen Wunder. Sauber holte mit Platz acht von Pascal Wehrlein die ersten Punkte der Saison. Für den Mercedes-Förderpilot war es die beste Platzierung seiner Karriere. Doch wie hat man das geschafft? Wehrlein ging von Platz 15 auf weichen Reifen ins Rennen. Die hielt er 33 Runden am Leben, obwohl Pirelli vor dem Rennen davon ausging, der Soft müsse je nach Reifenabbau nach 20 Runden gewechselt werden. Davon war am Sauber C36 aber keine Spur. Bis zum Boxenhalt fuhr Wehrlein konstante Zeiten.

Für den Stopp nutzte Sauber die Virtuelle Safety Car-Phase und profitierte dadurch zusätzlich. Anschließend standen noch 32 Runden auf dem Medium-Reifen zu Buche. Tatsächlich sah Wehrlein die Zielflagge sogar als Siebter. Er musste aufgrund der kurzfristigen Ansage vom Kommandostand allerdings etwas unerwartet in die Box abbiegen und fuhr dabei an einem Poller auf der falschen Seite vorbei. Dafür brummten ihm die Rennkommissare eine 5-Sekunden-Strafe auf, die Carlos Sainz im Toro Rosso aufrücken ließ.

Wieso konnte Fernando Alonso nicht mehr rausholen?

Startplatz sieben war eine Sensation für McLaren-Honda und Fernando Alonso. Der Spanier konnte bei seinem Heimrennen aber nicht viel daraus machen. In Kurve zwei schickte ihn Felipe Massa ins Kies, der wiederum Räikkönen und Verstappen auswich. Das warf ihn auf Rang 11 zurück. Später blieb er zu lange hinter Daniil Kvyat hängen. “Aber auch ohne das hätten wir nicht die Pace gehabt, in die Punkte zu fahren”, meinte Alonso, der direkt nach dem Rennen nach Indianapolis zum Training für das Indy 500 flog. Zudem fehlte der Topspeed, um andere zu überholen, wie Teamchef Eric Boullier anmerkte.

Die meiste Zeit hing Alonso auf Platz 15 fest. Am Ende legte man noch einen ungeplanten dritten Stopp in Runde 51 ein, wo Alonso von Medium auf Soft wechselte. Das brachte ihm immerhin den 12. Rang ein.

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Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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