Ricciardo beendet Pechsträhne

Daniel Ricciardo - Formel 1 - GP China 2018
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Daniel Ricciardo - Formel 1 - GP China 2018

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16.04.2018 - 11:23 Uhr von Tobias Grüner

Auf Daniel Ricciardo hatten vor dem GP China wohl kaum einer eine Sieger-Wette abgeschlossen. Doch der Australier war wie so oft zur Stelle, wenn sich unverhofft eine Chance ergibt. Und er zementierte seinen Ruf als bester Überholer im Feld.

Bis zur 31. Runde des Grand Prix von China erlebte Daniel Ricciardo eine wahre Seuchensaison. Beim Heimrennen in Melbourne begann das Drama schon im zweiten Freien Training des Jahres. Der Lokalmatador war einen Tick zu schnell unterwegs, als die Session zwischenzeitlich unterbrochen wurde. Das führte zu einer Rückversetzung um 3 Startplätze. Am Ende sprang immerhin noch der vierte Platz im Rennen raus.

Das Technik-Pech in Bahrain ist den Fans sicher noch gut in Erinnerung. In der zweiten Runde streikte die Batterie und legte das komplette Auto lahm. Der nächste Tiefschlag folgte im dritten Training in Shanghai. Der Turbo versagte den Dienst, was einen ungeplanten Motorwechsel vor dem Qualifying zur Folge hatte. Erst 3 Minuten vor dem Ende des Q1 war der Umbau vollzogen. Anderthalb Minuten später, und Ricciardo hätte den GP China vom letzten Platz beginnen müssen.

„Unsere Mechaniker haben den Motorwechsel in der Rekordzeit von zwei Stunden hinbekommen. Normalerweise brauchen wir dafür eine Stunde länger“, lobte Teamchef Christian Horner die Schrauber-Crew. Wie sehr sich die Mühen lohnen würden, konnte da noch niemand ahnen. Erst das Safety-Car in der erwähnten 31. Rennrunde beendete die Ricciardo-Pechsträhne. Red Bull nutzte die Gunst der Stunde geistesgegenwärtig zum Doppel-Reifenwechsel. Wieder verdienten die Mechaniker ein Sonderlob, dieses Mal für die schnellen und fehlerfreien Boxenstopps.

Überholmanöver im Zwei-Runden-Rhythmus

Doch dann konnte auch der Fahrer zeigen, was er kann. Während sich Teamkollege Max Verstappen bei den Überholmanövern vorsichtig ausgedrückt ungeschickt anstellte, zeigte Ricciardo ein kompromissloses Manöver nach dem anderen. In der 36. Runde schnappte er sich Kimi Räikkönen auf der Geraden – und zwar ohne Hilfe des DRS.

Verstappen machte nach seinem Ausrutscher im Kampf mit Hamilton nur zwei Runden später unfreiwillig Platz. Nur einen Umlauf danach rang Ricciardo den Weltmeister mit einem späten Bremsmanöver in der Haarnadel nieder und übernahm Rang 3. Wieder nur zwei Runden danach war auch Sebastian Vettel fällig. Der Heppenheimer hatte keine Chance, als Ricciardo auf der langen Geraden mit geöffnetem Heckflügel vorbeiflog.

Damit blieb nur noch ein Gegner übrig. Und wieder dauerte es nur zwei Runden. Mit einer mutigen Attacke vor Kurve 6 presste sich der Red Bull mit der Startnummer 3 durch eine kleine Lücke. „Das war eine enge Nummer, aber es war fair. Ich hatte mich schon in Kurve 3 entschieden, dass ich den Angriff wagen werde. Dann sah ich, dass sich Valtteri verteidigt. Ich musste weit nach innen. Doch dann zog er ebenfalls noch etwas rüber. Ich wollte schon zurückstecken… nein, nur Spaß! Ich wusste, dass der Platz ausreicht und die Reifen noch guten Grip liefern. Das schlimmste, was hätte passieren können, wäre, dass ich neben die Strecke gemusst hätte. Dann hätte ich es eben woanders nochmal probiert.“

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Die letzten 11 Runden war es nur noch ein Schaulaufen. Am Ende rollte Ricciardo mit 8,8 Sekunden gemütlich als Sieger über die Linie. Im Schlussspurt sicherte sich der Mann aus Perth auch noch die schnellste Rennrunde. „Das ist schon verrückt. Vor 24 Stunden dachte ich, dass ich von ganz hinten starten muss. Deshalb noch einmal einen großen Dank an die Mechaniker. Heute haben wir erst die richtige Belohnung dafür bekommen.“

Am Ende wurde der Sieger richtig philosophisch: „Vor einer Woche war die Laune noch richtig im Keller, als schon nach zwei Runden Schluss war. Da schob ich richtig Frust – auf den Sport und auf alle Variablen, die es in diesem Sport gibt. Manchmal frage ich mich, warum ich ausgerechnet diesen Sport gewählt habe, in dem so viele Dinge außerhalb deiner Kontrolle liegen. Das zieht einen richtig runter. Aber wenn man dann einen Tag wie heute hat, dann gleicht das 50 der schlechten Tage wieder aus.“

Nächster „Shoey“ in Baku?

Am Ende des Tages blieb nur noch eine Frage übrig: Warum bekamen Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas auf dem Podium keinen Schluck Champagner aus dem Schuh des Siegers? „Ich habe leider das meiste davon verspritzt. Da war nicht mehr viel übrig. Ich habe meinen Chefmechaniker Genty (Chris Gent) gesehen und der hatte Vorrang. Da blieb nicht mehr zum Herumreichen. Ich hoffe, ich bekomme aber noch ein paar weitere Gelegenheiten.“

Räikkönen nutzte die Steilvorlage für einen seltenen humorvollen Moment: „Da haben wir heute ja noch richtig Glück gehabt.“ Worauf Ricciardo konterte: „Vielleicht dann beim nächsten Mal. Das ist ein Privileg.“ Schon in zwei Wochen gibt es die nächste Gelegenheit zum Anstoßen – ausgerechnet in Aserbaidschan, dem Ort des letzten Ricciardo-Sieges.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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