Sebastien Buemi hasst Le Mans-Qualifikation

Toyota TS050 Hybrid - Startnummer #8 - 24h-Rennen Le Mans 2017 -
2. Qualifying
Bild 1 von 21

Toyota TS050 Hybrid - Startnummer #8 - 24h-Rennen Le Mans 2017 - 2. Qualifying

© xpb
15.06.2017 - 19:20 Uhr von Michael Schmidt

Toyota belegte nach dem ersten Trainingstag die provisorische Pole Position. Doch nicht mit der Zeit, die sich die Japaner erwartet haben. Sebastien Buemi bezeichnet die Qualifikation in Le Mans als reines Glücksspiel.

Toyota steht nach dem ersten Trainingstag in Le Mans vorn. Aber nicht mit der Zeit und mit dem Vorsprung, den sich die Japaner erwartet hatten. Kamui Kobyaashi hatte nach dem Vortest mit einer 3.15er Runde spekuliert. Teamkollege Sebastien Buemi ist sich sicher: „Wenn ich eine freie Runde kriege, fahre ich easy 3.17 Minuten.“

Kamui Kobayashi war am ersten Trainingstag mit 3.18,793 Minuten der Schnellste. Der Japaner überholte zwischen sechs und sieben Autos auf dieser Runde. Sebastien Buemi bezeichnet die Qualifikation in Le Mans als Lotteriespiel. „Ich hasse sie. Die Qualifikation wird immer mehr zum Witz. Du musst es in der ersten Runde gleich am Anfang probieren, aber da sind so viel Autos auf der Strecke, dass es reines Glück ist, wie du auf den Verkehr aufläufst. Ich habe durch Überholen bestimmt eine Sekunde verloren.“

Quali-Runden stehlen Zeit

Am Mittwochabend kam ein weiterer Faktor erschwerend hinzu. Keiner wusste, wann das Training gestartet werden würde, weil der Veranstalter nach den Rahmenrennen noch die Strecke reparieren musste. „Wir hörten was von fünf, dann zehn Minuten Verzögerung. Am Schluss waren es 20. Weil wir alle an der Boxenausfahrt gewartet haben, sind die Reifen wieder ausgekühlt. Und dann wurden uns die 20 Minuten weniger auch noch abgezogen. Was übrigbleibt, willst du nicht mit der Quali verschwenden. Die Rennvorbereitungen sind zu wichtig. Die Pole ist gut fürs Image, aber uninteressant für das Rennen. Deshalb hatten alle wirklich nur diese eine Runde am Anfang“ , schimpfte Buemi.

Die Nacht ist die Zeit, in der die Teams ihre fünf Pflichtrunden für jeden Piloten abspulen wollen. Und die Gelegenheit, die Überschneidungspunkte für die drei Reifenmischungen zu testen. Also den Moment herausfiltern, ab dem ein Medium schneller ist als ein Soft oder ein harter Reifen als ein Medium. Nur wenn es dunkel wird, fällt die Asphalttemperatur in einen Bereich, in dem die weicheren Mischungen Sinn machen.

Am Donnerstag passte es dann. Nach einer halbstündigen Unterbrechung wegen eines Unfalls gingen Toyota und Porsche noch einmal auf Zeitjagd. Und fanden plötzlich ideale Bedingungen vor. Kobayashi machte seine Ankündigung wahr. Der Japaner fuhr mit 3.13,791 Minuten neuen Rekord für die aktuelle Streckenvariante mit 13,629 Kilometern Länge. Auch die Porsche-Fahrer verbesserten sich. Buemi hatte wieder Pech. Wegen Problemen mit dem Öldruck musste der Schweizer aussteigen. Am Toyota mit der Startnummer 8 wurde sicherheitshalber der Motor gewechselt.

Wenn ein GT-Auto zum Alptraum wird

Das schlimmste in der Qualifikation ist der dichte Verkehr. Gerade zu Trainingsbeginn, wenn nahezu alle 60 Autos auf der Bahn sind. „Jeder schaut auf sich selbst. Die GT-Fahrer wollen nicht in den Kurven oder auf der Bremse überholt werden. Sie fahren da auf der Ideallinie und wir müssen innen oder außen irgendwie drum herum. Manche werden dann sauer und stellen sich absichtlich in den Weg. Wenn du mit 270 km/h durch die Porsche-Kurven bläst und hast einen GT vor dir, ist das der Alptraum. Die kommen höchstens auf 200km/h“, beschwert sich Buemi.

Die LMP2-Autos sind deutlich schneller geworden und damit ein ganz eigenes Problem beim Überholen. „Sie haben einen höheren Topspeed und sind in den Kurven nahezu so schnell wie wir, weil sie nicht Sprit sparen müssen und deshalb viel in Abtrieb investieren können“, erklärt Porsche-Fahrer André Lotterer. „Einzige Chance sie zu kriegen, ist die frühe Beschleunigungsphase.“ Buemi lobt: „Wenn du hinter einem LMP2-Auto durch die Porsche-Kurven fährst und ein Profi im Auto sitzt, verlierst du kaum noch Zeit.“

Wer in der Formel 1 von der Ideallinie muss, der sammelt so viel Schmutz und Reifengummi auf, dass er davon noch eine ganze Runde gestraft ist. Anders in der LMP1, sagt Buemi: „Da wir ständig andere Linien fahren müssen, ist es mit dem Reifengummi nicht so schlimm. Wir kehren ihn regelmäßig weg. Es gibt aber ein paar Kurven, wo du die Ideallinie brauchst. Die musst du kennen und darfst nicht versuchen, dort zu überholen.“

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
Kommentare
Top-Themen
Winterreifenpflicht für Pkw in Europa. Bild 9mehr
Miss Tuning Kalendermotiv 2018. Bild 3mehr
Platz 4: ALPINA D3. Das Modell kommt im September 2017 auf 4 Pkw-Neuzulassungen. Bild 15mehr
Anzeige
Auto Motor und Sport
Anzeige
Auch interessant
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige