Turbulenzen um Caterham und Marussia

10. Caterham - Trotz Pfändungen in der Fabrik in England brachte
Caterham einen neuen Frontflügel an die Strecke. Die jüngsten
Ausbaustufen machen Hoffnung. Caterham hat sich damit wieder leicht
vor Marussia geschoben.
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10. Caterham - Trotz Pfändungen in der Fabrik in England brachte Caterham einen neuen Frontflügel an die Strecke. Die jüngsten Ausbaustufen machen Hoffnung. Caterham hat sich damit wieder leicht vor Marussia geschoben.

© xpb
23.10.2014 - 11:05 Uhr von Michael Schmidt

Pünktlich zum Saisonende begleiten Hiobsbotschaften die Formel 1. Während die Topteams unbeirrt mit Geld um sich werfen, geht es am anderen Ende ums Überleben. Bei Caterham und Marussia weiß man noch nicht einmal, ob sie beim GP USA antreten.

Droht dem GP USA in Austin das kleinste Starterfeld seit Monte Carlo 2005? Damals nahmen nur 18 Autos an Training und Rennen teil. Es gab lediglich zehn Teams, und BAR war wegen des Tankbetrugs gesperrt. Pessimisten fürchten, dass es im Finale der Weltmeisterschaft 2014 wieder so weit kommen könnte. Caterham und Marussia sollen auf der Kippe stehen.

Bei Caterham könnten die verworrenen Besitzverhältnisse für eine Zwangspause sorgen. Das Team wurde im Juni von einer Investorengruppe aus der Schweiz und dem Arabischen Raum übernommen. Die Identität der Hintermänner ist geheim. Die Gruppe lässt sich durch Colin Kolles vertreten. Und der hatte Manfredi Ravetto als Teamchef eingesetzt. Ravetto ist zurückgetreten, weil nicht ganz klar ist, wem Caterham im Augenblick gehört.

Marussia lebt seit dem GP Belgien von der Hand in den Mund. Und von kleinen Finanzspritzen der Fahrer Max Chilton und Alexander Rossi. Unter der Hand erzählt man sich, dass jetzt wieder eine Geldeinlage nötig ist, damit das Team die Reise nach Austin und Sao Paulo antreten kann. Das ganze passiert vor dem Hintergrund, dass Besitzer Andrej Cheglakov verkaufen will. Als Neunter in der Konstrukteurs-WM hat er eigentlich ein attraktives Paket. Das ist aber nichts wert, wenn das Team vorzeitig aussteigt.

Unklare Besitzverhältnisse bei Caterham

Der Fall Caterham ist eine Geschichte mit vielen Fragezeichen. Es heißt, dass Tony Fernandes den Rennstall für ein symbolisches Pfund an die vermeintlich neuen Besitzer abgetreten und sämtliche Schulden bei Caterham Cars geparkt habe. Die neuen Eigentümer hätten demnach nur die laufenden Rechnungen bezahlen müssen. Um zu überleben wurde der Rennstall bereits auf rund 230 Mitarbeiter gesundgeschrumpft. Dem gegenüber steht eine Aussage von Fernandes auf Twitter, dass seine Nachfolger den Kaufpreis nicht entrichtet hätten. Da kann es dann aber nicht um ein Pfund gehandelt haben.

Inzwischen hat sich die Investorengruppe Engavest SA gemeldet und in einer offiziellen Pressemitteilung erklärt: "Engavest SA hat am 29.Juni 2014 einen Kaufvertrag mit Tony Fernandes und der Caterham Gruppe unterschrieben, um die Anteile am 1Malaysia Racing Team/Caterham F1 zu erwerben. Engavest SA hat alle Vertragsbedingungen erfüllt, einschließlich der Zahlung der Anteile. Da die Anteile noch nicht übertragen wurden, bleibt Herr Fernandes der Eigentümer von Caterham F1 und ist demnach voll verantwortlich für deren Aktivitäten."

Man hört auch, dass Fernandes den neuen Betreibern ein finanzielles Chaos und ein undurchsichtiges Firmengeflecht hinterlassen habe. Tatsache ist, dass die Caterham-Basis in Leafield in der Woche vor dem GP Japan Besuch von Gerichtsvollziehern bekam. Und die haben auch Teile beschlagnahmt, die für die aktuellen Autos bestimmt waren. Teamchef Ravetto räumte nun seinen Posten, um Vorbesitzer Tony Fernandes dazu zu zwingen, klare Verhältnisse zu schaffen. Die unsichere Lage könnte einen Start in Austin und damit auch in Interlagos gefährden.

Steilvorlage für Ecclestones Drei-Auto-Plan

Bernie Ecclestone passt es möglicherweise ins Konzept, wenn die kleinen Teams am Ende des Feldes verschwinden. Ihm schwebt ein Feld mit acht Teams à drei Autos vor. Die Sache hat nur einen Haken. Nicht alle Teams haben das Geld für ein drittes Auto. Die Extrakosten betragen je nach Aufwand zwischen 10 und 20 Millionen Euro. So spät im Jahr wären sowieso nur noch die Topteams in der Lage, für 2015 ein drittes Auto auf die Räder zu stellen.

Das führt zwangsläufig zu noch komplizierteren Regeln. Das dritte Auto sollte nur mit Nachwuchsfahrern besetzt werden, die dann für die Konstrukteurs-WM entweder gar nicht oder nur zur Hälfte Punkte einfahren können. Damit würde die Formel 1 in ihren nächsten Fehler stolpern. Es gibt schon genügend Regeln, die kein Mensch mehr versteht.

Quelle: 2014 Motor-Presse Stuttgart
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