Unangenehme Fragen in Montreal

Max Verstappen - Red Bull - GP Kanada 2018
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Max Verstappen - Red Bull - GP Kanada 2018

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07.06.2018 - 21:33 Uhr von Tobias Grüner

Max Verstappen hat die Fragen nach den vielen Fehlern in den ersten sechs Rennen satt. Seine Einstellung will der Holländer partout nicht ändern. Daniel Ricciardo hofft dagegen, dass er in Montreal weiter auf der Erfolgswelle schwimmt.

Die wichtigste Frage vor dem Rennwochenende in Kanada lautete, ob Monaco-Sieger Daniel Ricciardo nun eine Startplatzstrafe kassiert oder nicht. Teamberater Helmut Marko hatte bereits direkt nach dem Monaco-Rennen auf Anfrage von auto motor und sport bestätigt, dass der Australier um eine Rückversetzung herumkommt. Aussagen von Adrian Newey gegenüber britischen Medien direkt vor der Abreise nach Montreal hatten das allerdings in Frage gestellt.

„Stand jetzt bekomme ich keine Strafe“, klärte Ricciardo vor Ort in Montreal die Journalisten auf. Für das Kanada-Wochenende wurde das Auto des Monaco-Siegers von Renault mit einem neuen, stärkeren Verbrennungsmotor, einem neuen Turbo und einer neuen MGU-H ausgerüstet. Die MGU-K und die Batterie wurde aus dem Motorpaket verpflanzt, das in Shanghai ausgebaut wurde. Damit liegt der Pilot bei allen Komponenten immer noch im straffreien Limit.

Ricciardo träumt vom zweiten Sieg in Folge

„Irgendwann wird es mich aber erwischen – vielleicht schon in Paul Ricard“, seufzte Ricciardo. „Wir wollen die Strafe aber so lange wie möglich herauszögern, damit es uns am Ende der Saison nicht wieder trifft. Außerdem will ich den Schwung aus Monaco unbedingt hier nach Montreal mitnehmen. Mit dem kleinen Power-Upgrade und den Hypersoft-Reifen, die uns in Monaco gut gepasst haben, könnte vielleicht was gehen. Zwei Siege in Folge, das wäre wirklich schön. Von Startplatz 15 wäre das schwierig geworden.“

Trotz des Renault-Upgrades glaub Ricciardo nicht daran, dass man Mercedes und Ferrari im Qualifying schlagen kann. „Aber wir sollten zumindest etwas näher dran sein. Ich hoffe, dass im Q2 alle Top-Teams mit den Hypersoft fahren müssen, sodass auch alle am Sonntag darauf starten müssen. Das sollte für etwas mehr Spannung im Rennen sorgen, wenn die Reifen zu Beginn nicht so lange halten.“

Verstappen reagiert augesäuert

Bei Teamkollege Max Verstappen ist momentan dagegen nichts von einer Erfolgswelle zu sehen. Nach dem verkorksten Monaco-Wochenende musste sich der Niederländer in Montreal einige unangenehme Fragen gefallen lassen. „Ich habe die Kritik und die Ratschläge gehört, dass ich meine Herangehensweise ändern sollte. Aber das wird nicht passieren“, zeigte sich der Youngster trotzig. „Sie hat mich dahin gebracht hat, wo ich jetzt stehe. Auf solche Kommentare höre ich deshalb gar nicht. Ich ziehe weiter mein eigenes Ding durch.“

Verstappen reagierte beim Thema Crashserie sichtlich genervt: „ Der Saisonstart war natürlich nicht nach meinem Geschmack. Da waren ein paar Fehler dabei, vor allem in Shanghai und Monaco, aber es macht keinen Sinn, ständig darüber zu reden. Davon habe ich langsam genug. Ich habe das Gefühl, dass es nichts Wichtigeres gibt, als mich nach dem letzten Wochenende zu fragen.“

Als es ein englischer Kollege dann doch noch einmal wagte, zur Fehlerserie in den ersten sechs Rennen nachzuhaken, reagierte Verstappen richtig angefressen: „Wie ich schon zu Beginn gesagt habe, ermüden mich die ganzen Nachfragen langsam. Wenn ich noch ein paar davon bekomme, muss ich wohl eine Kopfnuss verteilen.“

Obwohl selbst Teamchef Christian Horner ein Umdenken von seinem Schützling gefordert hatte, sieht der Pilot selbst die Sache gar nicht so schlimm. „Es war ja eigentlich nur zweimal mein Fehler. 2016 hatte ich dagegen gleich drei Unfälle bei einem einzigen Rennwochenende in Monaco. Es ist also nicht so dramatisch, wie die Leute behaupten. Natürlich habe ich nicht so viele WM-Punkte auf dem Konto, wie ich eigentlich haben müsste. Aber das war nicht alleine mein Fehler.“

Ricciardo bietet Unterstützung an

Einfach so wegreden konnte Verstappen die Krise aber nicht. Selbst Teamkollege Ricciardo bot moralische Unterstützung an: „Nach dem Monaco-Wochenende habe ich ihn gefragt, ob wir ein paar Bierchen trinken sollten. Aber das hat er abgelehnt. Ich werde ihm nicht ungefragt schlaue Ratschläge erteilen. Aber wenn er mich von sich aus fragen würde, wäre ich natürlich bereit zu helfen. Wir haben hier ein Team ein sehr gutes Verhältnis. Da wird nichts verheimlicht.“

Wie lange Ricciardo noch bei Red Bull bleiben wird, ist allerdings noch unklar. Auf die Frage, ob ihn Mercedes oder Ferrari wegen einer Verpflichtung kontaktiert hatten, antwortete der Mann aus Perth jeweils mit einem vielsagenden „Vielleicht!“. Und auf die Nachfrage, ob die guten Ergebnisse der letzten Rennen den Preis für seine Unterschrift erhöht hätten, grinste der Pilot über breite Ohren und sagte: „Das denke ich wohl schon.“

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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