Wende in der Motorenpolitik: Kommt der Entwicklungsstopp doch?

Wende in der Motorenpolitik: Kommt der Entwicklungsstopp
doch?
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Wende in der Motorenpolitik: Kommt der Entwicklungsstopp doch?

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Es gibt wieder Hoffnung für den Plan von Red Bull, ab 2022 Honda-Motoren in Eigenregie einzusetzen. Ferrari und Renault können sich offenbar nun doch einen Entwicklungsstopp vorstellen, wenn er mit einem Jahr Verspätung kommt.

Eigentlich war das Thema durch. Red Bull machte seinen Plan, ab 2022 Honda-Motoren in Eigenregie einzusetzen, von einem Entwicklungsstopp der Antriebseinheiten ab 2022 abhängig. Damit wären die V6-Turbos, MGU-H, MGU-K und die Batterie auf dem Stand von 2021 eingefroren worden. Über den kommenden Winter hätten Mercedes, Ferrari, Renault und Honda noch jeweils einen neuen Motor entwickelt, der dann die Basis für vier weitere Jahre gewesen wäre.

Mercedes konnte sich von Anfang an mit dem Plan anfreunden. Ferrari und Renault erteilten ihm eine Absage. Wohl auch aus Sorge, dass sie mit einer Ausbaustufe nicht in der Lage gewesen wären, den Rückstand auf Mercedes aufzuholen. Und im Fall von Ferrari auch aus Prinzip. Der Motor ist ein wesentlicher Bestandteil des Pakets, das Rundenzeit generiert, und so sollte es auch bleiben. Damit war das Red Bull-Projekt eigentlich gestorben. "Ohne Entwicklungsstopp können wir diese komplexe Technologie nicht einsetzen. Dazu bräuchten wir ein Entwicklungszentrum wie Honda in Sakura", richtete Sportdirektor Helmut Marko seinen Mitstreitern aus.

60 Prozent der Leistung elektrisch

Jetzt ist aber Bewegung in die vermeintlich bereits geschlossene Akte gekommen. "Es wird weiter diskutiert, und wir bewegen uns in die richtige Richtung", deutete Marko auf Anfrage einen Kurswechsel an. Ferrari und Renault können sich offenbar unter bestimmten Bedingungen nun doch einen Entwicklungsstopp vorstellen. Er soll erst Anfang 2022 und nicht schon Ende 2021 kommen.

Was ist der Unterschied? Die Hersteller würden im übernächsten Winter eine weitere Chance bekommen, ihre Motoren aufzurüsten. Auch vor dem Hintergrund, dass ab 2022 mit E10- statt E5-Kraftstoff gefahren werden soll. Dafür ist eine Anpassung der Motoren nötig. In einem zweiten Schritt soll das neue Motoren-Reglement von 2026 auf 2025 vorgezogen werden. Geplant ist angeblich, dass der Elektromotor dann 60 Prozent der Gesamtleistung beisteuern soll.

Sprit-Revolution verschoben?

Das Opfer, das gebracht werden müsste, ist, dass sich die Einführung komplett CO2-freier Kraftstoffe zusammen mit der neuen Motorenformel auf 2025 verschieben würde. Das wäre eine Bankrotterklärung für die Formel 1. Die Einführung der alternativen Kraftstoffe ist der Rettungsanker des Motorsports, weil er frei macht von der Architektur des Motors, dem Format der Rennen und dem Spektrum der Anbieter.

Er ist unter dem Strich auch billiger als die Entwicklung eines hochkomplexen Hybridantriebs, der ohnehin nur ein Feigenblatt der Hersteller ist und nur unnötig das Gewicht der Autos erhöht. Bei 60 Prozent Elektrokraft muss man mit deutlich größeren und schweren Batterien rechnen. Und ein solches Motorenformat wäre wieder nur für Automobilkonzerne reserviert, weil für private Hersteller zu teuer und zu kompliziert. Marko bedauert: "Wir wären auch dafür, dass mit dem alternativen Sprit ein viel einfacheres Motorenformat schon 2023 kommt, aber dafür scheint es keine Mehrheit zu geben."

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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