Audi A3, BMW 118d und Mercedes A 200 d im Test

Audi A3 35 TDI Sportback, BMW 118d, Mercedes A 200 d,
Exterieur
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Audi A3 35 TDI Sportback, BMW 118d, Mercedes A 200 d, Exterieur

© Hans-Dieter Seufert

Nun hat der kleinste BMW ebenfalls den klassentypischen Vorderradantrieb. Wie sich der 1er damit gegen Audi A3 Sportback und Mercedes A-Klasse schlägt, klären wir im ersten Vergleich der 150 PS starken Diesel mit Automatikgetrieben.

Vor ziemlich genau 697 Jahren haben die Ritter ihre letzte Schlacht geschlagen. Am 28. September 1322 stehen sich bei Mühldorf am Inn ein bayerisches und ein habsburgisches Heer gegenüber. Es findet die letzte große Schlacht in Europa ohne Schusswaffeneinsatz statt. Die Bayern siegen. Sonst wären wir heute womöglich alle Österreicher. Doch darum geht es jetzt nicht. Ähnlich wie die spätmittelalterlichen Ritter schafft es der BMW 1er, ein scheinbar nicht mehr zeitgemäßes Konzept lange über die Zeit zu retten. Irgendwann ist jedoch Schluss. Die UKL-Plattform schiebt sich unter den 1er, verwandelt ihn in einen konventionellen Kompaktwagen wie alle anderen in dieser Klasse. Oder?

Um das zu klären, bitten wir den 1er zum Vergleichstest mit der Premium-Kompaktkonkurrenz. Es treten an: der Audi A3 Sportback und die Mercedes A-Klasse, angetrieben jeweils von einem 150 PS starken Selbstzünder. Antriebe im Übrigen, die nicht nur in diesem Test beweisen, dass sie noch lange nicht so vorgestrig sind, wie manche es gerne hätten. Zunächst wenden wir uns dem BMW 118d zu, der in der Sport-Line-Ausstattung zum Test kommt. Das macht ihn – in Verbindung mit der 2.100 Euro teuren Steptronic – zum teuersten Auto im Vergleich. Mindestens 38.500 Euro stehen so auf dem Preisschild.

Behänder BMW

Der Testwagen auf diesen Seiten kostet sogar knapp über 50.000 Euro. Da kann man als Kompaktkunde schon mal einen Schluckauf bekommen, zumal der BMW gar keine ausgefallenen Gimmicks benötigt, um auf diesen Preis zu kommen. Der Verzicht auf Ledersitze und Metallic-Lack spart 2.100 Euro, ohne Surround-Soundsystem gehen weitere 850 Euro runter, doch das ändert nichts: Der 1er ist ein teures Auto.

Beim Raumangebot hat er natürlich zugelegt, obwohl er in Außenlänge und Radstand gegenüber seinem Vorgänger geschrumpft ist. Auf dem Messlineal wirkt das noch nicht einmal so eindrucksvoll, der gefühlte Unterschied ist größer, und darauf kommt es schließlich an. Der BMW 118d kneift nun nicht mehr unter den Achseln wie ein zu eng gewordenes Konfirmationssakko, fühlt sich luftiger und angenehm stramm sitzend an. Im Inneren ist er vor allem ein BMW, verfügt mit dem Operating System 7.0 hier über die beste Benutzeroberfläche.

Gleichwohl hat die Handhabung an Komplexität gewonnen. So können viele Funktionen per iDrive-Controller, Sprachbedienung, Lenkradtaste und Touchscreen angesteuert werden – vielleicht etwas zu viel des Guten. Da kann man auf die Gestensteuerung (300 Euro) leichten Herzens verzichten.

Wie fährt der BMW 118d denn nun? Darüber lässt sich fast nur Gutes berichten. Auto-Gourmets mögen anmerken, dass der BMW nicht mehr ganz mit der klaren Transparenz des hinterradgetriebenen Vorgängers einlenkt. Doch objektiv ist dem 1er wenig vorzuwerfen. Er umkurvt agil und ohne erkennbare Untersteuertendenzen Biegungen, quittiert abrupte Lastwechsel gelassen und souverän. Traktionsprobleme? Kaum. Auf Asphalt führt allenfalls harter Leistungseinsatz in Spitzkehren zu kurzem Haftungsverlust des kurven-inneren Vorderrads.

Nicht mehr als 500 Euro Aufpreis sind übrigens für die Adaptivdämpfer des Testwagens fällig. Eine sinnvolle Ausgabe, denn das Fahrwerk überzeugt mit gutem Ansprechverhalten, wobei die Federung insgesamt eher straff ausfällt. Auch der Antrieb liefert eine unauffällige, kompetente Vorstellung ab, der Zweiliter-Diesel arbeitet angenehm zurückhaltend und sehr sparsam (Testverbrauch 6,1 Liter/100 Kilometer).

Komfortabler Audi

Zum Audi A3 Sportback gilt es vor allem zu bemerken, dass ein etwas betagtes Auto nicht unbedingt schlechter sein muss. Obwohl die aktuelle Generation bereits seit sieben Jahren auf dem Markt ist, macht der ausgereifte Audi seinen beiden jüngeren Premium-Konkurrenten in der ein oder anderen Disziplin immer noch etwas vor.

Im Fahrkomfort etwa, denn den bekommen weder der BMW noch der Mercedes so ausgewogen hin. Der Audi A3 federt geschmeidig über die Landstraße, verdaut auch gröbere Unebenheiten ungerührter und mit weniger abrupten Karosseriebewegungen. Die Qualität der Sitze spricht ebenso für ihn, denn sie sind bequemer gepolstert, üppiger dimensioniert und wirken hochwertiger als jene im 1er oder gar in der A-Klasse.

Überhaupt muss ja nicht alles schlecht sein, nur weil es bereits vor ein paar Jahren erfunden wurde. Der MMI-Controller zum Beispiel, mit dem sich die meisten Infotainment-Funktionen des Audi A3 sicher und ohne große Ablenkung abrufen lassen. Das gelingt in der A-Klasse, bei der ein Touchpad das Drehrad ersetzt, nicht ganz so mühelos. In anderen Bereichen wird allerdings deutlich, dass die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen ist. So erreicht die Sicherheits- und Assistenzausstattung nicht ganz das Niveau der Konkurrenz, und auch der Antrieb erfüllt nicht mehr höchste Ansprüche. Zwar tritt die oft beobachtete Anfahr- und Ansprechschwäche einiger VW-Konzern-Antriebe hier nur eher unauffällig auf, doch der Zweiliter-Diesel verbraucht auf der Eco-Runde mehr Treibstoff als die der Rivalen. Auch deswegen landet der Audi A3 hier auf dem dritten Platz.

Sparsamer Mercedes

So liegt also die A-Klasse am Ende vorn, vielleicht etwas überraschend. Denn beim Komfort hat sie durchaus einige Defizite, und zwar nicht nur in Gestalt des etwas holprig agierenden Fahrwerks, sondern ebenso bei der Qualität der Sitze. Da zeigt sich, dass auch bei Mercedes heftig gespart werden muss. Vorne fallen sie sehr straff aus und sind für ausgewachsene Personen etwas knapp bemessen. Und hinten zwingt die sehr niedrig montierte Bank zu einer auf Dauer eher unbequemen Hockhaltung.

Beim Federungskomfort gelingt es dem Sternenträger ebenfalls nicht, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Dafür hat er andere Qualitäten. So zeigt er sich auf der Landstraße fast so behände und spielerisch wie der BMW, wirkt dabei jedoch ruhiger und souveräner. Dazu passt die angenehm unaufgeregte Lenkung mit ihrer Präzision und Direktheit, wenngleich ihr das letzte Quäntchen Rückmeldung fehlt.

Womit wir schließlich bei den Paradedisziplinen der A-Klasse angekommen sind. In puncto Sicherheitsausstattung kann sie selbst der jüngere BMW 118d nicht übertrumpfen, und die Bremsen verzögern noch etwas heftiger (aus 100 km/h). Auch der Antrieb überzeugt zugleich mit unspektakulärer Kraftentfaltung, hoher Effizienz und guter Laufkultur. Obendrein hat der Mercedes A 200 d hier als einziger serienmäßig ein automatisches Getriebe (DKG), was ihn zum preiswertesten Auto in diesem Vergleich befördert.

Mit genau sechs Litern auf 100 Kilometer unterbietet er den BMW 118d im Testverbrauch leicht und den Audi A3 35 TDI um immerhin 0,4 Liter. Das ist zeitgemäß und beweist, dass der Dieselmotor noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten ist – anders als die habsburgischen Ritter vor Mühldorf.

Technische Daten:

A3 Sportback 35 TDI

Leistung: 110 KW (150 PS)
Drehmoment (bei U/min): 340
Höchstgeschwindigkeit:218 km/h
Grundpreis:35.000 €

118d

Leistung: 110 KW (150 PS)
Drehmoment (bei U/min): 350
Höchstgeschwindigkeit:216 km/h
Grundpreis:38.250 €

A 200 d

Leistung: 110 KW (150 PS)
Drehmoment (bei U/min): 320
Höchstgeschwindigkeit:220 km/h
Grundpreis:34.063,75 €

Bewertung

Mercedes A 200 d

Testwertung: 453 Punkte

Mit sparsamem Antrieb, viel Platz und umfangreicher Sicherheitsausstattung sammelt der Mercedes A 200 d hier die meisten Punkte. Zudem ist er etwas preiswerter.

BMW 118d

Testwertung: 445 Punkte

Selbst mit Vorderradantrieb ist der BMW 118d ein agiles, fahrspaßiges Kompaktauto mit toller Bedienung. Die Platzverhältnisse im Interieur profitieren von der Umstellung.

Audi A3 35 TDI Sportback

Testwertung: 430 Punkte

Trotz seiner inzwischen langen Bauzeit zeigt der Audi A3, dass er in vielen Bereichen mithalten kann. Bei Komfort und Qualität liegt er hier sogar an der Spitze.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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