Audi E-Tron Quattro: Das kann der Elektro-SUV

Die Front ziert eine stark ausgeprägte Schürze. Schmale
Frontscheinwerfer flanieren den Grill.
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Die Front ziert eine stark ausgeprägte Schürze. Schmale Frontscheinwerfer flanieren den Grill.

© Audi
20.04.2018 - 16:24 Uhr von Holger Wittich

Audi nimmt den Kampf gegen Tesla auf und wird ab August 2018 mit den E-Tron Quattro ein erstes rein elektrisch betriebenes Modell auf den Markt bringen. Dieser E-SUV im Format eines Audi Q5 bildet dann den Auftakt einer ganzen E-Tron-Baureihe. Seine Premiere feiert er im Sommer in Brüssel. Jetzt hat Audi bekannt gegeben, wie groß die Batterie sein wird und wie der E-SUV mit einer Ladeleistung von bis zu 150 kW blitzschnell Reichweite nachtankt.

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Unser Erlkönig-Jäger hat den Audi E-Tron Quattro erstmals abgeschossen. Der Prototyp orientiert sich stark an der 2015 gezeigten IAA-Studie. Der Viertürer präsentiert sich mit schmalen, schon fast schlitzförmigen Scheinwerfern sowie einer „ Kühler“-Maske, die der aktuellen Form des Audi-Grills entspricht. Trotzdem wird sich der Grill von den Modellen mit Verbrenner-Motoren unterscheiden, insbesondere da man weniger Kühlluft benötigt.

Audi E-Tron Quattro mit leichten Änderungen zur Studie

Während die Studie noch ohne Außenspiegel auskam, mussten die Ingenieure für die Serienversion schmale Spiegel im vorderen Fensterdreieck integrieren. In der Seitenansicht des Viertürers fällt die fast waagerechte untere Fensterlinie auf, außerdem die kräftig ausgestellten Kotflügel und die starken Einzüge in den unteren Bereichen der Türen. Am Ende der sich leicht neigenden Dachlinie ist ein Dachkantenspoiler platziert. Eine Reling ziert ebenfalls den E-Tron Quattro.

Das Heck präsentiert sich mit schmalen Leuchten, die weit in die Klappe reichen. Im Vergleich zur Studie ist lediglich das Kennzeichenfeld weniger ausgeprägt.

Audi E-Tron Quattro wiegt über 2 Tonnen

Vermutlich wird das über zwei Tonnen schwere Serienmodell auch die Abmessungen des Concept-Cars in etwa übernehmen. Die betragen 4,88 in der Länge, 1,93 Meter in der Breite und 1,54 in der Höhe, bei einem Radsand von 2,91 Meter. Das Kofferraumvolumen reicht von 615 bis 1.725 Liter.

Als Batteriekapazität gibt Audi 95 kWh an – nur 5 kWh weniger als bei der größten Tesla-Batterie der P-100-D-Modelle (S oder X). Damit soll der Elektro-SUV 400 Kilometer weit kommen – nach dem erheblich realitätsnäheren WLTP-Zyklus, der im September auch in Prospekten den veralteten NEFZ ablösen wird. Zum Vergleich: Für die Batterie des i-Pace nennt Jaguar eine Kapazität von 90 kWh, aber eine Reichweite von 480 Kilometern – gemessen ebenfalls im WLTP-Zyklus. Wer da wohl näher an der Wahrheit bleibt?

Die Batterie des Audi e-tron hat 396 Volt Nominalspannung. Sie besteht aus 36 Zellmodulen in quaderförmigen Aluminium-Gehäusen, die etwa so groß sind wie ein Schuhkarton. Jedes Modul beinhaltet zwölf Pouch-Zellen, die eine flexible Außenhülle aus Aluminium-beschichtetem Kunststoff besitzen. Sie sollen eine lange Lebensdauer bei gleichzeitig hoher Energie- und Leistungsdichte garantieren. Zudem können sie laut Audi über breite Temperatur- und Ladezustandsfenster kontinuierlich und reproduzierbar Strom abgeben und aufnehmen. Und sie lassen sich so dicht packen, dass sie das im Hochvolt-Batteriesystem vorhandene Volumen bestmöglich nutzen, sind sich die Entwickler sicher. Audi will künftig in seinem Modulkonzept technisch gleichwertig ebenso prismatische Zellen einsetzen, um von mehreren Lieferanten Batterien beziehen zu können.

Das Batteriesystem insgesamt ist ein flacher, breiter Blockunter der Passagierzelle zwischen den Achsen – gut für den Schwerpunkt, denn das Gesamtgewicht des Systems inklusive der Gehäusewanne mit den aufwändigen Crashstrukturen liegt bei rund 700 Kilogramm. Mit 2,28 Meter Länge, 1,63 Meter Breite und 34 Zentimeter Höhe hat es etwa die Dimensionen wie die dicke Matratze eines überlangen aber schmalen Doppelbetts. Über dem hinteren Bereich der ersten Ebene sitzt eine zweite, kleinere Ebene mit Zellmodulen. Die liegt damit unter der Rücksitzbank des Audi e-tron.

Aufwendiges Temperaturmanagement des Akkus

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Entwickler dem Thermomanagement. Es hat vier Kreisläufe, die sich je nach Bedarf auf unterschiedliche Weise zusammenschalten lassen, um den Innenraum und die elektrischen Aggregate zu heizen oder zu kühlen. Laut Audi können sie auch als effiziente Wärmepumpe arbeiten. Neben der Batterie binden sie die E-Maschinen samt ihren Rotoren, die Leistungselektronik sowie das Ladegerät ein.

Das Thermomanagement hält die Batterie laut Hersteller in allen Situationen – vom Kaltstart im Winter bis zu schneller Autobahnfahrt an heißen Sommertagen – in ihrem optimalen Effizienzbereich von 25 bis 35° Celsius. Das lässt den Akku einerseits länger leben, hat aber für den Fahrer des Audi e-tron auch noch andere Vorteile. So soll er beispielsweise mehrfach nacheinander hohe Last anfordern können, ohne dass die Performance einbricht. Außerdem lässt der ausgeglichene Temperaturhaushalt Laden an einer der neuen Gleichstrom-Schnellladesäulen im Netz des Hersteller-Joint-Ventures Ionity mit bis zu 150 kW Leistung zu. Denn das Kühlmittel führt die Wärme ab, die durch die elektrische Verlustleistung entsteht. Ist die Batterie beim Laden im Winter noch kalt, wird sie mit warmem Kühlmittel beheizt.

Um die Hochvolt-Batterie möglichst schnell und schonend zu laden, kommuniziert der Audi e-tron während des Ladevorgangs mit der Ionity-Ladesäule, deren Kabel ebenfalls gekühlt wird. Wenn der Akku bei der Ankunft nahezu leer ist, lässt er sich durch das 150 kW-Laden unter optimalen Bedingungen in knapp 30 Minuten wieder auf etwa 80 Prozent Ladezustand bringen. Nach Überschreiten dieser Marke verlangsamt sich der Ladevorgang, um die Lithium-Ionen-Batterie zu schonen und ihre Lebensdauer nicht zu beeinträchtigen.

Schnellladen mit bis zu 150 kW oder mit 11 bis 22 kW

Auf Langstrecken – Audi nennt explizit als Beispiel Urlaubsfahrten – sollen Schnellladestationen die Reisegeschwindigkeit hoch halten. Ende 2018 wird es in Europa nahezu 200 solcher High-Power-Charging (HPC)-Stationen mit jeweils sechs Ladepunkten geben, ist sich Audi sicher. Dafür haben der Volkswagen-Konzern mit Audi und Porsche, die BMW Group, die Daimler AG und die Ford Motor Company das Gemeinschaftsunternehmen Ionity gegründet. An dessen leistungsfähigen DC-Säulen kann der Audi e-tron mit bis zu 150 kW laden. Damit ist er laut Hersteller in weniger als 30 Minuten bereit für die nächste Langstrecken-Etappe – eine leere Batterie dürfte in dieser Zeit etwa rund 70 kWh aufgenommen haben, wäre also zu etwa 80 Prozent voll – was etwa 320 Kilometern Reichweite entsprechen würde. Bis 2020 sind 400 Standorte an Autobahnen und Hauptverkehrsachsen in je 120 Kilometer Entfernung geplant.

Neben dem Laden mit Gleichstrom an DC-Säulen kann der Audi e-tron unterwegs auch mit Wechselstrom an AC-Säulen laden oder zu Hause – standardmäßig mit bis zu 11 kW, optional mit 22 kW. Für Letzteres braucht der Elektro-SUV allerdings ein optionales zweites Ladegerät an Bord. Zum Anschluss an die Ladesäule dient das ebenfalls serienmäßige, sechs Meter lange Mode-3-Ladekabel. Etwa 95 Prozent aller vorhandenen Ladepunkte in Europa entsprechen aktuell diesem Standard.

Möglicherweise trägt der E-Tron Quattro, der auf einer überarbeiteten Version des Modularen Längsbaukastens (MLB) steht, dann auch schon ein mit Dünnschicht-Solarzellen bestücktes Dach, das Audi derzeit mit dem chinesischen Solarzellen-Spezialisten Hanergy entwickelt. Die Solarzellen haben einen Wirkungsgrad von mehr als 25 Prozent, sind besonders dünn und flexibel. Zudem funktionieren sie auch bei schwachem Licht und hohen Temperaturen sehr gut. Die Solarzellen produziert Alta Devices in Kalifornien. Der gewonnene Strom soll in das Bordnetz fließen und kann beispielsweise die Klima-Anlage oder die Sitzheizung versorgen. Perspektivisch soll der Solarstrom sogar direkt die Traktionsbatterie laden.

Was kostet der Audi E-Tron Quattro?

Die Studie wurde von drei E-Motoren angetrieben, wobei ein Elektromotor auf die Vorderachse wirkt und zwei am Heck arbeiten. Zusammen erarbeiten sie eine Leistung von 435 PS, im Boostmodus 503 PS. Der Spurt auf 100 km/h soll in 4,6 Sekunden erfolgen; die Höchstgeschwindigkeit ist auf 210 km/h begrenzt. Als Energiespeicher fungiert eine Lithium-Ionen-Batterie mit 95 kWh. Die Reichweite liegt bei 500 Kilometer. Der Audi E-Tron Quattro baut auf dem MLB (Modularen Längsbaukasten) des VW-Konzerns auf und erlaubt einen tiefen Schwerpunkt. Die Batterie ist mit der Bodenkonstruktion unter der Fahrgastzelle verschraubt.

In Norwegen können Kunden das Modell sogar schon vorbestellen – mit einer Anzahlung von umgerechnet 2.154 Euro. Insgesamt haben 3.700 Kunden in Norwegen das Modell bestellt. In Deutschland wird er E-Tron Quattro nach offizieller Audi-Mitteilung ab 80.000 Euro beginnen. Noch mal der Blick auf den Jaguar i-Pace: Dessen Preise starten bei 77.850 Euro, bestellbar ist das E-SUV seit März 2018. Über 25.000 Reservierungen sollen bereits vorliegen. Audi will schon 2019 mit dem E-Tron Quattro Sportback nachlegen.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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