Besuch im Skoda-Werksmuseum

Auch der Favorit wagte den Ausflug in den Motorsport als 136 L/A
Typ 781 mit einem 118 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinder.
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Auch der Favorit wagte den Ausflug in den Motorsport als 136 L/A Typ 781 mit einem 118 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinder.

© Patrick Lang
22.11.2018 - 08:58 Uhr von Jens Dralle

Durch die Historie von Skoda rumpeln nur ein paar skurrile Heckmotor-Fahrzeuge? Von wegen! Prächtige Vorkriegswagen, zornige Motorsport-Geräte und herrliche Fünfziger-Jahre-Zuckerbäcker-Modelle schmücken die Tradition der Marke – ein Museums-Rundgang.

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Vier Liter Hubraum, sechs Zylinder, darüber eine bis zu 5,70 Meter lange Karosserie, gestaltet von der Pracht der Vorkriegsjahre: Vermutest du an allen möglichen Orten, vorzugsweise in Museen, aber nicht unbedingt bei Skoda. Nur warum nicht? Weil die Marke aktuell vielleicht eine Idee zu aufdringlich in ihr Simply-Clever-Eiskratzer-im-Tankdeckel-Motto propagiert? Vielleicht. Vielleicht auch deshalb weil für ein Kind der Achtziger Jahre Skoda als tschechische Marke im Ostenblock kleben geblieben ist. Doch der Block zerbröselte längst, die einzelnen Länder liegen als Teile Europas außerdem eher in der Mitte – und es ist herrlich dort. Prag, klar, wunderbar, Kirchen, Paläste, die Moldau, die Karlsbrücke.

Und Mlada Boleslav? Ehrlich gesagt: Hübsch. Herausgeputztes Stadtzentrum. Firmensitz von Skoda. Mit Museum. Einem kleinen. Aber einem, das in aller Kompaktheit zeigt, wo die 1895 von Vaclav Laurin und Vaclav Klement gegründete Marke herkommt. Vom Fahrrad über das Motorrad zum Automobil. Eines davon hieß Superb, eigentlich nur ein Beiname, gebaut zwischen 1934 und 1949. Eben ein Prachtwagen, wie eingangs beschrieben. Aber er parkt in zweiter Reihe, neben einem zweitürigen Octavia mit Kombi-Karosserie. Dem Ur-Octavia, und damit ist nicht der von 1995 gemeint. Fünfziger Jahre. Aber als erstes triffst du eh auf den Monte Carlo, jenem schwarzen Zweitürer in bedrohlicher Gangster-Optik von 1938, dessen schwungvollen Linien ihm ein wenig von seiner Brutalität nehmen.

Skodas Golf I

Ganz hinten: Ein 135 in Erbsensuppengrün, eben jene Ostblock-Heckmotor-Limousine, der die Zeit nun genügend Unschuld verlieh. In Großbritannien war es dagegen der Verkaufsname Estelle. Und überhaupt war der 135 eigentlich nur eine der zahllosen Blüten von Pflanze Nummer 742, gebaut von 1976 bis 1990. Dann kam der Favorit. Eigentlich schon 1987. Von Bertone gezeichnet. Und schlicht-schüchtern wie ein Golf I. Ein freier Importeuer vertrieb auch in Deutschland, von einem Kaff im bayerischen Wald aus. Ist ja nicht weit von Tschechien. Überhaupt klingt Tschechien weiter, als es tatsächlich ist. Von Stuttgart etwa viereinhalb Stunden bis Prag, bis Mlada noch mal 45 Minuten extra.

Vor allem das Nebengebäude des Museums, ganz hinten in dem Komplex ehemaliger Werkshallen, vorbei an dem moderneren Auslieferungszentrum, hat es in sich: Studien aus der VW-Ära? Gut und schön. Vor allem aber: Rennwagen, Monoposti und wild geflügelte Tourenwagen, Rallye-Apprate obendrein. Der Formel Skoda MTX 1-01 beispielsweise, Einsitzer mit Stahlrohramen und Verbundwerkstoff-Hülle, 53 PS stark. Ein 130 RS A5 von 1978 mit Riesen-Flügel und 190 PS-Triebwerk. Gibt’s nur einmal. Ein 176 PS starker Favorit, der Anfang der Neunziger Jahre im Veedol Cup startete, parkt dort. Ach ja, und der 110 Super Sport, eine Art tschechischer KITT, flach, schwarz, mit roten Akzenten, Akteur im Horror-Science-Fiction-Film „Der Autovampir“ von Juraj Herz, wer kennt ihn nicht. 73 PS stark, das Auto, nicht der Regisseur. Irre. Keine Show, kein Tamtam, einfach Autos. In einer Halle. Im Hauptgebäude: Etwas mehr Glamour, ein bisschen, in Form von Hochregalen – voll mit Autos. Und im Museums-Restaurant Vaclav servieren sie Svickova. Mit vier Litern. Nicht Hubraum. Sondern Rahm in der Soße.

Einen virtuellen Rundgang durch das Skoda-Werksmuseum können Sie in unserer Bildergalerie miterleben.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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