Der neue Porsche 911 (992) stellt sich seinem Vorgänger

Porsche 911 vergleich 991.2 vs. 992
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Porsche 911 vergleich 991.2 vs. 992

© Porsche / Patrick Lang
03.12.2018 - 09:30 Uhr von Patrick Lang

Ein neues Auto soll ja immer alles besser machen als zuvor – der Sportwagen-Klassiker Porsche 911 ist da keine Ausnahme, aber gelingt es ihm auch? Wir ziehen den Vergleich zwischen Baureihe 992 und 991.2.

  • Leistung
  • Abmessungen
  • Ausstattung
  • Fazit

Die achte Generation des Klassikers unter den Sportwagen soll – wir zitieren – „noch leistungsstärker, noch emotionaler und noch effizienter sein, als seine Vorgänger“ – Zitat Ende. Obwohl, einen haben wir noch: „Trotz aller Neuerungen bleibt der Elfer, was er von Anfang an war: ein puristischer Sportwagen (...).“ Soweit das Marketing-Deutsch für „es gibt einen neuen Porsche 911“. Üblicherweise lassen wir uns von Texten aus Hochglanz-Broschüren nicht blenden, und heute fangen wir auch nicht damit an, sondern nehmen die Herrschaften Porsche mal beim Wort. Ist denn mit der Baureihe 992 wirklich alles schöner und besser geworden? Das verlangt nach einem Vergleich mit dem direkten Vorgänger 991, genauer gesagt in seiner letzten Gestalt als Facelift 991.2.

Mehr Power im 992

Fangen wir am besten da an, wo es bei dieser Fahrzeug-Klasse am interessantesten ist: bei der Performance. Dazu einigen wir uns als Vergleichsobjekt auf die Modellvariante Carrera S. Die leistet in ihrer jüngsten Gestalt nun 450 PS und bedient sich dazu nach wie vor des aufgeladenen Sechszylinder-Boxers. Die Mehrleistung erreichen die Ingenieure über ein verbessertes Einspritzverfahren, eine Überarbeitung der Ladeluftkühlung und eine Neuanordnung der – jetzt größeren – Turbolader. Mit 530 Newtonmetern maximalem Drehmoment stemmt sich der Zuffenhausener Neuzugang auf bis zu 308 km/h und sägt sich dabei nun durch acht PDK-Gangstufen. Die Viersekunden-Marke für den 0-100-Sprint unterbietet der 992 laut Werksangabe um 0,3 Sekunden. So, viele Zahlen – doch wie lautet das Fazit? Der neue Elfer verspricht auf dem Papier eine Steigerung von 30 PS, 30 Nm, eine um 0,6 Sekunden schnellere Sprintzeit und eine zusätzliche Gangstufe bei gleichbleibender Vmax. Unterm Strich hat der neue 911 im Performance-Kapitel also die flache Nase vorne. Obwohl, und das sei hier auch noch angemerkt, bereits der Vorgänger über das Porsche Exclusive Angebot für 10.567 Euro mit größeren Turbos auf 450 PS gepumpt werden konnte.

992 – 991.2 Zwischenstand 1:0

Größer und schwerer

Nicht minder interessant ist die Frage, wie all diese Power denn verpackt wird, sprich: die Karosserie. Genauer gesagt geht es uns hier um die Abmessungen. Die neue Generation misst in Länge, Höhe und Breite 4,52 Meter, 1,85 Meter und 1,30 Meter. Damit ist er zwei Zentimeter länger, viereinhalb Zentimeter breiter und einen halben Zentimeter höher als der Carrera S der Baureihe 991.2. Das basiert vor allem auf der Tatsache, dass es die schmale Karosserie-Variante in der neuen Generation nicht mehr geben wird. Auch die hinterradgetriebenen Ausführungen packt Porsche in das ausladendere Kleid der Allrad-Versionen. Damit ist der kommende Carrera S immer noch etwas schlanker als ein Vorgänger-Modell in Turbo-Konfiguration (Breite 1, 88 Meter). Abgesehen davon, dass so eine Parklücke nun etwas enger als zuvor erscheinen mag, steigt mit den Abmessungen auch ein nicht unwesentliches Detail: das Gewicht.

Nun werden Sie beim Nachrecherchieren im Konfigurator vielleicht auf die Zahl 1.515 Kilo stoßen, und beim Abgleich mit dem Vorgänger-Carrera S den selben Wert finden. Allerdings wird hier einmal das Gewicht mit Fahrer und Betriebsflüssigkeiten angegeben und einmal ohne. Im Klartext ist der neue Carrera S mit PDK 130 Kilo schwerer als ein 991.2 Carrera S mit PDK. Wer aber gewinnt nun diese Disziplin? Nachdem eine ausladendere Karosserie für einen Sportwagen nicht wirklich ein Qualitätsmerkmal ist, das Gewicht allerdings schon, schnappt sich der 991.2 diesen Punkt.

992 – 991.2 Zwischenstand 1:1

Neue Assistenzsysteme

Bevor wir zu der Frage kommen, wie viel Auto man sich für’s Geld zusammenkonfigurieren kann, bleiben wir doch erstmal beim Geld. 120.125 Euro kostet der Carrera S (992) mindestens. Dass da für den Porsche-Kunden noch lange nicht Schluss ist – geschenkt. Und während man so seine Kreuzchen in der Ausstattungsliste macht, kann man vielleicht ein bisschen davon träumen, was man von den rund 8.000 Euro Basispreis-Differenz zum Vorgänger alles hätte kaufen können. Aber wir sind ja nicht so, und schauen uns erstmal an, welche neuen Gimmicks die Zuffenhausener in ihr Flaggschiff gesteckt haben. Zunächstmal gibt es serienmäßig mehr Rad. Hinten zumindest. Den GT-Modellen entlehnt steht der neue Carrera S vorne auf 20 Zoll und hinten auf 21 Zoll-Felgen. Serienmäßig ist das neue 10,9-Zoll-Touchscreen-Infotainment an Bord, das mit Online-Navigation und Porsche Connect Plus aufwarten kann. Den neuen Nachtsichtassistenten mit Wärmebildkamera lässt sich Porsche allerdings 2.332 Euro kosten. Neu ist auch der „Wet Mode“, der Wasser auf der Straße erkennt, und die Regelsysteme des Elfers entsprechend sicherheitsbetont abstimmt.

Der Abstandsregeltempomat ist mit 1.700 Euro Aufpreis sogar etwas günstiger geworden (2.200 Euro im 991.2). Der Parkassistent lässt sich im 992 nun auch mit einer Surround-View-Kamera kombinieren (1.690 Euro), während der 991.2 nur eine Rückfahrkamera an Bord hatte (1.594 Euro). Neu und serienmäßig verbaut ist der Warn- und Bremsassistent, der kamerabasiert Kollisionsgefahren erkennt und im Härtefall eine Notbremsung einleitet. Insgesamt ist der 911 Carrera S also in der Anschaffung teurer geworden, wobei das PDK beispielsweise beim Vorgänger noch 3.510 Euro extra kostete. Zusammen mit der erweiterten Serienausstattung und den neuen Optionen darf sich der 992 den Punkt im Ausstattungskapitel einverleiben.

992 – 991.2 Endstand 2:1

Fazit

Höher, schneller, weiter – die achte Generation des Porsche 911 hat in der Tat eine Menge zu bieten. Getreu dem Motto „Viel kostet viel“, ist der 992 naturgemäß erstens kein Schnäppchen und zweitens kein Fliegengewicht. Wer damit leben kann, stellt sich einen erstarkten Sportwagen auf dem aktuellsten Stand der Technik in den Kies der hauseigenen Auffahrt. Ob der Elfer seine Angaben am Ende auf der Straße verifizieren kann, klären wir dann im Fahrbericht.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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