Die Maserati-Sammlung von Umberto Panini

Der Maserait 5000 GT gehörte seinerzeit (1959-1964) zu den schnellsten Autos der Welt. 325 PS schieben hier nach vorne.
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Der Maserait 5000 GT gehörte seinerzeit (1959-1964) zu den schnellsten Autos der Welt. 325 PS schieben hier nach vorne.

© Patrick Lang

Die wohl bedeutendste Sammlung klassischer Maseratis gehört nicht Maserati selbst, sondern der Familie Panini (ja, die mit den Klebebildchen). Wir waren in den heiligen Hallen in der Nähe von Modena.

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„Von vier gebauten Exemplaren gibt es heute nur noch sieben Stück“, scherzt Matteo Panini mit Blick auf den roten A6GCS Berlinetta. Was er uns damit sagen will, ist, dass es mehr Repliken als Originale gibt. Dieses hier allerdings ist das Original, das 1953 bei der Mille Miglia an den Start ging und damit eine große Renn-Karriere ins Rollen brachte. Zweifelsohne ist das Auto mit der langen Schnauze das Schmuckstück der Maserati-Sammlung von Umberto Panini, wie uns sein Sohn attestiert.

Rettung in letzter Sekunde

In der Summe handelt es sich bei den hier ausgestellten Klassikern um die wohl bedeutendste Sammlung von Maserati-Legenden – und sie gehört nicht Maserati. Besser gesagt: Nicht mehr. Einst waren sie Teil der Werkssammlung, doch im Zuge der stückweisen Konzern-Übereignung von Alejandro de Tomaso an Fiat, sollte die Sammlung zerteilt und versteigert werden. Patriotisch sprang der Abziehbildchen-Papst Panini in die Bresche, und kaufte die komplette Kollektion noch am Hafen, kurz bevor sie nach Großbritannien verschifft werden sollte. Und so kann man sie heute in einer hübsch ausgebauten Halle auf dem Gelände des Panini-Bauernhofs (ja, die machen auch Käse) in der Nähe von Modena besichtigen.

Auch ein Tipo 61 „Birdcage“ steht dort, der in seinem 36 Kilo leichten Rahmen aus 200 dünnen Rohren einen Dreiliter-Zwölfzylinder mit 250 PS beherbergt. Der legendäre Rennwagen von 1961 bringt es damit auf bis zu 280 km/h. Ein Umstand, der ihm in zahlreichen Rennen den Sieg bescherte, darunter auch zwei Mal beim 1.000-Km-Rennen auf dem Nürburgring, jeweils mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 130 km/h. Am Steuer einmal Stirling Moss und Dan Gurney und einmal Masten Gregory und Lloyd Casner.

Das älteste Stück der Sammlung

Direkt daneben parkt der Nachfolger Tipo 63, der ebenfalls als Gitterrohrrahmen-Konstruktion gebaut wurde, allerdings mit Mittelmotor und 320 PS. Das älteste Stück der Sammlung ist allerdings ein 6C/34 Monoposto Competizione von 1934. Zu dieser Zeit wurde ein neues Grand Prix-Reglement eingeführt, das eine Beschränkung des Fahrzeuggewichts auf 750 Kilo vorsah. Damit sollte ein unkontrolliertes Wachstum der Motoren verhindert werden.

Bei der Rennsport-Konkurrenz aus Deutschland war das kaum ein Problem. Dank staatlicher Subventionen konnte sich etwa Mercedes problemlos die Entwicklung immer neuer Motoren leisten. „Maserati war zu dieser Zeit ein kleiner Laden mit überschaubaren Mitteln“, erzählt Matteo Panini. „Die Maseratis mussten eben ein bisschen mehr knobeln, und mit Köpfchen arbeiten, um preisgünstige clevere Lösungen zu entwickeln.“

Fangios Weltmeister-Auto

Die Innovation am 6C/34 war weniger der Sechszylinder-Motor mit Kompressor, als viel mehr die Einzelradaufhängung, die das Handling signifikant verbesserte. Die finanziell übermächtige Konkurrenz ließ dich davon allerdings nicht ausbooten. Der GP Modena und der GP Neapel konnten nur deshalb gewonnen werden, weil die Veranstaltungen von den deutschen Werken boykottiert wurden.

Den durchschlagenden Rennsport-Erfolg brachte schließlich Juan Manuel Fangio, der Maserati 1957 den ersten Formel 1-Weltmeistertitel bescherte. Sein Arbeitsgerät: Ein Maserati 250F mit V12 und 310 PS. Unvergessen ist in dieser Saison der Große Preis von Deutschland. Nach einem vergeigten Boxenstopp holte Fangio einen scheinbar nicht zu überbrückenden Rückstand auf, indem er kontinuierlich Rundenrekorde fuhr und das Rennen schließlich als Erster beendete. Sein Auto ziert ebenfalls die Sammlung von Umberto Panini.

Die Exponate ziehen sich bis in die Neuzeit und umfassen natürlich auch weitere Klassiker wie Khamsin, Bora, Merak, Simun, Ghibli und Co. In unserer Bildergalerie können Sie einen virtuellen Rundgang machen, doch seien Sie versichert: Ein echter Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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