Die Opel-Neuheiten mit PSA

Die Opel-Neuheiten mit PSA
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Die Opel-Neuheiten mit PSA

© Axel Wierdemann/Opel
09.10.2018 - 16:03 Uhr von Peter Wolkenstein

Opel kann seine Neuheiten in Zukunft dank PSA auf Basis zweier Plattformen viel günstiger entwickeln. Die PSA-Technik erlaubt Elektro-Antriebe und Plug-in-Hybride. Aber es müssen auch Modelle entfallen – etwa Karl, Adam und Cascada. Der Bestseller Mokka X kriegt dafür 2020 einen Nachfolger.

Schon vor sechs Jahren brachte Opel mit dem Ampera sein erstes Elektroauto auf den Markt. Doch wie sein Nachfolger Ampera-e (seit 2017) war er ein ausschließlich mit elektrischem Antrieb konzipiertes Modell, das zudem in den USA beim damaligen Mutterkonzern General Motors vom Band lief. Und Baureihen mit GM-Technik wurden mit der Übernahme durch PSA zu Auslaufmodellen. Darum müssen die Rüsselsheimer die Elektrifizierung jetzt mit der Technik der Franzosen angehen.

Ab 2024 elektrifiziert Opel alle Baureihen

Opel wird elektrisch, bis 2024 soll es keine Baureihe mehr ohne die Option eines elektrischen Antriebs – batterieelektrisch (BEV) oder als Plug-in-Hybrid (PHEV) – geben, zusätzlich zu den weiter optimierten Verbrennungsmotoren. So wollen die Rüsselsheimer eine führende Rolle bei der Reduzierung der CO2-Emissionen einnehmen. Gleichzeitig verringert Opel in seinem künftigen Portfolio drastisch die Komplexität, was die Effizienz und damit die Kostenstruktur gravierend verbessern soll. So kommen in Zukunft nur noch vier statt bislang zehn Motorenfamilien, und lediglich zwei statt bisher neun Plattformen für das gesamte Modellangebot zum Einsatz. Das ist nur mit effizient ausgelegten Plattformen mit vielen Gleichteilen möglich, was über Skaleneffekte die Kosten für Entwicklung und Fertigung senkt.

Auf der anderen Seite müssen diese Plattformen so modular aufgebaut sein, dass sie viele Freiheiten bei der Gestaltung der Fahrzeuge ermöglichen. So bleibt die Eigenständigkeit der vier Konzernmarken Opel, Peugeot, Citroën und DS erhalten, obwohl ihre Autos auf einer gemeinsamen Fertigungslinie vom Band laufen können. Da alle neuen Opel-Modelle zwar auf PSA-Technik basieren, aber in Rüsselsheim entwickelt werden, ergeben sich auch beim Design für Opel neue Freiheiten: So müssen die Rüsselsheimer nicht mehr Rücksicht auf andere Konzernmarken (wie noch unter GM etwa auf Buick) nehmen, simples Badge-Engineering ist bei PSA im Pkw-Bereich kein Thema.

Nur noch zwei Plattformen

Auf den beiden modularen Plattformen, mit der sich von Limousine über Kombi, Van, SUV bis zu Coupé und Cabrio alle gängigen Karosserievarianten darstellen lassen, bauen bereits diverse Peugeot-, Citroën-, DS- und Opel-Baureihen (Crossland und Grandland X sowie jetzt Combo) auf. So basiert der 2017 eingeführte Crossland X auf der für Kleinwagen und Kompaktklasse (B- und C-Segment) entwickelten CM-Plattform (Common Modular Platform), die beispielsweise drei verschiedene Radstände, zwei Spurweiten und drei unterschiedliche Fahrzeugheckvarianten ermöglicht. Die EMP2 (Efficiant Modular Platform), auf der bereits Grandland X und Combo stehen, wurde für Modelle ab der Kompaktklasse aufwärts entwickelt und bietet noch mehr Freiheitsgrade: vier Spurweiten, fünf Radstände, sechs verschiedene Heckmodule (etwa kurz, lang, Fünf- oder Siebensitzer) und darüber hinaus je zwei Cockpit- und Hinterachsarchitekturen (Verbund- und Mehrlenkerkonstruktion). Auf dieser Plattform dürfte auch der Nachfolger des erfolgreichen Mokka X stehen, den Opel jetzt für 2020 angekündigt hat. Er soll seinen Beitrag leisten, dass der SUV-Anteil am Opel-Gesamtabsatz von 25 Prozent auf 40 Prozent im Jahr 2021 steigt. Bislang gilt er als Kandidat für die CM-Plattform. Wie er sich damit vom ebenfalls auf der CM-Plattform stehenden Crossland differenzieren kann, ist noch nicht klar. Soll er einen ausgeprägteren SUV-Cahrakter bekommen, wäre er auch mit der EMP2 denkbar, quasi als kleinerer Grandland X. Einen ersten Ausblick auf den neuen Mokka X dürfte die Studie GT X Experimental gegeben haben.

Für die Elektrifizierung besonders wichtig: Beide PSA-Plattformen ermöglichen batterieelektrische Varianten, EMP2 zudem eine Hybridisierung. Da heute keiner genau vorhersagen kann, wann die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen tatsächlich anzieht, bleibt Opel mit dieser Strategie flexibel bei der Produktion, denn Elektro- und Verbrenner-Modelle entstehen auf der gleichen Fertigungslinie. Bis 2020 will Opel neben dem weiter angebotenen Ampera-e drei weitere Baureihen elektrifizieren. Das erste von Opel selbst produzierte Elektroauto ist ab 2020 eine Variante der nächsten Corsa-Generation, die mit konventionellen Motoren 2019 debütiert. Ihre Entwicklung auf der CMP-Architektur hat schon vor der Übernahme von Opel durch PSA in 2017 begonnen.

20 bis 50 Prozent weniger Entwicklungskosten

Laut Opel macht die Plattform – Bodengruppe, Fahrwerk, Lenkung, Antrieb, Elektrik und Elektronik – rund 60 Prozent der Materialkosten aus. Dazu kommen als weitere Bestandteile modular genutzte Motoren, Sitze, Rückhaltesysteme, Cockpits und Infotainment-Systeme. Damit ist die Plattform der entscheidende Faktor für eine kosteneffiziente Produktion. Hier offenbart sich für Opel großes Sparpotenzial: „Dank gemeinsam genutzter Konzernplattformen werden wir bei der Entwicklung jedes neuen Opel-Modells zwischen 20 und 50 Prozent der Entwicklungskosten einsparen“, erklärt Opel-Chef Michael Lohscheller.

Elektro-Corsa mit 450 Kilometer Reichweite

Zu den technischen Details des Elektro-Corsa macht Opel noch keine näheren Angaben, doch die anvisierten Eckdaten der e-CMP-Architektur hat PSA schon 2016 vor der Übernahme von Opel veröffentlicht. Modelle auf dieser Basis nutzen einen 85 kW starken E-Motor; die zwischen den Achsen platzierten Lithium-Ionen-Batterien wiegen rund 300 kg und warten mit einer Kapazität von 50 kWh für bis zu 450 Kilometer Reichweite auf. „Im Sommer 2019 werden die Bestellbücher für den rein elektrischen, fünfsitzigen Corsa geöffnet“, so Opel am 9. Oktober 2018. Bis Ende 2020 will Opel insgesamt vier elektrifizierte Modelle im Angebot haben,

Grandland X PHEV mit maximal 300 PS

Eines davon wird der erste elektrifizierte Opel-Modell auf EMP2-Basis sein, der Grandland X PHEV, der ebenfalls ab 2019 bestellbar sein soll. Ab Ende 2019 soll er dann in Eisenach vom selben Band laufen wie seine konventionell angetriebenen Brüder. Mehr als die benötigten sieben Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h mit elektrischem Allradantrieb gibt Opel an Angaben noch nicht preis, aber damit dürfte die Systemleistung des künftigen Grandland-Topmodells etwas geringer ausfallen als beim Schwestermodell DS 7 Crossback E-Tense. Das kommt schon im nächsten Frühjahr als Plug-in-Hybrid auf den Markt, mit 300 PS Systemleistung aus zwei E-Antrieben à 80 kW und einem 200 PS starken Benziner, Achtstufenautomatik, elektrisch angetriebener Hinterachse und einer Batterie mit 13 kWh für rund 60 Kilometer rein elektrischer Reichweite.

Neben BEV und PHEV hat Opel jedoch auch kostengünstigere Mildhybrid-Varianten in der Entwicklung. Dabei setzt der PSA-Konzern auf ein neues elektronisches Doppelkupplungsgetriebe mit integriertem 48-Volt-Elektromotor von Punch Powertrain. Das Hybrid DT2-Getriebe zeichnet sich durch eine vergleichsweise geringe Anzahl von Komponenten aus, was eine kompakte Bauweise und geringes Gewicht ermöglicht. Dieses e-DCT soll sowohl in Pkw als auch in leichten Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen und 2022 marktreif sein.

Zukunftsprojekt Brennstoffzelle bleibt bei Opel

Und was ist mit der Brennstoffzelle? Da Opel 20 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen kann, ist die Brennstoffzellen-Entwicklung innerhalb des PSA-Konzerns künftig im Forschungs- und Entwicklungszentrum (ITEZ) von Opel in Rüsselsheim angesiedelt und soll mit Hochdruck vorangetrieben werden. Insgesamt sind 15 sogenannte Kompetenz-Zentren im ITEZ untergebracht, in denen Opel seine klassischen Stärken einbringen kann, darunter etwa die Entwicklung von Sitzen, manuellen Schaltgetrieben oder Testautomatisierung.

Neue Benziner von Opel kommen 2022

Außerdem liegt bei den Opel-Ingenieuren die Verantwortung für die Entwicklung leichter Nutzfahrzeuge, die auf einer neuen, speziellen LCV-Plattform basieren, und einer neuen Generation von Vierzylindermotoren für alle Marken des Konzerns. Diese aufgeladenen Direkteinspritzer-Benziner mit variabler Ventilsteuerung sind für das Zusammenspiel mit Elektromotoren optimiert und kommen ebenfalls 2022 auf den Markt.

Da beim Astra zu diesem Zeitpunkt turnusmäßig nach sieben Jahren Bauzeit der nächste Modellwechsel ansteht, könnten diese Motoren zusammen mit dem Mildhybrid in der nächsten, auf EMP2 basierenden Astra-Generation ihre Opel-Premiere feiern.

Aus für Karl, Adam und Zafira

Keinen Nachfolger bekommen die Kleinwagen Adam und Karl, die nur noch bis Ende 2019 im Programm bleiben. Ob sich Opel einen neuen Mini im Verbund mit PSA und Toyota leistet, ist ungewiss. Besiegelt ist auch das Aus für den Opel Cascada, das Ende des Zafira leitet der 2020 kommende Siebensitzer-SUV ein.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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