Die schnellsten Autos der Welt: SSC Tuatara hat Topspeed-Rekord gebrochen

Shelby Supercars SSC Tuatara (2020): Die Technik des
vermeintlichen Rekordautos
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Shelby Supercars SSC Tuatara (2020): Die Technik des vermeintlichen Rekordautos

© SSC North America

Koenigsegg ist seinen Geschwindigkeits-Rekord für Serienautos los. Der SSC Tuatara hat in Nevada einen sensationellen Bestwert aufgestellt: 508,73 km/h. In der Spitze war das US-Hypercar sogar noch schneller.

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Der 4. November 2017 war ein großer Tag für Koenigsegg. Da stellte ein Agera RS auf einer Straße im US-Bundestaat Nevada einen neuen Geschwindigkeits-Rekord für Serienautos auf: 457,2 km/h bzw. 277,9 mph schaffte der 1.176 PS starke Schwede damals. In der absoluten Spitze fuhr er gar 457,9 km/h schnell. Weil beim Rekordversuch allerdings in beide Richtungen gefahren werden muss und die gemittelte Geschwindigkeit gewertet wird, liegt das offizielle Tempo etwas niedriger. Außerdem muss die Rekordfahrt auf Straßenreifen, mit regulär erhältlichem Kraftstoff und auf öffentlichen Straßen absolviert werden.

Nun offiziell: SSC Tuatara fährt 509 km/h

Bereits am 10. Oktober 2020 war dieselbe Straße wie einst bei Koenigsegg Schauplatz der nächsten Rekordfahrt, diesmal unternommen von Shelby Supercars (SSC). Unter großem Aufwand und starken Sicherheitsvorkehrungen fuhr das Modell Tuatara ( hier lesen Sie mehr zu diesem Auto) schneller als der Koenigsegg, und zwar deutlich. Wie SSC erst jetzt bekanntgab, erreichte Fahrer Oliver Webb mit dem Tuatara einen Rekord von 316,11 mph (508,73 km/h). Dies ist der offizielle Wert; in der Spitze war Web sogar 331,15 mph (532,93 km/h) schnell. Und schon bei seinem ersten Versuch schaffte er 301,07 mph (484,53 km/h), was nicht nur bereits den neuen Rekord bedeutet hätte, sondern auch den Durchbruch durch die magische 300-mph-Barriere.

Der Motor des SSC Tuatara, ein Twin-Turbo-V8 mit 5,9 Litern Hubraum, leistet 1.774 PS. Zumindest dann, wenn er mit E85-Ethanol-Kraftstoff gefüttert wird. Das Hypercar soll zudem sehr leicht (1.247 Kilogramm) und aerodynamisch effizient (cW-Wert von 0,28) sein. Dem Fahrer zufolge war da sogar noch mehr drin: "Unter besseren Bedingungen hätten wir noch schneller fahren können", sagte Oliver Webb nach der Rekordfahrt. Tatsächlich sah er recht entspannt aus, als er die 331-mph-Marke passierte. Zuvor habe der Tuatara allein innerhalb der letzten fünf Sekunden um fast 20 mph beschleunigt. Allerdings hinderte der Seitenwind Webb daran, das Limit des Autos vollständig auszunutzen.

Der Bugatti Chiron hat schon 300 mph geschafft

Doch das US-Hypercar ist nicht der erste Sportwagen, dem das 300-mph-Kunststück gelingt. Im Herbst 2019 fuhr Bugatti-Testfahrer Andy Wallace auf Volkswagens Teststrecke in Ehra-Lessien in einem modifizierten ChironBugatti spricht von einem "seriennahen Prototypen" – 304,773 mph schnell. Bedeutet nach metrischem System: 490,5 km/h. "Wir sind überglücklich, als erster Hersteller überhaupt die Geschwindigkeit von mehr als 300 Meilen pro Stunde erreicht zu haben", sagt Bugatti-Chef Stephan Winkelmann.

Der Chiron wiederum war auch nicht das allererste Auto, das schneller als 300 mph fuhr. Das gelang im März dem Tuner M2K Motorsports, der mit einem aufgemotzten 2006er Ford GT 300,4 mph (483,4 km/h) erreichte, kurz bevor der Fahrer dessen Bremsfallschirm auslöste. Wie viel Leistung man dafür braucht? Schwer zu sagen. M2K Motorsports weiß selbst nicht genau, wie viel Power der ursprüngliche, wenn auch heftig getunte 5,4-Liter-V8 des Ford GT hat. Es gibt schlicht keinen Prüfstand, der für so viel Leistung ausgelegt ist. Bei früheren Messungen soll der Motor 2.063 PS erreicht haben, aktuell geht M2K Motorsports von deutlich mehr als 2.500 PS aus. Um das aus dem Ford-GT-Motor herauszuquetschen, verwenden die Texaner zwei Turbolader, die bis zu 3,1 bar Ladedruck aufbauen.

Auch Hennessey macht beim Highspeed-Wettstreit mit

Bugatti, M2K Motorsports und jetzt SSC mit seinem offiziellen Rekord sind einigen namhaften 300-mph-Jägern in die Quere gekommen. Einer von ihnen ist Hennessey. Firmenchef John Hennessey hat seinen neuen Venom F5 dazu auserkoren, die Schallmauer zu durchbrechen. Klar ist, dass für das Vorhaben schiere Motor-Power nötig ist. Im Fall des Venom F5 soll diese ein 7,6-Liter-Twinturbo-V8 gewährleisten.

Das 1.622-PS-Kraftwerk steckt nicht mehr in einem Lotus-Chassis, wie sie ältere Venom-Generationen nutzten, sondern in einer Eigenkonstruktion. Und es soll für den 300 mph-Versuch weiter erstarken; auf dem Prüfstand brachte es wohl schon über 2.000 PS. "Wir werden diese Leitung nicht an die Kunden ausliefern. Aber wir werden so viel aus dem Motor herausholen, wie wir brauchen, um 300 mph zu erreichen", sagte der Texaner den britischen Kollegen von "Top Gear". Zudem soll der F5 windschnittiger geworden sein, schließlich strebt John Hennessey nach Höherem: "300 Meilen pro Stunde sind nur so etwas wie die Grundlinie. Das Ziel ist, so schnell zu fahren wie wir können."

Koenigsegg greift mit dem Jesko an

Koenigsegg dürfte sich das Treiben von Bugatti und den Amerikanern nicht lange tatenlos ansehen. Gründer Christian von Koenigsegg hielt den Agera RS bereits für fähig, die 300-mph-Marke zu brechen. Nun hat er den neuen Jesko zur Verfügung, der bei Simulationen bereits schnell genug fuhr. Allerdings fürchtet Koenigsegg die unkontrollierbaren Aspekte eines solchen Vorhabens, Dinge wie Wind, Tiere, Bodenwellen. "Es ist machbar, aber nicht unser vorrangiges Ziel."

Ein anderer limitierender Faktor sind die Reifen. Michelin scheint bisher als einziger Hersteller in der Lage zu sein, die passenden Gummis für derlei Geschwindigkeitsrekorde backen zu können. Aber auch die Franzosen haben so ihre Bedenken, was die 300-mph-Marke angeht. Alles steht und fällt damit, wie lange ein Auto braucht, um diesen Speed zu erreichen: "Falls das Auto zwar schnell 270 Meilen pro Stunde erreicht, aber weitere fünf Minuten bis 300 braucht, dann wird es nicht funktionieren", sagt Michelin-Produktmanager Eric Schmedding im Gespräch mit "The Drive". Das Problem: Je länger ein Reifen bei diesem Speed rotiert, desto heißer wird er. Das bedeutet extremen Stress für den Pneu – mit bislang unabsehbaren Folgen.

John Hennessey glaubt allerdings, das Reifenthema im Griff zu haben. Sein Auto sei schließlich leicht und windschlüpfig genug. Die aktuellen Rekordfahrten von Bugatti, M2K Motorsports im Ford GT und SSC haben bewiesen, dass es klappen kann. Klar ist nun allerdings auch: Dank SSC liegt die zu überspringende Latte für einen neuen Highspeed-Rekord deutlich weiter oben als zuvor.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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