E-Auto gebraucht kaufen

BMW i3, Renault Zoe Intense, Frontansicht
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BMW i3, Renault Zoe Intense, Frontansicht

© Hans-Dieter Seufert

E-Mobile aus zweiter und dritter Hand sind noch recht teuer, können aber dennoch ein lohnender Kauf sein. Die Batterie sollte besonders intensiv gecheckt werden. Weitere Hinweise und einen Muster-Kaufvertrag gibt es beim ADAC.

Zu behaupten, Gebrauchtwagenkäufer in Deutschland seien Elektroautos gegenüber skeptisch, ist eine leichte Untertreibung. Zwischen Anfang Januar und Ende April 2019 betrafen gerade einmal 3.172 von gut 2,4 Millionen Besitzumschreibungen reine Elektroautos. Das sind 0,1 Prozent. In Worten: Nullkommaeins! Das ist natürlich bis zu einem gewissen Punkt mit den Marktverhältnissen erklärbar. Ein Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos entsteht gerade erst, das Angebot ist entsprechend überschaubar. Auch hier verdeutlichen Zahlen das Problem: Deutschlands größte Internet-Autobörse Mobile.de listet aktuell (Stand: 15. Mai 2019) knapp 1,4 Millionen Gebrauchtwagen. Davon sind fast 57 Prozent Benziner, gut 40 Prozent Diesel und 0,4 Prozent (5.784) Elektroautos.

Kleines Angebot, hohe Preise

Das kleine Angebot ist ein Grund für die weiterhin recht hohen Preise für gebrauchte Elektroautos. Allerdings nicht der einzige. Auch das geringe Alter des Bestands spielt hier eine Rolle. Von mehr oder weniger obskuren Umbauten oder windigen Kabinenrollern abgesehen, stammen die ältesten E-Autos bei Mobile.de von 2009. Dabei handelt es sich um sündhaft teure Tesla Roadster. Wenig später kamen die ersten elektrischen Fiat 500, die ältesten i-MiEV und Co. stammen aus 2011. Nissan-Leaf-Exemplare sind ab Jahresende 2011 zu finden, der Renault Zoe ab Jahresbeginn 2013 und die ältesten Vertreter des BMW i3 und VW e-Up stammen aus dem Herbst 2013. Die ersten VW e-Golf folgten im Mai 2014.

Die billigsten elektrischen Mitsubishis und ihre Klone Peugeot iOn und Citroën C-Zero kosten knapp 8.000 Euro, das Gros liegt im Bereich bis 13.000 Euro. Auch die günstigsten der insgesamt 1.350 angebotenen Renault Zoes liegen in diesem Preisrahmen, wobei es sich dabei meist um Autos mit gemieteter Batterie handelt; deren Kosten kommen also noch on top. Bei den gut 800 Nissan Leaf wird es auf jeden Fall fünfstellig, wobei sich bereits viele Angebote im Bereich bis 15.000 Euro tummeln – inklusive Batterie übrigens. Die günstigsten der knapp 500 angebotenen VW e-Golf kosten etwa 18.000 Euro. Ähnlich sind die meisten BMW i3 (knapp 1.200 Inserate) eingepreist. Der kleinere VW e-up ist etwa 4.000 Euro günstiger.

Weniger Verschleißteile in E-Autos

Angebot, Nachfrage und Preis sind, neben der vielzitierten Reichweitenangst, nicht die einzigen Gründe für die Zurückhaltung der Gebrauchtwagenkäufer in Bezug auf Elektroautos. Eine ähnlich große Rolle dürfte die Skepsis gegenüber der Technik spielen. Hält sie noch eine Weile, obwohl das Auto schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat? Solche Sorgen sind – was die Standardkomponenten angeht – unbegründet. Beim Kauf eines gebrauchten E-Autos gelten prinzipiell die gleichen Regeln wie beim Erwerb eines gebrauchten Benziners oder Diesels, weiß der ADAC.

Aufgrund des hohen Anfahr-Drehmoments eines E-Mobils nutzen sich die Reifen oft schneller ab. Stoßdämpfer und Fahrwerk müssen wegen des schweren Akkus mit einem höheren Fahrzeuggewicht klarkommen und sollten deshalb genau begutachtet werden. Ähnliches gilt – vor allem für die hinteren – Bremsen. Sie rosten manchmal stärker, denn sie werden seltener genutzt, weil geübte E-Auto-Fahrer meist per Rekuperation verzögern. Wichtig ist auch, ob die Hochvolt-Leitungen intakt sind. Hat sich hier mal ein Marder ausgetobt, kann das gefährlich werden.

Die Vorteile von E-Autos: Sie besitzen im Vergleich herkömmlichen Verbrenner-Modellen weniger Verschleißteile und müssen nicht so aufwendig gewartet werden. Typische Verschleißteile wie etwa die Zündkerzen, einen Zahnriemen oder Auspuff gibt es nicht. Auch ein regelmäßiger Ölwechsel entfällt. Die Technik eines E-Motors ist im Vergleich zu der eines Verbrenners einfacher gehalten und hält daher auch länger. Trotzdem sollten Käufer eines gebrauchten Exemplar besonderes Augenmerk auf den Antrieb richten.

Das Hauptaugenmerk gilt der Batterie

Speziell dafür stellt der ADAC einen Elektroauto-spezifischen Kaufvertrag mit den wichtigsten Fragen und Hinweisen bereit. Käufer sollten demnach besonders auf den Zustand der Antriebsakkus achten, da diese nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit der Zahl der Ladezyklen altern. Proportional dazu sinkt in der Folge die Reichweite des Elektroautos. Eine Reparatur oder gar Neuanschaffung ist in der Regel sehr teuer. Helfen kann hier ein Batterietestprotokoll, das über den Zustand der Batterie informiert. Das ist auch für den Verkäufer interessant, da er sein Fahrzeug schneller zum gewünschten Preis zu verkaufen kann.

Steht das Protokoll nicht zur Verfügung, sollte Käufer unbedingt eine Probefahrt mit komplett geladenem Akku starten. „Die im Auto angezeigte Reichweite passt sich Fahrstil und Temperatur an, sodass sich nach rund 50 Kilometern Kapazität und Reichweite in der Regel gut einschätzen lassen“, erklärt Stix.

Viele Akkus halten länger als vorhergesagt und sind auch nach ein paar Jahren noch für Reichweiten ähnlich jener des Neuwagens gut. Laut TÜV Süd stehen bei vielen Akkus selbst nach 200.000 Kilometern noch 80 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität zur Verfügung. Die Gesamthaltbarkeit dürfte bei 15 bis 20 Jahren liegen. Hinzu kommt die oft üppige Garantie auf den Energiespeicher: Üblich sind zwischen fünf und acht Jahre oder 100.000 bis 160.000 Kilometer – je nachdem, was zuerst eintritt. „ Bis zu diesem Zeitpunkt wird beispielsweise eine Kapazität von 70 Prozent des Akkus garantiert“, sagt Thomas Stix, beim ÖAMTC Experte für gebrauchte Elektroautos.

Bei manchen E-Autos ist die Antriebsbatterie gemietet und kann daher nicht mitverkauft werden. Das sollte vor dem Verkauf natürlich klar kommuniziert werden. Bei einem E-Auto mit Mietakku ist die Leistungsfähigkeit der Batterie meist garantiert, Mängel oder Defekte gehen also zu Lasten des Vermieters. Käufer solcher Autos sollten aber klären, zu welchen Konditionen die Übernahme oder ein Neuabschluss des Mietvertrages möglich ist.

Autos mit Wärmepumpe bevorzugen

Grundsätzlich ist das jüngere Auto meist zwar der teurere, aber risikoärmere Kauf: Modernere Akkus bieten mehr Reichweite und halten länger, die Motoren sind leistungsstärker, der Komfort ist oft höher. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Klimatisierung über eine Wärmepumpe funktioniert. Ist dies der Fall, verbraucht das weniger Energie und steigert die Reichweite. Auch die Ladeleistung ist ein entscheidendes Kriterium. Bietet das Wunschauto eine Schnelllademöglichkeit? Bei neueren E-Autos gab es die meist serienmäßig, bei älteren oft nur optional.

Und wie sieht die Perspektive für den Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos aus? Aktuell verlieren Elektroautos im Schnitt in den ersten fünf Jahren etwas weniger an Wert als vergleichbare Benziner. Dabei dürfte es allerdings nicht bleiben. „Sobald neue, billigere E-Modelle mit größerer Reichweite auf den Markt kommen, wird es definitiv das eine oder andere Schnäppchen geben“, sagt ÖAMTC-Experte Stix.

Passt das Wunschauto zum eigenen Mobilitätsverhalten?

Doch die wichtigsten Überlegungen sollte jemand, der sich ein gebrauchtes Elektroauto kaufen möchte, bereits vor der Suche anstellen. Zum Beispiel, wie das eigene Mobilitätsverhalten aussieht und ob das gewünschte E-Fahrzeug dem überhaupt entspricht. Welchen genauen Zweck soll es erfüllen? Wie groß muss die Reichweite sein? Hinzu kommen infrastrukturelle Aspekte: Gibt es in der Gegend, in der ich mit dem Auto unterwegs sein möchte, genügend Lademöglichkeiten? Trifft das auf mein Zuhause zu? Oder auf meinen Arbeitsplatz, wenn ich damit zur Arbeit pendle? Welche Unterhaltskosten kommen auf mich zu? Also all das, worüber sich auch die Käufer eines neuen Elektroautos Gedanken machen müssen.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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