Kult-Roadster: Das ist der neue BMW Z4

BMW Z4 (G29) Predrive Miramas
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BMW Z4 (G29) Predrive Miramas

© Bernhard Limberger
04.06.2018 - 00:05 Uhr von Patrick Lang

Zu schwer, zu schwammig, zu undefiniert – der BMW Z4 hat schon viele Backpfeifen kassiert. Kein Wunder, wollen die Münchener mit der kommenden Generation des Roadsters alles anders machen. Alles.

Schon gleich die Bezeichnung Roadster ist eigentlich falsch. Der Neue sei ein offener Sportwagen, sagen sie bei BMW. Die endlose Haube ist Geschichte, der Radstand wurde auf 2.470 Millimeter verkürzt und der Fahrer mehr ins Zentrum von Auto und Geschehen gerückt. Insgesamt ist der Z4 sieben Zentimeter breiter (1.861 mm) und acht Zentimeter länger (4.321 mm) geraten als der Vorgänger E89. Bis auf wenige Teile handelt es sich beim G29 um eine komplette Neukonstruktion. Der aufgeladene Reihensechser ist freilich bekannt. Dem M3/M4 entlehnt sind Vorderachskinematik, 19-Zoll Räder mit Mischbereifung (Michelin Pilot Super Sport) und das aktive Differenzial. Doch dazu später mehr.

Fahrmodus mit Kurven-Gier

Im Herbst feiert der neue Z4 offiziell seine Premiere, den aktuellen Entwicklungsstand dürfen wir schon jetzt über den Handlingkurs auf dem Testgelände in Miramas feuern. Ein rostroter M240i und ein mausgrauer M2 warten dort auf ihren Einsatz als Referenzfahrzeuge. „Den Vorgänger haben wir uns bei der Entwicklung gar nicht angeschaut. Fahrdynamischer Ausgangspunkt war der M235i“, erzählt Jos Van As, Leiter der Fahrdynamik-Applikation. Nicht weniger als einen Quantensprung verspricht man uns. Leichter sei er geworden und den Schwerpunkt habe man gesenkt. Türen und Motorhaube sind aus Aluminium, der Heckdeckel aus Kunststoff. So soll das Sechszylinder-Topmodell Z4 M40i rund 1.500 Kilo auf die Waage bringen. Die Abstimmung von Sperre, Dämpfern und Lenkung findet nicht mehr in unterschiedlichen Abteilungen statt, sondern liegt in der Hand eines Experten-Teams. Das sprichwörtliche Puzzle ist schließlich mehr als die Summe seiner Teile. Am Ende muss das Gesamtbild stimmen und beim G29 entstehen derer sogar zwei. Doch auch dazu später mehr.

Zunächst geht es im M240i auf die Strecke, der erst im direkten Vergleich zum M2 wirkt wie eine aufgeweichte Schiffschaukel. Wo aber steht da jetzt der Z4? Wir ordnen mal ein: Er will keiner von beiden sein, sondern sportlich präziser als der 240i und komfortabler als der kleine M. Wer also einen humorvollen Quertreiber in den Kampf zwischen Haft- und Gleitreibung schicken möchte, wird sich eher den M2 in die Garage stellen. Der Z4 dagegen klebt auf der Linie, statt sich drumherum zu vergnügen. Leuchtet im Display der Schriftzug „Sport Plus“ sorgt die Sperre dafür, dass das Heck sanft drängelt und sich der Stoffmützchen-Träger gierig in die Biegungen dreht. Selbst wenn man am Ende der Kurven-Gaudi zeitig wieder auf dem Gas steht, wird nicht ins fahrdynamische Aus untersteuert. Stattdessen drängelt der Hintern einfach weiter. Haftungsabriss? Fehlanzeige. Der Z4 verbeißt sich im Asphalt wie ein dickes Kind in Kaubonbons. Losgelassen wird erst mit Hilfe grober Pedalerie-Provokation.

Das ist, als würde man Räuber und Gendarm spielen, dem Bösewicht aber immer einen Schritt Vorsprung geben, um der Jagd die Spannung zu lassen. Vorausgesetzt das DSC befindet sich in einer Zwangspause und lässt mehr Spielraum in Richtung Grenzbereich zu. Um nochmal kurz auf das genannte Sperrdifferential zurückzukommen: Erstens zeigt sich hier, was für ein Spaßbringer das Bauteil ist. Zweitens sollten alle, die einen kleinen Z4 bestellen, diese Option im Katalog ankreuzen, weil sie nur im M40i Serie ist. So bleibt dann das fröhliche Treiben auf der Strecke allzeit sicher und beherrschbar. Das liegt auch nicht unwesentlich an der tapfer durchhaltenden Stahl-Sportbremsanlage, die selbst nach mehreren Runden nicht verweichlicht.

Das zweite Gesicht des Z4

Apropos weich: Klassischer konstruktionsbedingter Nachteil bei fehlenden Dächern ist ja die reduzierte Karosserie-Steifigkeit. Dem begegnet BMW mit etlichen Streben und einer Vorderachsanbindung über vier statt drei Punkte, wie bei den echten M-Modellen. Ein messbarer Verlust an Steifigkeit bleibt zwar übrig, erlebbar ist der allerdings nicht. Kein Knacken, kein Verwinden – der neue Z4 liegt satter auf der Straße als je zuvor. Und da kommen wir zum zweiten zuvor erwähnten Puzzle-Gesamtbild.

So performant er sich auf dem Rundkurs gibt, so leger flaniert er auch über Landstraßen mit unterdurchschnittlicher Asphalt-Güte. Dabei fühlt er sich – und auch das sieht man nicht so oft – weder schneller noch langsamer an, als er tatsächlich ist. Ein Auto, das im Hier und Jetzt wirkt, besonders wenn Auspuff-Klappe und Verdeck geöffnet sind. Im Komfort-Modus trifft das adaptive Fahrwerk genau den richtigen Ton, der wie geplant zwischen M240i und M2 liegt. Die Dämpfer verhindern erfolgreich sowohl nerviges Nachschwingen, als auch grobes Druchschlagen. Individualisten dürfen sich die Lenkung gerne in den Sport-Modus konfigurieren, der über ein gesteigertes Handmoment zu besserer Dosierbarkeit führt. Um die Turbo-Gedenk-Zehntel zu kaschieren empfiehlt sich für den Antrieb der Sport Plus-Modus. Steht die Nadel knapp unter 3.000 Umdrehungen sind ohnehin jegliche Turbolöcher zugeschüttet.

Wo wir gerade beim Vortrieb sind: Auch hier zeigt sich wieder die Einordnung des Z4, der weniger biestig als der M2, aber flotter als der M240i antritt. Technische Daten zur Leistung verrät BMW noch nicht, aber wenn wir jetzt in den Bereich um 350 PS spekulieren, dürfte das von der Wahrheit nicht allzu weit entfernt sein. Interessant für das Fahrerlebnis auf engen Straßen ist außerdem, dass sich der offene Bayer trotz Breiten-Zuwachs erstaunlich kompakt anfühlt. Da bringt einen auch ein entgegenkommender Lkw nicht in Bedrängnis. So kann man sich ganz entspannt den Reihensechser um die Ohren wehen lassen, der seine Klaviatur von Moll bis Dur zu spielen weiß. Wer es dezenter mag, schließt innerhalb von zehn Sekunden das mehrlagige Stoffverdeck und genießt die Ruhe nach dem Sturm. Sollten längere Wege nicht ausschließlich dem Fahrvergnügen dienen, passen in den Kofferraum auch bei offenem Dach bis zu 265 Liter Gepäck. Peter Langen, bei BMW Leiter der Fahrwerksentwicklung formuliert es so: „Heutzutage darf ein moderner Sportwagen im Alltag keine Verzichtserklärung mehr bedeuten.“ Und Junge, ist den Ingenieuren hier eine Spreizung gelungen. Da können sich die Konkurrenten aus Zuffenhausen und Ingolstadt warm anziehen. Selbst bei geschlossenem Dach.

Studie aus Pebble Beach

Auf dem Concours d’Elegance in Pebble Beach 2017 gaben die Bayern bereits einen Ausblick auf den neuen Roadster und BMW-Designchef Adrian van Hooydonk versprach: „Der neue BMW Z4 soll wieder eine echte Fahrmaschine werden.“

Der neue Z4 als Erlkönig zeigt an der Front die bekannte Shark Nose und die breite aber recht flache Niere. Die Scheinwerfer reichen weit in die Kotflügel hinein. Die Motorhaube fällt lang aus, die Überhänge sind kurz und knackig. Das geschlossene Verdeck bildet eine breite C-Säule und wird geöffnet bündig zur Heckklappe aufliegen. Auf dem Hintern thront ein Spoilerbürzel, wie die Scheinwerfer ragen auch die schmalen Leuchten tief in die Kotflügel hinein. Im Vergleich zur Studie fallen Frontschürze sowie Motorhaube weniger expressiv aus. Die deutlich größeren Außenspiegel sind im Scheibendreieck befestigt. Wie beim Conceptcar zeigen sich die Seiten mit einigen starken Sicken, diese werden in der Serie nicht ganz so stark ausgeprägt sein. Bis auf ein paar kleinere Konzessionen beim Heckdesign scheint die Studie hier weitgehend seriennah gewesen zu sein.

Zwar erlauben uns die Erlkönig-Bilder keinen Einblick ins Cockpit. Allerdings dürfte hier der Armaturenträger dem Fahrer zugeneigt sein. In wie weit der freistehende Bildschirm und die volldigitalen Anzeigen ebenfalls in Serie kommen werden, ist unbekannt.

Technik aus dem BMW-Regal

Die Roadster mit den Stofffaltdach wird sich in Sachen Technik aus dem BMW-Regal bedienen – der Z4 erhält die Achsen des aktuellen BMW M3 und soll dank Leichtbau-Materialien nur rund 1.500 Kilo auf die Waage bringen. Auch einen klassischen Reihensechszylinder wird es im Z4 M40i wieder geben. Hier kommt der bekannte 3,0-Turbo-Benziner (B58) mit gut 360 PS zum Einsatz. Auch ein neuer aufgeladener Zweiliter (B48) mit 252 PS ist im BMW Z4 sDrive30i vorgesehen. Basismotor wird im S20i ein weiterer Vierzylinder mit 184 PS. Beide Vierzylinder können mit Handschaltung und Automatik kombiniert werden. Eine reine M-Version ist noch nicht bestätigt, aber zu erwarten.

In die Kooperation mit Toyota bringt BMW Motoren und die Plattform ein. Im Gegensatz zum Z4 wird der Toyota, der vermutlich den legendären Namen Supra tragen wird, ein echtes Coupé mit festem Dach. Für den ebenfalls rein heckgetriebenen Toyota Supra steht als Antrieb aber kein Hybrid-System zur Verfügung, wie es immer kolportiert wurde. Die Modifikationen für die Plattform wäre schlicht zu teuer. Stattdessen kommen die gleichen Motoren wie im Z4 zum Einsatz. Im Toyota werden diese allerdings ausschließlich mit einem Automatikgetriebe kombiniert.

Gebaut werden soll der neue BMW Z4 bei Auftragsfertiger Magna-Steyr in Graz. Auch die Toyota-Version soll dort von den Bändern rollen.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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