Fahrbericht Porsche 911 GT2 RS Clubsport

Porsche 911 GT2 RS Clubsport
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Porsche 911 GT2 RS Clubsport

© Porsche

Viel furchteinflößender kann ein Rennwagen kaum auftreten, zumindest nicht morgens um 10 Uhr, auf einer Strecke, die du nur aus der Theorie kennst. Und jetzt mit dem 700 PS starken, auf 200 Exemplare limitierten Porsche 911 GT2 RS Clubsport bewältigen sollst.

Kaninchenstreichler, Brezel-Entsalzer, Wind-of-Change-Mitpfeifer – egal, alles egal. Nennt mich, wie ihr wollt. Aber Danke, Porsche Motorsport, dass ihr dem 911 GT2 RS Clubsport eine Klimaanlage mitgegeben habt. Brauche ich jetzt. Was nicht unbedingt etwas mit den Temperaturen am Lausitzring zu tun hat, obwohl die an diesem Vormittag immerhin schon über die 20 Grad-Grenze kletterten.

Dass der Rennwagen in schwarz getaucht in der Box parkt? Mag den leergeräumten Innenraum vielleicht zusätzlich wärmen, doch es ist die Optik, die den Transpirator in mir weckt. Und dazu das Wissen um jene 700 PS, die das aufgeladene 3,8-Liter-Aggregat im Heck unter dem intergalaktischen Flügel so leistet. Nicht mehr als beim Serien-GT2? Richtig. Aber eben auch: Noch steiferes Fahrwerk, noch breitere, klebrigere Reifen (weil Slicks). Und eine mir einigermaßen unbekannte Rennstrecke.

Ab auf die Strecke mit dem Tier!

Hätte gerne mit dem 718 Cayman GT4 Clubsport angefangen, aufwärmen, die Strecke kennenlernen. Porsches Zeitplan diktiert mir aber das große Fluggerät unter den Hintern. Na bitte. Da rolle ich also im Tempo-Begrenzer brav aus der Boxengasse, zweiter von sieben Gängen des Doppelkupplungsgetriebes. Ende der Boxengasse. Den kleinen roten Knopf rechts oben am Kohlefaser-Lenkradfragment gedrückt, der Sechszylinder plustert sich pfeifend und schnaufend auf, die Drehzahl schießt nach oben, der Elfer nach vorn, die Weltordnung bleibt also bestehen. Schön. Beruhigt aber nur bedingt.

Na, dann rollen wir uns mal warm, wir beide. Die Elektronik bleibt an, sie wird es am Ende des Durchgangs immer noch sein. Das ABS ließe sich noch verstellen, doch Stufe vier passe schon, schwäbelte mir der Porsche-Werksfahrer Wolf Henzler vorhin noch zu. Er verstand meine Aufregung sowieso nicht. „Ach, da kommst du schnell mit klar. Unsere Kunden wollen damit ja auch in erster Linie Spaß haben“. Na dann. Dieser Elfer passt in kein Motorsport-Segment, er richtet sich an Menschen, die Freude an solchen Tieren haben, sich gelegentlich mal mit ihren Kumpels eine Rennstrecke mieten – und ab dafür. Glückliche Menschen. Ich werde auch einer sein, aber eben anders glücklich.

Das steht dann fest, als ich den Porsche 911 GT2 RS Clubsport aus dieser verflixt engen Linkskurve über die mitten in den Scheitel geknetete Bodenwelle auf die Gerade herausdonnerbolze, ohne mehrere Pirouetten zu drehen. Vor derart viel Leistung kapituliert auch mal der beste Regel-Algorithmus, oder? Na ja – nein. Zumal die Basistraktion beim Elfer ja schon konzeptbedingt nicht die schlechteste ist.

Die Klimaanlage pustet, gut so. Sogar ein paar Polstereinlagen durfte der Schalensitz behalten, habe auch so reingepasst. Als der Einstieg mit feuerhemmender Klamotte, Helm und HANS mal absolviert war. Sah zwar dämlich aus, geriet aber effizient. Drin. Jetzt: Üben. Keinen Gedanken daran verschwenden, dass ich neben dem Regelgrad des ABS auch noch die Bremsbalance selbst verstellen könnte. Die Porsche-Buben werden das schon alles richtig gemacht haben. Komme gut mit dem Bremspedal klar, verschiebe den einen oder anderen Bremspunkt schon mal nach hinten. Schaffe es nur nicht so recht, Tempo mit in die Kurve zu nehmen. Da geht sicher mehr, versuche es hier und da mal, unter anderem in der sich öffnenden Linkskurve kurz vor der Ausfahrt in die Box. Geht. Gebe Gas, merke dann, wie der Elfer leicht über die Vorderräder rutscht. Ein Anflug von Leistungsuntersteuern. Auch okay. Besser, als eines mit dem Riesenflügel übergebraten zu bekommen.

Genau davor fürchte ich mich, speziell in der ganz weiten Rechtskehre gegenüber von Start-Ziel, obwohl da so viel Platz ist. Ich traue dem GT2 RS irgendwie nicht. Oder besser gesagt: Mir. Dieses auf den Millimeter genau das Gas dosieren, das filigrane Tänzeln entlang der Ideallinie, ach, da hab ich es doch eher mit der Grobmotorik. Obwohl… Nein. Habe einfach zu viel Respekt mit in den GT2 genommen, der erste am Morgen und so, der Tag soll ja nicht enden, bevor er richtig beginnt. Dabei bemüht sich der Porsche, mir Vertrauen zu schenken, lässt seine Elektronik spielen, hilft mir so, zu forsche Lenkwinkel zu korrigieren, lässt mich auch mal bewusst stumpf aufs Gas treten.

Geschwindigkeitsniveau jenseits des Bösen

Dann ist da hinten mal wieder die Hölle los, zumindest dann, wenn mich die Elektronik wieder lässt, was selbst mir manchmal zu lange dauert. Wüte mit dem Monster-Renner die Monster-Tribüne des Lausitzrings entlang, gegen die selbst die Bauten in Le Mans niedlich wirken. Seltsamerweise fehlt mir vor der ersten Kurve jeglicher Respekt, werfe den GT2 spät auf der Bremse ganz tapfer in die Links, vielleicht wegen des Publikums. Wolf wird später sagen, dass er meinen Bremspunkt mutig fand. Er hat’s nicht abschätzig gemeint. Glaube ich.

Bremsen klappt jedenfalls hervorragend. Die Anlage mit Aluminium-Monoblock-Sechskolben-Sätteln und 380 mm-Scheiben an der Vorderachse und mein linker Fuß tranken schon beim ersten Bremspunkt Brüderschaft. Sind jetzt dicke Kumpels, die beiden. Was mit dem rechten Fuß und den 700 PS ist? Eigentlich auch alles gut. Nicht nur eigentlich, denn die Leistung lässt sich fein dosieren, das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe liefert schnell die passende Übersetzung. Ja, du könntest es sogar sich selbst überlassen, wirklich.

Das Geschwindigkeitsniveau jedenfalls liegt meist jenseits des Bösen, lässt sich vom Guten aus schon längst nicht mehr erkennen. Mag in diesem Kontext seltsam klingen, doch der GT2 RS Clubsport zählt eher zu den Gutmütigen. Echte Profis würden ihm das vielleicht sogar vorwerfen. Doch die Enthusiasten, die ihn für 405.000 Euro netto kaufen sollen (und können), wollen ja damit fahren und ihn nicht permanent geradebiegen lassen müssen. Hoffe ich zumindest. Und die Klimaanlage hilft, dass der Verstand nicht ganz dahin schmilzt. Wind of Change habe ich dennoch nicht gepfiffen.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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