Fahrbericht Rolls-Royce Phantom VIII. (2018)

Rolls-Royce Phantom VIII Fahrbericht
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Rolls-Royce Phantom VIII Fahrbericht

© Rolls-Royce
03.10.2017 - 22:00 Uhr von Patrick Lang

Seit 2003 wurde die siebte Generation des Luxus-Modells Rolls-Royce Phantom gebaut. Zeit für eine neue Ära im automobilen Königshaus. Wir sind das neue Modell gefahren, das 2018 auf den Markt kommt.

  • Fahrbericht des neuen Phantom
  • Der Phantom im Video
  • Erste Eindrücke im Innenraum

Über 5,7 Meter Länge, 2,5 Tonnen Gewicht, 570 PS, 900 Nm Drehmoment und mit ein paar Extras so rund eine halbe Million Euro teuer: Der neue Rolls-Royce Phantom flösst bereits im Stand Respekt ein. Einmal in Fahrt stellst du dann fest, auch so ein Phantom ist nur ein Auto, und zwar ein leises, ein sehr leises.

Doch der Reihe nach. Ein paar Zahlen deuten an, dass der Phantom ein sehr besonderer Rolls-Royce ist, das Spitzenmodell dieser Marke, die ja seit über hundert Jahren für sich in Anspruch nimmt, die besten, feinsten, nobelsten Autos der Welt zu bauen. Kaum mehr als 14.000 Phantom entstanden seit 1925 – in sieben Modellgenerationen, woran die jüngste natürlich den größten Anteil hat. Vom ab 1950 gebauten Phantom IV entstanden gerade mal 18 Exemplare, sie wurden fast ausschließlich an gekrönte Häupter ausgeliefert, bis auf jenes des Aga Khan und eines Exemplares, das im Werk verblieb.

Nun also die Nummer VIII, denn aus irgendwelchen Gründen werden die Phantom-Generationen mit römischen Ziffern nummeriert. Technik-Chef Pilipp Koehn und Design-Chef Giles Taylor zählen auf, was am neuen Phantom alles neu ist, die Plattform in Alu-Spaceframe-Bauweise etwa, das Laser-Fernlicht, die größeren Luftfedern, die speziell entwickelten Conti-Reifen mit Schaumeinlage oder der neue, weich und harmonisch in die Fahrzeugfront eingefügte Grill.

Dachhimmel mit 1.000 Sternen

Geblieben ist ihm das Türkonzept mit den an der C-Säule angeschlagenen Fond-Portalen, es sieht immer noch cool aus, wenn ein Türflügel aufklappt und den Blick in das opulent möblierte Passagierabteil öffnet. So verlockend der Fond auch erscheint mit den üppigen Polstern, dem Rear Seat Entertainment und den Kristallgläsern im Barfach, überwölbt von über 1.000 LEDs im Dachhimmel, der beste Platz ist, wie bei jedem Auto, jener hinter dem Lenkrad. Auf den ersten Blick wirkt alles vertraut, ähnlich wie man es von den anderen Modellen der Marke kennt, Lichtschalter und Startknopf links vom Lenkrad, Wählhebel rechts. Der hat nach wie vor nur zwei Stellungen, Vorwärts und Rückwärts, manuelle Eingriffe gelten bei Rolls-Royce als unfein. Nicht dass der Phantom die benötigte, bei Schweizer Tempo wie hier rund um den Vierwaldstätter See benötigte das 6,7-Liter-Kraftwerk wahrscheinlich überhaupt keine Gänge.

Der Zwölfzylinder bleibt weitestgehend unhörbar, und dass der neue Phantom ein unerhört leises Auto ist, zeigt er bereits beim Start. Sobald das Portal ins Schloss fällt, verschwinden die Außengeräusche ziemlich komplett. Ein vorüber dieselnder Postbus? Nur ein Grummeln und ein gelber Schatten. Die Gespräche der Kollegen in der Hoteleinfahrt? Nicht mehr zu hören. Und das, so betont Koehn, völlig ohne aktives Noise Cancelling, denn das mögen einige Kunden nicht.

Der Eindruck bleibt beim Fahren erhalten. Fahrwerksgeräusche? Nicht mehr als ein entferntes Rumpeln, wenn der Rolls über eine der vielen Baustellen-Durchfahrten auf dem Weg zum Sustenpass gleitet. Ja, gleitet, denn er holpert selbst hier nicht. Der Federungskomfort ist ebenfalls eine Wucht, die voluminöseren Luftfedern und die Adaptivdämpfer bügeln die Schweizer Straßen noch glatter als sie sind. Eine neue Dimension im Fahrkomfort? Möglicherweise.

Gute Traktion und direkte Lenkung

Es benieselt die Zentralschweiz, sie faltet sich zu einer Aufeinanderfolge von drei Passstraßen der 2.500er-Kategorie auf, nicht das ideale Terrain für eine 2,5-Tonnen-Luxuslimousine mit knapp über 3,5 Meter Radstand. Die 900 Nm sind praktisch ab Leerlaufdrehzahl vorhanden, meist wird nur ein Bruchteil abgerufen, der Rolls pfeilt die Pässe hoch und zieht eine lange Gischtwolke hinter sich her. Vorteil des bescheidenen Wetters: wenig Verkehr. Die Vierradlenkung hilft in den engen Kehren, die Traktion ist selbst auf Nässe sehr ordentlich und die Lenkung überraschend direkt und gefühlsintensiv. Doch auch darauf habe man Wert gelegt, verät Philipp Koehn vor der Fahrt, dass dieser Phantom fahraktiver und fahrerorientiertere werden sollte, als ein Vorgänger. Mission geglückt, denn der Rolls lässt sich recht flockig durch die Kehren lenken, er teilt es dem Fahrzeugführer rechtzeit mit, wenn es ihm reicht.

Auf der Autobahn zurück in Richtung Luzern fließt er im Verkehr mit, von der adaptiven Geschwindigkeitsregelung auf Tempo gehalten, so leise und geschmeidig, wie es die Musikauswahl für heute erfordert: Tom Petty And The Heartbreakers.

Fazit

Exzellenter Fahrkomfort, stilvolles Interieur, wuchtig-kultivierter Antrieb, beim Phantom passt so ziemlich alles. Positive Überraschung dabei: Das angesichts der Größe und des Gewichts agile und problemlose Fahrverhalten – da wäre es schade, immer nur das Personal ans Lenkrad zu lassen. Ob es einen Negativaspekt gab? Nur einen: Statt der alten Version hätte man schon Infotainment, Connectivity und Navigation der aktuellen Fünfer- und Siebener-Baureihen erwartet.

Der erste Eindruck

Auf einer Sonderausstellung im britischen Mayfair hat Rolls-Royce den Thronfolger in der Luxusklasse präsentiert: Die seit 2003 gebaute siebte Generation des Phantom gibt das Zepter Anfang 2018 weiter an Nummer VIII. Selbstredend muss sich unter dieser neuen Regentschaft die Frage nach der Vereinbarkeit von Tradition und Moderne gestellt werden – und die Antwort beginnt beim V12-Herzstück. Downsizing wäre wenig royal, deshalb bleibt es beim 6,75-Liter-Zwölfzylinder. Neu sind dagegen die beiden Turbolader, die für eine Leistungssteigerung von 460 auf 570 PS sorgen. Beim Drehmoment wird ebenfalls nachgelegt: Ab 1.700 Umdrehungen liegen 900 Newtonmeter an. Doch reine Leistungsdaten wirken als Beschreibung für einen Phantom profan.

Bei einem Auto im Palast-Format stellt sich auch die Frage nach der Vereinbarkeit von Größe und Eleganz. Zentrales Gestaltungselement ist nach wie vor der imposante Grill, der nun fließender in das Gesamtdesign eingebettet ist. Chromstreben ziehen sich von den oberen Ecken über die Motorhaube und umfassen die Windschutzscheibe. Weitere Streben schwingen über den unteren Lufteinlass zu den Seiten weg. Zusammen mit den Laser-Scheinwerfern entsteht unverkennbar ein Rolls-Royce-Gesicht, das sehr feinfühlig zeitgenössische Züge angenommen hat. Der Grill wurde dezent in die Länge gezogen, sodass sich die „Spirit of Ecstasy“ mehr als einen Zentimeter höher in den Fahrtwind reckt. Am unteren Ende befinden sich eindrucksvolle 22-Zöller. Um die Aluminium-Spaceframe-Architektur spannt sich eine Hülle, die das Heck nun deutlich weicher erscheinen lässt. Die Dachlinie der langen Limousine fällt beinahe so fließend ab, wie die eines Coupés.

Das geleitet uns in den Innenraum, präzise: in den Fond, die angestammte Heimat des Phantom-Kunden. Auch dort übersetzen die cleanen Oberflächen und die frische Linienführung den Luxusgedanken gekonnt in eine moderne Anmutung. Sobald die Tür sanft ins Schloss gleitet, fühlt man sich von der Außenwelt wie abgekapselt. Die opulenten Sitze und der mit Teppich ausgekleidete Fahrzeugboden dämpfen jegliches Störgeräusch. Insgesamt wurden rund 130 Kilo an Dämmmaterial verbaut, sodass auch der Motor bei 100 km/h innen 10 Prozent leiser sein soll, als noch beim Vorgänger. Per Knopfdruck geben die Holzverkleideten Rückseiten der Vordersitze Bildschirm oder Klapptische preis. So lange sie nicht gebraucht wird, soll die Technologie im Innenraum unsichtbar bleiben. Zur Steuerung der Funktionen dient eine Kontrolleinheit in der Mittelarmlehne, welche übrigens wie die Sitze oder die Armlehnen an den Türen beheizbar ist.

Echte Kunstgalerie im Phantom

Doch auch als Fahrer zieht man kein schlechtes Los. Die Instrumente erstrahlen in digitalisiertem hellblau und sind damit im inaktiven Zustand ebenfalls nicht sichtbar. Die Bedieneinheit mit touchfähigem Dreh-Drück-Regler lässt sich in die vordere Mittelarmlehne klappen. Der 12,3-Zoll-LED-Bildschirm überzeugt mit einer klaren reduzierten Darstellung und hoher Reaktionsschnelligkeit. Mit Hilfe des Displays werden all die aktuellen Assistenzsysteme bedient, die sich natürlich ebenfalls im Phantom befinden. Das wahre Highlight an den komplett hinter einer Glasfront angebrachten Armaturen residiert allerdings auf der Beifahrerseite. Die Damen und Herren von Rolls-Royce wissen natürlich, dass viele ihrer Kunden große Kunstfreunde sind. Daher bietet der Luxus-Hersteller die Möglichkeit rechts der analogen Uhr, in der sogenannten Gallery, ein Kunstwerk unterzubringen. Wahlweise kann das ein Ölgemälde sein, aber auch Rosen aus Porzellan oder ein abstraktes Werk aus Seide sind kein Problem. Einige Entwürfe gibt es bereits ab Werk, wer ein echtes Unikat möchte, kann Rolls-Royce auch beauftragen mit seinem Lieblingskünstler oder-Designer etwas Passendes zu entwerfen.

Bei aller Materialgüte, Individualisierung und Technologie bleibt am Ende eigentlich noch eine Frage und das wäre die nach der Vereinbarkeit von Kontostand und Fahrzeugerwerb. Die Langversion schmückt ab 450.000 Euro die Kies-Auffahrt, für das Modell mit kurzem Radstand sind „nur“ mindestens 375.000 Euro fällig. Was Sie dafür bekommen, können Sie sich in unserer Bildergalerie jetzt ganz genau anschauen.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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