Ford Focus Turnier (2018)

Der Turnier spielt bei den deutschen Ford-Focus-Käufern klar die
erste Geige. Damit das so bleibt, legt die neue Modellgeneration in
vielen Bereichen kräftig zu. Wir sind den kompakten Kombi schon
gefahren.
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Der Turnier spielt bei den deutschen Ford-Focus-Käufern klar die erste Geige. Damit das so bleibt, legt die neue Modellgeneration in vielen Bereichen kräftig zu. Wir sind den kompakten Kombi schon gefahren.

© Ford
09.11.2018 - 13:31 Uhr von Peter Wolkenstein

Der Turnier spielt bei den deutschen Ford-Focus-Käufern klar die erste Geige. Damit das so bleibt, legt die neue Modellgeneration in vielen Bereichen kräftig zu. Wir sind den kompakten Kombi schon gefahren.

Mit dem neuen Focus hat sich Ford viel vorgenommen – und nicht zu viel versprochen, wie der Sieg beim ersten Vergleichstest der Limousine zeigt. Doch gerade auf dem deutschen Markt spielt der Kombi mit 75 Prozent Anteil an den Neuzulassungen die weitaus wichtigere Rolle, nirgendwo sonst in Europa greifen Focus-Käufer so häufig zum Turnier. Das dürfte auch künftig so bleiben, denn der neue Turnier legt kräftig zu. Er bietet nicht nur mehr Innen- und Gepäckraum, sondern auch einige praktische Detaillösungen, die der Vorgänger vermissen ließ, bei Kombis in dieser Klasse aber längst zum guten Ton gehören.

Neue Kombidetails erleichtern den Umgang

Deshalb also Klappe auf, und zwar die am Heck. Sie schwenkt nun auf Wunsch per Fußschwenk unter dem Stoßfänger ausgelöst elektrisch angetrieben nach oben, und das soweit, dass sich auch große Personen daran nicht den Kopf stoßen. Dabei gibt die Klappe eine breite Öffnung samt niedriger Ladekante frei. Die hinteren Radhäuser ragen seitlich nur minimal ins Gepäckabteil.

Das Rollo zur Laderaumabdeckung ist seitlich nicht geführt und lässt sich nur komplett herausziehen und einhängen. Dafür kann die Rollokassette über eine Zugschlaufe an der rechten Seite bequem entriegelt und entnommen werden, anschließend findet sie nun auch im Focus Platz unter dem auffaltbaren Ladeboden. Umgekehrt vollzieht sich der Einbau hinter den Rücksitzen – sonst eine häufig fummelige und fingerklemmende Prozedur – genauso einfach.

Klassenüblich hingegen: Das per Zughebel vom Heck aus Entriegeln der im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehne. Diese legen sich anschließend alleine flach auf die Rückbank, ohne das diese – wie noch beim Vorgänger – vorher gegen die Vordersitze hochgeklappt werden muss.

Deutlich größerer Laderaum als bisher

Der perfekt nutzbare Kombi also? Nicht ganz. Statt einer praktischen 40:20:40-Teilung bietet Ford als Option nur eine winzige Durchlade an. Eine flachlegbare Beifahrersitzlehne gibt es nicht, ein Sicherheitstrennnetz kostet ebenso Aufpreis (200 Euro) wie zusätzliche Aufnahmepunkte hinter den Vordersitzen (50 Euro). Erst damit lässt sich das Maximalvolumen sicher nutzen, das mit 1.653 Liter (minimal 608 Liter, jeweils mit Reifenreparaturset) deutlich größer ausfällt als beim Vorgänger (490 bis 1.516 Liter) und nun das des VW Golf Variant übertritt. Zuladung: bis zu 546 Kilogramm.

Allerdings hat der Turnier auch bei den Abmessungen zugelegt, vor allem in der Länge. Sie steigt um mehr als zehn Zentimeter auf 4,67 Meter, die Achsen stehen nun 5,2 Zentimeter weiter auseinander. Davon profitieren vor allem die Platzverhältnisse der Passagiere im Fond. Große Mitfahrer spüren nur Einschränkungen an Kopf und Füßen, wenn das Panoramadach oder der elektrisch einstellbare Fahrersitz an Bord sind.

Beim Ein- und Aussteigen in engen Lücken lernt man den schon aus dem Vorgänger bekannten, sich beim Öffnen der Türen automatisch um die Kanten legende Kunststoffschutzleiste schätzen, den es im Paket (ab 450 Euro) mit Parkassistent und Rückfahrkamera gibt. Neben diesem rein mechanisch arbeitenden Schutz stehen für den Turnier auch sehr viele elektronische Assistenzsysteme, darunter etwa den neuen Stauassistent. Hier unterscheidet sich der Turnier nicht von der Limousine.

Kraftvoller Antrieb, agiles Fahrverhalten

Das gilt ebenso für die Ausstattungslinien und Motoren. Wer will, bekommt den Ford Focus Turnier somit auch mit dem 182 PS starken 1,5-Liter-Benziner als luxuriösen Vignale oder sportlichen ST-Line. Hierbei schiebt den Turnier ein drehfreudiger Dreizylinder mit Zylinderabschaltung kraftvoll voran, wobei das Zu- und Abschalten unmerklich erfolgt.

Damit fährt der Turnier nicht nur flott gerade aus, er schwingt sich auch agil um die Kurven, dirigiert von einer nicht zu direkt ansprechenden Lenkung. Anders als die Limousine ist der Turnier grundsätzlich mit einer Mehrlenker-Hinterachse ausgerüstet, die über einen isolierten Rahmen mit der nun steiferen Karosserie verbunden ist. So reagiert der Kombi selbst als straffer ST-Line gelassen auf brüchige Asphaltdecken. Eine adaptive Dämpferregelung wie für die Limousine steht für den Turnier jedoch nicht zur Wahl. Dafür können sich Gespannfahrer – der Focus darf bis zu 1.800 kg ziehen – nur beim Kombi mit einer schwenk- statt abnehmbaren Anhängekupplung trösten.

Die Preise für den Großraum-Focus starten bei 19.900 Euro, das sind 1.200 Euro mehr als für die Limousine. Nächstes Jahr folgt der Focus Turnier ebenfalls als Active im SUV-Look mit erhöhter Bodenfreiheit. Ob er auch wieder als sportlicher ST kommt, ist noch offen. Sicher hingegen: Einen rein elektrisch angetriebenen Focus wird es nicht mehr geben, dafür aber einen mit optionalen Mild-Hybrid-Antrieb. Der ist jedoch erst für 2020 vorgesehen.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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