Ford Kuga oder Ford Edge?

Fast 8.000 Euro (Testwagenpreis) und über 28 cm Außenlänge
trennen die beiden Ford-SUV Kuga und Edge. Ist der Aufpreis für das
größere Modell hier gerechtfertigt? Der deutlich kompaktere Ford
Kuga ist kaum billiger als der viel größere Edge.
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Fast 8.000 Euro (Testwagenpreis) und über 28 cm Außenlänge trennen die beiden Ford-SUV Kuga und Edge. Ist der Aufpreis für das größere Modell hier gerechtfertigt? Der deutlich kompaktere Ford Kuga ist kaum billiger als der viel größere Edge.

© Dino Eisele
16.05.2017 - 08:01 Uhr von Heinrich Lingner

Fast 8.000 Euro und über 28 cm Außenlänge trennen die beiden Ford-SUV Kuga und Edge. Ist der Aufpreis für das größere Modell hier gerechtfertigt? Der deutlich kompaktere Ford Kuga ist kaum billiger als der viel größere Edge.

Ohne Alan Mulally wären wir nicht hier, stünden jedenfalls nicht vor Ford Kuga und Edge, einem europäischen und einem amerikanischen Ford, jeweils ausgerüstet mit dem 180 PS starken Zweiliter-Turbodiesel. Mulally formulierte in seiner Zeit als oberster Ford-Chef (2006 bis 2014) die sogenannte One-Ford-Strategie, welche unter anderem beinhaltete, dass der US-Konzern im jeweiligen Marktsegment nur ein Modell für die ganze Welt anbietet. Also etwa den Kuga als Kompakt-SUV in den USA (unter dem Namen Escape) und den amerikanischen Edge als Mittelklasse-SUV in Europa.

Beide Ford-SUV trennen im Grundpreis nicht mehr als 5.650 Euro, womit wir bereits mitten im Vergleichstest sind. Denn der Unterschied liegt nicht etwa daran, dass der Edge mit Titanium-Ausstattung (47.000 Euro) sonderlich günstig wäre. Der Kuga kommt in der sogenannten Vignale-Version und ist so mindestens 41.350 Euro teuer. Warum nun die Ford-Edelversionen nicht mehr Ghia, sondern Vignale heißen, ist eines jener Rätsel, vor die wir in der Welt des Automobilmarketings immer wieder gestellt werden. Es ist ja nicht so, dass Kuga-Interessenten bei diesem Namen vorfreudig die Ohren klingelten.

Ford Kuga Vignale mit selbstbewusstem Preis

Vignale bedeutet beim Kuga neben dem hohen Preis ebenso eine sehr komplette Ausstattung, unter anderem mit Vollledersitzen, Xenon-Licht, 18-Zoll-Alus und schlüssellosem Starten. Dazu gibt es den VIP-Service mit besonderen Werkstatt-Ersatzwagen oder etwa eine monatlichen Wagenwäsche gratis. Alles schön und gut, doch ein identisch motorisierter und ebenfalls recht üppig bestückter Kuga Titanium ist mit 34.950 Euro eben deutlich günstiger.

Auch der Edge Titanium ist sehr ordentlich ausgestattet. Ihm fehlt kaum etwas wirklich Wichtiges, selbst Spurpaket und Parkassistent sind an Bord, das Navi gibt es für nur 300 Euro Aufpreis. Allein das beim Kuga Vignale serienmäßige Leder käme noch mal extra, für 1.750 Euro. Wer es übrigens gern einfacher hätte, erhält den Edge in der Basisversion Trend ab 42.900 Euro.

Ford Edge mit mehr Raum

Für den Mehrpreis bietet der Edge erst mal eine ganze Menge mehr Auto. Das mag trivial klingen und speziell im Stadtverkehr sogar hinderlich sein, prägt aber das Fahr- und Raumgefühl entscheidend. Denn die fast 30 Zentimeter mehr Länge und sieben mehr in der Breite spürt man bereits beim Platznehmen. Vorn wie hinten wirkt der Edge einfach eine Klasse luftiger, zehn Zentimeter mehr Innenbreite sind eine Welt. Dass man im kleineren Kuga nicht so angenehm verreist, liegt zudem an den kleineren und unbequemer gepolsterten Sitzen.

Mehr Gepäck können die Edge-Passagiere natürlich ebenfalls mitnehmen. Mit voller Besatzung passen 602 Liter ins Heck, mit umgeklappten Rücksitzen wächst das Volumen auf maximal 1.847 Liter. Auch da ist der Kuga eine Klasse kleiner, wenngleich er mit seinen 456 bis 1.653 Litern unter den Kompakt-SUV gar nicht mal schlecht dasteht.

Dass der Edge besser und geschmeidiger federt, ist dann schon etwas überraschender. Er verdaut große und kleine Unebenheiten viel gelassener und zeigt zudem weniger Karosseriebewegung auf schlechten Wegstrecken. Insgesamt wirkt der Kuga etwas hoppeliger, weniger souverän als der schwerere Edge. Ach ja, das Gewicht: Der US-Wagen wiegt 190 kg mehr, ohne dass er deswegen weniger dynamisch führe. Allerdings tut sich der Zweiliter-Diesel im Edge deutlich schwerer, wirkt zäher und unlustiger, wie die schlechteren Fahrleistungen bestätigen. Zudem würde man so ein Auto lieber mit Automatikgetriebe fahren, doch dazu müsste man zum stärkeren Zweiliter-TDCi mit 210 PS und dem serienmäßigen Powershift-Doppelkupplungsgetriebe für 3.500 Euro Aufpreis greifen.

Bei schneller Kurvenfahrt ist der größere SUV wegen der besseren Traktion und dem neutraleren Fahrverhalten ebenso im Vorteil. Der Kuga kämpft dann eher mit Untersteuern und schubbernden Vorderrädern. Immerhin hat er die feinere und präzisere Lenkung, während die Adaptivlenkung (490 Euro Aufpreis) des Edge nicht ganz so harmonisch wirkt. So ändern nicht einmal der höhere Durchschnittsverbrauch (rund 0,7 l/ 100 km mehr) und die teureren Unterhaltskosten etwas daran, dass der Edge hier am Ende sowohl das größere als auch das harmonischere und bessere Auto ist.

Fazit: Kein großer Vorteil für den Kleinen

Der deutlich kompaktere Ford Kuga ist kaum billiger als der viel größere Edge. Kein zehn Euro bei der Leasingrate und weniger als 20 Euro bei den monatlichen Finanzierungskosten liegen zwischen den beiden Ford-SUV. Auch die monatlichen Unterhaltskosten liegen ähnlich hoch, nur bei sehr hohen jährlichen Laufleistungen wird der Kuga deutlich günstiger, vor allem wegen des höheren Kraftstoffverbrauchs des Edge. So lohnt sich der Kuga vor allem für Vielfahrer. Alle anderen sind mit dem großen Ford zwar etwas teurer, jedoch sehr viel gediegener unterwegs.

Technische Daten:

Edge 2.0 TDCi

Leistung: 132 KW (180 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Grundpreis:45.650 €

Kuga 2.0 TDCi 4x4

Leistung: 132 KW (180 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:202 km/h
Grundpreis:41.350 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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