"Kia goes electric" Leser-Test-Drive 2017

Kia Niro PHEV, Hybrid, Kia goes electric, Lesertestdrive
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Kia Niro PHEV, Hybrid, Kia goes electric, Lesertestdrive

 © Roman Domes
16.10.2017 - 11:21 Uhr von Roman Domes

Vier Wochen lang können auto motor und sport-Leser verschiedene Electric-Modelle von Kia testen: Alexander Lehnartz fährt den Kia Niro als Plug-In-Hybrid und berichtet hier von seinen Erfahrungen – positiv wie negativ.

  • Vorstellung Kia Niro PHEV
  • Woche 1: „So wenig Verbrauch?!“
  • Woche 2: „Die Sache mit dem Ladekabel“
  • Woche 3: „Der andere Hybrid-Fahrer“

Es passt eigentlich perfekt, dass die Europa-Zentrale von Kia in Frankfurt steht. Warum? Ganz sicher nicht aufgrund der Architektur: Direkt neben den spitzen Wolkenkratzern und den Messehallen, die größer sind als so manches Flughafen-Terminal, sieht das Kia-Hochhaus fast ein bisschen verloren aus.

Vier Leser, vier Modelle, vier Wochen

Nein, es passt deshalb so gut, weil in diesen Messehallen bis vor wenigen Tagen noch die IAA 2017 stattfand, die Automesse, die zeigen sollte, wie wir in Zukunft unterwegs sein werden. Und das ist wohl elektrisch beziehungsweise mindestens teilelektrisch.

Der koreanische Autohersteller Kia bietet – wie viele große Hersteller – schon einen Teil der Produktpalette mit Elektro- beziehungsweise Hybridantrieb an: den Niro als klassischen Hybrid und Plug-In-Hybrid, den Soul als vollständig elektrisches Fahrzeug und den großen Optima SW – ebenfalls als Plug-In-Hybrid. Alle natürlich mit siebenjähriger Garantie. Vier Leser von auto motor und sport dürfen diese vier Modelle nun vier Wochen lang ausgiebig testen und mit ihnen Erfahrungen sammeln und weitergeben.

Alexander Lehnartz ist ein großer Autofan, in seinem Fuhrpark steht mehr als nur ein einziges Modell. Für den Alltag nutzt der 48-jährige Familienvater einen großen SUV, den Volvo XC90. Für's Wochenende und zum Flanieren holt er sein BMW 3er Cabrio aus der Garage. Und: Ab heute kommt noch ein weiteres Fahrzeug dazu: der Kia Niro PHEV, ein Plug-In-Hybrid.

Alexander Lehnartz fährt Niro Plug-In-Hybrid

Als Plug-In-Hybrid verfügt der Kia Niro über eine größere Batterie als der Non-Plug-In-Niro. Im Gegensatz zu diesem fasst der Akku im Plug-In-Niro 24,7 Ah (HEV: 6,5 Ah). Das ermöglicht dem Plug-In-Hybrid eine rein elektrische Reichweite von bis zu 58 Kilometern. Bei der Leistungsabgabe gleichen sich die Hybrid-Modelle: Maximal 141 PS beträgt die Systemleistung, 105 PS leistet dabei der Benzinmotor, maximal 42 kW der Permanentmagnet-Synchronmotor. Der im NEFZ ermittelte Verbrauch des Kia Niro PHEV liegt bei 1,3 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern.

Noch einen Unterschied gibt es zum klassischen Hybrid: Der Plug-In kann an eine Ladestation beziehungsweise an eine ganz normale 220-Volt-Steckdose angeschlossen werden. Bei einer Ladeleistung von 32 Ampere (nicht haushaltsübliche Ladestation) ist die Batterie in etwas mehr als zwei Stunden wieder vollgeladen, an der heimische Steckdose dauert's mindestens doppelt so lange.

Woche 1: „So wenig Sprit habe ich noch nie verbraucht!“

Wie lebt es sich in der automobilen Zukunft? Alexander Lehnartz darf das herausfinden – und zwar mit dem Kia Niro Plug-In-Hybrid. Die erste Woche beschränkt sich bei Alexander allerdings nur auf drei Tage, Auslandsfahrten sind mit dem Testobjekt leider verboten. Trotzdem: Die ersten Eindrücke überzeugen auch Volvo- und BMW-Fahrer Lehnartz. „Der Niro PHEV ist super ausgestattet und die Haptik kann sogar mit VW mithalten!“ Ein ziemlich großes Lob, denn auf dieses Thema legt VW seit Jahren großen Wert.

Seine ersten Kilometer mit dem Plug-In-Hybriden legte Alexander Lehnartz auf der Heimfahrt von Frankfurt am Main nach Lünen zurück. Erste Notiz: „Die Sitzbelüftung ist ja klasse!“ So fährt es sich gleich entspannter, egal ob Vollgas oder Stau, meint Lehnartz. Bei der Autobahnfahrt fiel ihm auch gleich das erste Manko auf: „ Vollgas und Beschleunigen ist allerdings nicht so sein Ding.“ Der Motor sei brummig, der Klang angestrengt, das Doppelkupplungsgetriebe zu hektisch.

Gemäßigtes Tempo und vorausschauendes Fahren liegen dem Niro PHEV besser. Selbst wenn die Batterie leer ist, beträgt der Verbrauch nach Aussage von Alex Lehnartz nicht mehr als 4,2 Liter – das ist schon ein guter Wert! Hat die Batterie hingegen noch Power, beeindruckt natürlich der zügige elektrische Antritt und das leise Dahingleiten. Aufladen? Kein Problem. „An der Steckdose in der Garage konnte ich in vier Stunden rund 50 Kilometer elektrische Reichweite tanken“, sagt Lehnartz.

Welche Note bekommt der kleine Niro PHEV von Alex Lehnartz? „ Eine 2 Plus hat er schon verdient!“

Die erste Woche Kia Niro PHEV in Zahlen

  • Fahrzeug: Kia Niro PHEV
  • Testzeitraum: 19.9. bis 26.9.
  • Zurückgelegte Strecke: k.A.
  • Durchschnittsverbrauch: ca. 3,5 Liter / 100 Kilometer

Woche 2: „Auch bei Vollgas ein niedriger Verbrauch?“

Eine ganz natürliche Angst hat Alexander Lehnartz in Woche 2 mit dem Kia Niro PHEV beschäftigt: „Kann ich den Ladestecker auch einstecken, wenn er im Regen nass geworden ist?“ Gute Frage! Und ja, klar, das geht. Die Ladebuchsen und das Kabel sind dagegen abgeschirmt – alles andere wäre ziemlich schlecht. Dafür hatte Alexander mit dem Ladestecker des Niro ein anderes Problem. „Ich musste schnell weg, und der Ladevorgang war noch nicht vollständig abgeschlossen!“ Bedeutet: Das Ladekabel konnte nicht einfach so abgezogen werden – bei einer voller Ladung entriegelt sich der Stecker selbstständig. Diesmal nicht. „Bis ich auf die Idee kam, dass der kleine Schalter zum Lösen des Steckers links unter dem Lenkrad sitzt..“, grämt sich Alexander Lehnartz. „Das war meine Schuld – dabei wollte ich die schon auf das Auto schieben, aber das kann ja gar nichts dafür.“

Unter Zeitdruck muss es dann schnell gehen – nicht unbedingt die Stärke des Niro PHEV. Er kann zwar flott, aber es fühlt sich, nach Angaben Herrn Lehnartz, nicht wirklich gut an. „Die beiden Motoren und das Getriebe veranstalten da ein hektisches Miteinander – so wie bei einem Orchester, dem der Dirigent abhanden gekommen ist!“ Positiv dabei: Der Bordcomputer zeigte einen Verbrauch von nur 4,6 Liter an. Ganz schön wenig für Geschwindigkeiten jenseits der 160 km/h, findet Alex Lehnartz: „Wenn das stimmt: Respekt für diese Technologie!“

Aber ein bisschen Kritik hat er am Niro PHEV noch auszusetzen, genauer gesagt: an dessen Rückfahrkamera. „Die sollte ja nachts eigentlich besonders gut funktionieren, aber das Bild war ziemlich verrauscht und dementsprechend unscharf.“ Da ist es schon manchmal praktisch, den Weg zu kennen, den man rückwärts befahren muss – zum Beispiel die eigene Hofeinfahrt.

Woche 3: „Der Lexus-Verkäufer war sauer!“

Wenn man ein Auto testet, probiert man ja alles gerne mal aus. Im Falle des Niro PHEV wäre das etwa „reines elektrisch fahren“, oder – wie es Alex Lehnartz gemacht hat: einfach fahren. Ohne den Akku an der Steckdose zu laden. „Ich bin schon zügig gefahren, wie immer in meinem hektischen Alltag“, sagt der 48-Jährige. Und klar ist: Der Verbrauch steigt. „Aber es artet nicht in hemmungslose Sauferei aus“, relativiert er die Aussage. Der Niro PHEV schaffte immerhin noch eine „6“ vor dem Komma.

Was Alex Lehnartz immer wieder freut, ist die angenehme, recht direkte und angemessen präzise Lenkung. „Auch das recht straffe, aber nie unkomfortable Fahrwerk passt dazu.“ Auch sein Volvo XC90 würde das nicht so viel besser machen. Was der aber besser macht ist das Platzangebot – klar, anderes Fahrzeugkonzept. „Wäre der Niro etwas größer und würde sieben Sitze anbieten – ich gäbe ihm die Note 1“. So reicht es „nur“ zur einer Zwei – obwohl der Preis mit knapp 38.000 Euro zwar selbstbewusst gewählt, aber mit allem drum und dran auch zu rechtfertigen ist.

Eine kleine Anekdote hat Alex Lehnartz auch noch zu erzählen – von einer Begegnung mit einem Hybrid-Fahrer, zu dessen Klasse er sich ja auch eine Zeit lang zählen darf. „Auf einem Parkplatz traf ich einen Lexus-Hybrid-Fahrer und dann hab ich einfach drauf losgeplappert“, sagt er. Problem dabei: Der Lexus-Fahrer konnte die Begeisterung nicht teilen – das merkte Lehnartz, als ihn dieser nach dem „Preis für das Ganze“ gefragt habe. „Das war leider keiner für Hybrid-Small-Talk – das war ein Lexus-Verkäufer.“ Und Alex hatte wohl das – in dessen Augen – falsche Auto gekauft. Wobei gekauft ja nicht so ganz stimmt.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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