"Kia goes electric" Leser-Test-Drive 2017

Kia goes electric, Kia Soul EV, Lesertestdrive
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Kia goes electric, Kia Soul EV, Lesertestdrive

© Roman Domes
23.10.2017 - 15:50 Uhr von Roman Domes

Vier Wochen lang können auto motor und sport-Leser verschiedene Electric-Modelle von Kia testen: Bastian Grupp darf den Kia Soul EV fahren, ein Elektroauto. Vier Wochen lang verzichteten die Grupps auf den Verbrennungsmotor. Ohne Reue?

  • Vorstellung Kia Soul EV
  • Woche 1: Das „blaue Auto“ überzeugt (fast) alle
  • Woche 2: „Wir übertreffen die NEFZ-Reichweite locker!“
  • Woche 3: „Ich fahre das Auto echt gern, aber ...“
  • Woche 4: „Der Soul EV könnte unseren letzten Verbrenner ersetzen“

Es passt eigentlich perfekt, dass die Europa-Zentrale von Kia in Frankfurt steht. Warum? Ganz sicher nicht aufgrund der Architektur: Direkt neben den spitzen Wolkenkratzern und den Messehallen, die größer sind als so manches Flughafen-Terminal, sieht das Kia-Hochhaus fast ein bisschen verloren aus.

Vier Leser, vier Modelle, vier Wochen

Nein, es passt deshalb so gut, weil in diesen Messehallen bis vor wenigen Tagen noch die IAA 2017 stattfand, die Automesse, die zeigen sollte, wie wir in Zukunft unterwegs sein werden. Und das ist wohl elektrisch beziehungsweise mindestens teilelektrisch.

Der koreanische Autohersteller Kia bietet – wie viele große Hersteller – schon einen Teil der Produktpalette mit Elektro- beziehungsweise Hybridantrieb an: den Niro als klassischen Hybrid und Plug-In-Hybrid, den Soul als vollständig elektrisches Fahrzeug und den großen Optima SW – ebenfalls als Plug-In-Hybrid. Alle natürlich mit siebenjähriger Garantie. Vier Leser von auto motor und sport dürfen diese vier Modelle nun vier Wochen lang ausgiebig testen und mit ihnen Erfahrungen sammeln und weitergeben.

Elektroautos sind für Bastian Grupp nichts neues. Der 38-jährige Architekt, der mit seiner Familie in Augsburg wohnt, hat schon einige tausend Kilometer mit einem zurückgelegt. Mit welchem? Mit einem der ersten Serien-Elektroautos: dem Citroën C-Zero, der baugleich ist mit dem Mitsubishi i-MIEV sowie dem Peugeot iOn. Für seine Frau, seine zwei Kinder und sich besitzt er außerdem einen Peugeot Partner, einen praktischen Hochdachkombi. Für die kommenden vier Wochen gesellt sich der neue Kia Soul EV dazu.

Bastian Grupp fährt elektrisch mit dem Kia Soul EV

Der Soul EV ist das einzige reine Elektrofahrzeug, das Kia momentan verkauft. Der Crossover aus Kompaktwagen und SUV bietet eine Reichweite (NEFZ) von maximal 250 Kilometern. Möglich wird das mit einer 30 kWh fassenden Lithium-Ionen-Batterie und einem reduziertem Stromverbrauch, verglichen mit dem Vorgänger. Der Elektromotor im Soul EV leistet 81 kW, was etwa 110 PS entspricht, das Drehmoment beträgt maximal 285 Nm.

Damit packt das Elektroauto den Standardspurt auf 100 km/h in 11,3 Sekunden und läuft maximal 145 km/h schnell. Und das völlig ohne Motorengeräusche. Apropos: Um Fußgänger zu schützen, emittiert der Soul EV bei Geschwindigkeiten von weniger als 20 km/h einen künstlichen Motorsound, der im Innenraum fast nicht zu hören ist.

Woche 1: „Note 2 für das 'Blaue Auto'!“

Die Autos, die zur Familie von Bastian Grupp gehören, haben wunderbar simple Namen, die ihnen allerdings nicht von den Herstellern gegeben werden, sondern von seinen Kindern. Der Citroën C-Zero heißt zum Beispiel „das weiße Auto“, der große Familienwagen, ein Peugeot Partner Tepee wird als „das Bus-Auto“ bezeichnet. Und der Neuling im Fuhrpark, wenn auch nur temporär für vier Wochen, heißt „das blaue Auto“.

Bastian Grupp hat schon einiges an Erfahrung mit Elektroautos gesammelt, weiß also, mit seinem Kia Soul EV umzugehen im Alltag. Was ihm sofort am Kia Soul EV auffiel: „Der Soul ist sehr viel leiser und bequemer als der C-Zero.“ Insgesamt zehn Mal hat er den Soul EV an der Steckdose/Wallbox/Schnelllader geladen, drei Mal war es absolut nötig. „Sonst habe ich geladen, wenn sich die Gelegenheit ergab“, sagt der 38-jährige Architekt. Um seine Ladevorgänge zu dokumentieren, hat er extra ein Fahrtenbuch angelegt.

Die ersten Ladevorgänge etwa datieren alle vom 19. September, dem Tag der Übergabe: Raststätte Hardtwald West, Raststätte Gruibingen, Raststätte Leipheim. Insgesamt kam Bastian Grupp so auf eine Ladedauer von mehr als 80 Minuten. „So eine halbe Stunde Laden kann schon entspannt sein.“ Das sieht garantiert nicht jeder so, aber Elektromobilität unterscheidet sich grundlegend vom Verbrenner – „schnell Nachtanken“ heißt momentan eben mindestens 15 Minuten warten, (auto motor und sport) lesen, Kaffee trinken.

Randnotizen? „Meine Tochter findet die Sitzheizung hinten besonders toll“, sagt Bastian Grupp. Problem an der Sache: „Sie leider nichts davon, da Sie auf einer Sitzerhöhung Platz nehmen muss!“ Und der Sohn sei ganz erpicht darauf den „Bordcomputer“ im Blickfeld zu haben.

Apropos Bordcomputer: „Der ist schon nett, jedoch völlig überfrachtet und somit für uns überflüssig. Genau wie das Navi.“ Die Bedienung sei nicht intuitiv, die Ablenkung beim Fahren zu groß. Besonders positiv aufgefallen ist Bastian Grupp der recht niedrige Stromverbrauch bei 125 km/h auf der Autobahn, die Effizienz der Sitzheizung und der ganze Luxus im Vergleich zum C-Zero.

Bastian Grupps Woche #1 in Zahlen

  • Fahrzeug: Kia Soul EV
  • Testzeitraum: 19.9. bis 25.9.
  • Zurückgelegte Strecke: 780 Kilometer
  • Durchschnittsverbrauch: 12 – 20 kWh / 100 Kilometer

Woche 2: „Wer braucht schon den Verbrenner? – Wir nicht!“

Auch Familie Grupp legte in der zweiten Woche mit dem Kia Soul EV weniger Distanz zurück. Insgesamt waren es 587 Kilometer, in der Woche, die die Heimreise aus Frankfurt mit einschließt, waren es noch 780 Kilometer. Acht Mal wurde der Kia Soul EV vollgeladen – klingt nach viel, aber das täuscht. „Oft haben wir den Soul so nebenher laden lassen“, sagt Bastian Grupp. Bedeutet: beim Einkaufen, beim nach hause kommen, und nie – wie etwa beim Verbrenner – aktiv nach einer Tankstelle zu suchen. Apropos: Familie Grupp hat seit zwei Wochen keinen klassischen Motor mehr angelassen. Als Zweitwagen fungiert der Citroën C-Zero – natürlich mit wesentlich geringerer Reichweite.

„Der Verzicht auf unseren Bus (Peugeot Partner) macht sich fast gar nicht bemerkbar.“, heißt es. Fast nicht? „Ja, das Platzangebot im Soul EV ist eben doch nicht das Gleiche“, sagt Bastian Grupp. Das ist auch der Grund, warum der Soul EV nicht in Frage käme, würde sich die Familie ein neues Auto anschaffen. „Zu wenig Platz für ein großes Auto, und zu viel Platz für ein kleines Auto.“ Beispiel gefällig? Um zwei Fahrräder unterzubringen, musste man ein bisschen Tetris im Gepäckabteil und der zweiten Sitzreihe spielen.

Auch im Alltagsleben macht sich der Verzicht auf den Verbrenner bemerkbar – an der Reaktion des Umfelds. „Ist dir auf dem Weg ins Büro der Strom ausgegangen?“, fragte Bastian Rupps Kollegen, als er einmal später ins Büro kam. Sehr originell.

Eine Fahrt nach Nürnberg (einfache Strecke: 140 Kilometer) war absolut unproblematisch. Auf dem Rückweg musste Bastian Rupp allerdings eine kostenpflichtige Ladestation ansteuern – ja, noch sind viele der Elektro-Tankstellen kostenlos, aber auch das wird sich mit der Zeit ändern. Gut, dass der Soul EV manchmal auch weiter kommt, als der NEFZ suggeriert. „Meine Frau und ich haben beide schon ein paar Mal die 250 Kilometer Reichweite übertroffen.“

Woche 2 mit dem Kia Soul EV in Zahlen

  • Testzeitraum: 26.9. bis 3.10.2017
  • Zurückgelegte Strecke: 578 Kilometer
  • Durchschnittsverbrauch: k.A.

Woche 3: „Ich fahre das Auto echt gern!“

Für erfahrene E-Auto-Nutzer wie Familie Grupp ist der Kia Soul EV ideal, um einen kleinen Vergleich zu ziehen – zum anderen E-Auto, dem Citroën C-Zero. Erster Unterschied: Beim Schnellladen stoppt der C-Zero den Ladevorgang bei etwas über 80 Prozent, der Kia lädt da noch munter weiter bis der Akku um die 90 Prozent hat. „ So kannte ich das gar nicht, vielleicht liegt das daran, dass der Soul EV schneller laden könnte als der 50-kW-Lader hergibt.“ Unterschied Nummer zwei: der Platz. Im Vergleich mit dem C-Zero bietet der Soul schon wesentlich mehr Raum, könnte allerdings nicht den Peugeot Partner ersetzen, der gerade als drittes Auto im Fuhrpark seine Reifen platt steht. Familie Grupp verzichtet auf den Verbrenner – seit drei Wochen.

Zuhause lädt sie den Soul EV an der Schuko-Steckdose. Eigenartig: In dieser Woche dauerte das Laden länger als sonst. Eine Konsequenz der niedrigeren Temperaturen? Womöglich. Kein Problem. Dafür macht etwas anderes manchmal Schwierigkeiten: „ Direkt nach dem Starten ist uns jetzt schon zwei Mal passiert, dass der Soul einfach nicht losfahren wollte, obwohl er ja an war!“ Woran liegt's? Im Kombiinstrument leuchtet dabei ein oranges Auto nebst Schlüsselsymbol auf – ein Hinweis darauf, dass das Auto denkt, es wäre kein Schlüssel an Bord. „Wir sind noch nicht dahinter gekommen“, sagt Bastian Grupp.

„Ich fahre den Soul EV echt gern“, sagt er. „Das gesamte Paket passt – und ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich überlege, das Fahrzeug zu rechtfertigen.“ Falls es den C-Zero ersetzen würde, wäre das ein schöner Luxus für die Familie, der allerdings ökonomisch und ökologisch schwer zu rechtfertigen wäre, sagt Bastian. Und als Ersatz für den Peugeot Partner (das „Bus Auto“) ist der Soul EV dann doch etwas klein. Nichtsdestotrotz würde er dem Soul EV die Schulnote 1,5 geben. Überzeugend!

Woche 3 mit dem Kia Soul EV in Zahlen

  • Testzeitraum: 4.10. bis 10.10.2017
  • Zurückgelegte Strecke: 292 Kilometer
  • Durchschnittsverbrauch: k.A.

Woche 4: „Theoretisch könnte er unseren letzten Verbrenner ersetzen“

Auch wenn Bastian Grupp dann doch einiges am Kia Soul EV kritisieren konnte – am Ende der vierwöchigen Testphase war er dennoch sehr zufrieden mit dem Elektroauto, das in der Familie den Spitznamen „Das Blaue Auto“ bekommen hat. „Wir sind ja bereits Elektroauto-erfahren – mit dem C-Zero!“, sagt er. Viele der Nachteile, die noch immer wie Stammtischparolen heruntergebetet werden, sind für ihn keine Nachteile. Reichweite? Immer genug vorhanden. Ladezeiten? Entspannend.

Zum Glück für die Grupps passt ihr Anforderungsprofil gut zu einem E-Auto: „Im Normalfall fahren wir täglich etwa 50 Kilometer, längere Strecken um 200 Kilometer gibt's vielleicht einmal im Monat.“ Die Ladesteckdose für den Soul EV wird von einer Photovoltaik-Anlage gespeist. Im Augsburger Umkreis gibt's eine gute Ladeinfrakstruktur – aber auch deswegen, weil es momentan noch nicht so viele E-Autos gibt.

Insgesamt ist Familie Grupp 2.770 Kilometer mit dem Soul EV gefahren – in vier Wochen. Insgesamt 32 Mal hing der Soul EV in dieser Zeit am Kabel und saugte sich seine lebensnotwendige Elektrizität. Gut dabei: „Fast alle Ladepunkte lagen auf unserem Weg – Umwege, um zu laden mussten wir nur selten fahren“, sagt Bastian Grupp.

Besonders gefallen am Kia Soul EV hat ihm das entspannte und sehr leise Cruisen, der Akku samt großer Reichweite sowie der allgemeine Fahrkomfort. „Sogar der Stromverbrauch auf der Autobahn war in Ordnung.“, heißt es. „Wir gingen aber auch sehr sparsam damit um, hatten die Wärmepumpenheizung fast nie in Betrieb.“ Auch der Nachwuchs hat sich im „Blauen Auto“ wohlgefühlt. „Theoretisch könnte der Soul EV unseren Peugeot Partner ersetzen, wäre da nicht das kleine Platzproblem.“

Verbesserungsvorschläge hat Bastian Grupp allerdings auch ein paar: Er wünscht sich vom Soul EV eine gefälligere Optik, gerne auch größere Alufelgen und andere Lack-Optionen. „Wenn der EV schon nicht so sehr als EV herausstechen soll, dann sollte er auch cooler aussehen dürfen!“ Auch Luxus-Ausstattungen wie Navi, Keyless Go, Rückfahrkamera oder Ledersitze bräuchte Bastian Grupp nicht zwingend. „Eine extra Batterie, die dann separat montiert wird, für längere Fahrten wäre auch praktisch.“ Das „Blaue Auto“ hat sich die Note 1- verdient.

Woche 4 mit dem Kia Soul EV in Zahlen

  • Testzeitraum: 11.10. bis 20.10. 2017
  • Zurückgelegte Strecke: 1.111 Kilometer (insgesamt: 2.770 Kilometer)
  • Durchschnittsverbrauch (ohne Autobahn): 13,75 kW pro 100 Kilometer
Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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