McLaren F1 LM Spec von 1994

McLaren F1 LM Specification
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McLaren F1 LM Specification

© RM Sotheby's

Nur zwei McLaren F1 wurden auf die LM Specification umgebaut. Einer davon wird im August im Rahmen der Monterey Car Week versteigert. Er könnte die 20-Millionen-Euro-Marke übertreffen.

Man muss schon einiges auf sich nehmen, um sich diesen Sportwagen in Mausgrau in die eigene Garage zu stellen. Entweder die eigene Zeit am Telefon opfern, um irgendwann zwischen dem 15. und 17. August mitzubieten. Oder gar selbst mühselig nach Kalifornien reisen, um der RM Sotheby's-Auktion in Monterey persönlich beizuwohnen und das eigene Kärtchen zu heben. Das ist ganz schön viel verlangt für ein Coupé im typischen Neunzigerjahre-Design, der bereits knapp 21.500 Kilometer auf dem Tacho hat und dessen technische Daten nach heutigen Maßstäben, nun ja, ganz ordentlich anmuten.

DER Neunzigerjahre-Sportwagen schlechthin

Okay, genug der Blasphemie. Natürlich werden zahlungskräftige Mitbieter das Auktionshaus überrennen, die Telefonleitungen werden heißlaufen und die Location dürfte aus allen Nähten platzen, wenn dieser McLaren F1 unter den Hammer kommt. Denn hier handelt es sich nicht um irgendeinen Neunzigerjahre-Sportwagen. Es handelt sich um DEN Neunzigerjahre-Sportwagen. DEN Dreisitzer. DEN Le-Mans-Helden. DEN 386,5 km/h schnellen Geschwindigkeits-Rekordhalter mit Saugmotor. DEN Karbon-Renner, bei dem sowohl Monocoque als auch Karosserie aus dem Kohlefaser-Verbundwerkstoff bestehen. Es handelt sich um DAS Gordon-Murray-Mobil.

Und zwar nicht in der Standardvariante, die freilich bereits exklusiv genug wäre. Nur 106 Exemplare des McLaren F1 sind überhaupt entstanden, 64 von ihnen als normale Serienautos. Die restlichen 42 sind Rennwagen, Prototypen sowie Entwicklungsautos. Und straßentaugliche Sondermodelle wie die fünf McLaren F1 LM, die 1995 zur Feier des Le Mans-Sieges gebaut wurden. Zwei weitere wurden im McLaren-Werk in Woking nachträglich mit dieser Le-Mans-Spezifikation (LM Spec) aufgewertet. Dieses Auto ist eines davon. Und da Exklusivität bekanntlich viel Geld kostet, dürfte es bei der Versteigerung ganz schön teuer werden. RM Sotheby's erwartet, dass der neue Besitzer irgendwo im Dunstkreis von 20 Millionen Euro den Zuschlag erhält.

Ausgeliefert mit blauem Lack und schwarzem Interieur

Wer auch immer diese Summe ausgeben wird, erwirbt ein Auto mit besonderer Historie. Gebaut wurde der McLaren mit der Fahrgestellnummer 018 im Jahr 1994 als ganz normaler F1. Der in Japan lebende Erstbesitzer entschied sich für die Farbe Midnight Blue Pearl und ein schwarzes Interieur. 1999 kaufte ein Sammler in Deutschland das Auto und gab es in die Hände von McLaren, das am Stammsitz den Umbau in die LM Specification vornahm.

Doch nicht nur das. Der McLaren F1 Nr. 018 erhielt außerdem ein Extra-Downforce-Kit mit zusätzlichen Luftöffnungen vorne und großem Heckflügel, das die Abtriebswerte der originalen LM-Varianten sogar übertraf. Hinzu kamen ein Getriebekühler, zwei zusätzliche Wasserkühler, eine modifizierte Abgasanlage, neue Scheinwerfer, andere Federn und Dämpfer (die Rennvariante, aber in der weichsten Abstimmung), 18-Zoll-GTR-Räder mit Michelin Pilot Sport-Reifen statt der serienmäßigen 17-Zoll-Rundlinge und natürlich die Lackierung in Platinsilber-Metallic. Nicht zu vergessen die Leistungssteigerung auf das Niveau des Rennwagens F1 GTR: Statt 635 PS leistet der von BMW eigens entwickelte und gefertigte 6,1-Liter-V12 im F1-Chassis Nummer 018 satte 690 PS.

Mehr Komfort im Innenraum

Beim Umbau behielt dieser F1 aber seinen komfortableren Innenraum, während die ursprünlichen McLaren F1 LM deutlich spartanischer eingerichtet waren. Er bekam sogar noch mehr: Die Klimaanlage wurde modernisiert, der CD-Player um ein Radio ergänzt und das Original-Lenkrad gegen eines im 36-Zentimeter-Format ausgetauscht. Hinzu kam das cremefarbene Leder, das zusammen mit den neuen Wilton-Teppichen und dem beige-braunen Alcantara-Himmel eine recht heimelige Atmosphäre ins Interieur zaubert.

Über die Umwege Singapur (2004) und Neuseeland (2008) landet der McLaren F1 – unterbrochen von einigen exklusiven Events und Wartungsaufenthalten in Woking – nun also auf der RM Sotheby`s-Versteigerung. Das Auktionshaus erwartet den hohen Preis auch aufgrund dieser intensiven und peniblen Werkspflege, die das Auto im absoluten Bestzustand hielt. In diesen Preisregionen ist es klar von Vorteil, wenn das Werk ein Auto in- und auswändig kennt. Bei diesem F1 ist dies der Fall. So sagt etwa Harold Dermott, der Leiter des Service-Programms für den F1: „F1/018 ist einer meiner Lieblings-F1s und eines der am stärksten entwickelten Autos, die wir je gebaut haben.“

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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