Mercedes 560 SEC von 1987

07/2019, 1987 Mercedes-Benz 1000 SEL Autosalon 2000 Super
Sport
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07/2019, 1987 Mercedes-Benz 1000 SEL Autosalon 2000 Super Sport

© RM Auctions

Ein US-„Veredler“ verwandelte in den 80ern einen Mercedes 560 SEC in dieses Breitbau-Ungetüm. Nun wurde der Mercedes 1000 SEL Autosalon 2000 Super Sport versteigert – für einen höheren Preis, als ihn ein Originalauto erzielen würde.

Kalle Grabowski würde dieses Auto lieben. Im Kultfilm „Bang Boom Bang“ fällt dem von Ralf Richter gespielten Charakter schließlich nichts Besseres ein, als das zuvor bei einem Bankraub erbeutete Geld für einen fragwürdig getunten Mercedes 500 SEC der 126er Baureihe auszugeben, der aus noch fragwürdigerem Vorbesitz stammt. Wahrscheinlich würde Kalle Grabowski dieser 1987er Mercedes-Benz 1000 SEL Autosalon 2000 Super Sport sogar noch besser gefallen als das Filmauto. Immerhin hat dieses Coupé mehr Power als das von ihm favorisierte. Aber der Reihe nach.

Mercedes 560 SEC vom Autosalon 2000

Das eigentlich seriöse Auktionshaus RM Sotheby's bot das Oberklasse-Coupé mit der sperrigen Modellbezeichnung, das eigentlich ein Mercedes 560 SEC ist, im Rahmen der Herbst-Versteigerung im amerikanischen Auburn an. Zwischen 60.000 und 70.000 Dollar (etwa 53.000 bis knapp 62.000 Euro) sollte der weiße Zweitürer mit gerade einmal 16.308 Meilen (26.245 Kilometer) auf dem Zähler bringen. RM Sotheby's erlöste sogar noch mehr: 99.000 Dollar (gut 90.000 Euro) bezahlte der Käufer, den offenbar nicht nur ein fragwürdiger Autogeschmack, sondern auch Taschen voller Geld auszeichnet.

Verantwortlich für diese Tuning-Kreation (oder Tuning-Kreatur, je nach Sichtweise) war der Autosalon 2000 in Miami, der heute nicht mehr zu existieren scheint (warum nur?!). Der Ex-Veredler aus Florida verpasste dem 560 SEC ein Breitbau-Bodykit aus Metall, das in der Frontstoßstange seinen Anfang nimmt und sich über die vorderen Kotflügel und die Seitenschweller nach hinten erstreckt. Über den hinteren Rädern erreicht dieser „1000 SEL“ – laut Typenschild heißt der wirklich so – seine maximale Breite, bevor das Bodykit am hinteren Stoßfänger mit Fake-Luftauslass, aber in ansonsten erstaunlich cleaner Optik ausläuft.

16-Zoll-Tiefbettfelgen von Ronal

Wer ein bisschen auf's Detail achtet, entdeckt außerdem die nicht passgenauen vorderen Blinkergläser, den unmotiviert auf Halbmast stehenden linken Scheinwerferwischer, Kühlergrill samt Stern mit innerer Wagenfarbe-Lackierung und die fiese Blende zwischen den Heckleuchten. Und bemerkt, dass die passenden, 16 Zoll großen Fünfloch-Räder mit ihrem extrem zeitgeistigen Tiefbett-Design und der weißen Lackierung von der Firma Ronal stammen.

Innen hat Carat by Duchatelet seine Spuren hinterlassen; eine belgische Firma, die eigentlich auf Stretch-Umbauten und Panzerungen spezialisiert ist, sich aber auch auf Auto-Veredlung und Oldtimer-Restaurierungen kümmert. An Bord des 1000 SEL dominieren weißes Leder und Wurzelholz – und eine Instrumentierung, deren Skalierung womöglich von Grundschülern bei deren Schönschreibübungen gestaltet wurde. Das Interieur scheint sich aber insgesamt im Bestzustand zu befinden. Jedenfalls funkeln die Einstiegsleisten immer noch mit den Felgen um die Wette und sind auch die Griffbereiche am Lenkrad, an den Türen und auf der Mittelkonsole weiterhin schneeweiß. Stilistisch inkonsequent ist allerdings das banale Kenwood-CD-Radio in der Mittelkonsole. Jeder zweite Billig-Kleinwagen dürfte in den Neunzigern von Ähnlichem beschallt worden sein.

Über etwaige technische Modifikationen gibt RM Sotheby's keine Auskunft. Wenigstens Motor, Getriebe und Fahrwerk blieben demnach also im Originalzustand. Der Mercedes 1000 SEL Autosalon 2000 Super Sport schöpft aus seinem 5,6-Liter-V8 also je nach Abgasreinigung zwischen 242 und 300 PS und leitet über eine Vier-Gang-Automatik 390 bis 455 Newtonmeter an die Hinterräder weiter.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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