Mitfahrt Aston Martin DBX (2020)

Aston Martin DBX
Bild 1 von 23

Aston Martin DBX

© Aston Martin Lagonda / Dean Smith

Aston Martin stellt in Kürze mit dem DBX seinen ersten SUV vor. Der Neuling ist ziemlich groß geraten – und präsentiert sich hart auf der Rennstrecke, kernig im Gelände und sanft auf der Landstraße.

Viele Sportwagen- und Nobelhersteller sind irgendwann der Versuchung erlegen, der Rendite wegen auch SUVs zu bauen. Porsche zuerst. Irgendwann auch Bentley, Rolls-Royce sowie Lamborghini und in nicht allzu ferner Zukunft sogar Ferrari. Aston Martin hat sich damit lange Zeit gelassen, aber im zweiten Quartal 2020 ist es soweit: Mit dem DBX bringen die Briten ihren ersten SUV auf den Markt.

Fast so groß wie ein Bentley Bentayga

Da steht er vor einer Garage des Aston Martin-Testzentrums am Grand Prix-Kurs in Silverstone. Und wirkt plötzlich groß, viel größer als auf den ersten Bildern. „Tatsächlich ist er fast so lang wie ein Bentley Bentayga “, sagt Matt Becker, Chefingenieur bei Aston Martin und verantwortlich für die Entwicklung des DBX ist. Design-Chef Marek Reichman hat sich zwar viel Mühe gegeben, den SUV möglichst grazil und Aston Martin-like aussehen zu lassen. Aber doch, das Auto ist groß. 5,04 Meter lang, 2,00 Meter breit und 1,68 Meter hoch. Das sind Dimensionen, die selbst die 22-Zoll-Räder des Prototypen ziemlich klein wirken lassen.

Natürlich bietet der DBX deutlich mehr Platz als jeder Aston Martin vor ihm. Vor allem über dem Kopf. Aber ein Raumwunder scheint er nicht geworden zu sein. Zumindest ist das der erste Eindruck im fast komplett mit Matten verhangenen Erlkönig-Cockpit. Im Fond geht es schon etwas luftiger zu, auch wenn die Kniefreiheit allenfalls in Ordnung ist. Aber Hauptsache, es passt vorne links, wo der Fahrer auf digitale Instrumente schaut, mit feststehenden Schaltwippen durch die Gänge flippert und an einem Volant dreht, das mit voller Absicht weder unten abgeflacht noch anderweitig geometrisch abgewandelt wurde. „Das runde Lenkrad war mir wichtig, und da habe ich auch leidenschaftlich mit unseren Interieur-Designern diskutiert“, lacht Matt.

Driften ist kein Problem im DBX

Im nächsten Moment biegt er mit dem dicken Aston samt Journalisten auf den Handlingkurs im Bereich der Stowe-Kurve ab. Und macht sofort klar, dass das trotz Dauerregen keine gemütliche Spazierfahrt wird. Beim Einlenken präsentiert sich Matt etwas motivierter als das Auto. Die 2.245 kg wollen nicht immer sofort auf die Ideallinie einschwenken. Doch nur Geduld, das geht schon: Der Entwicklungschef muss nur hartnäckig bleiben, schon ist der DBX auf Kurs. Und nicht nur das: Im nächsten Moment geht der Koloss quer. So quer, als sei es ihm egal, dass seine Dimensionen innerhalb der Aston Martin-Familie etwas größer geraten sind. Er bleibt auch quer, denn „wir können bis zu 100 Prozent der Kraft auf die Hinterräder geben“, sagt Matt. Nach vorne kommen maximal 47 Prozent. Allein das zeigt, wo der Fokus bei der Entwicklung lag. Dynamisches Fahren hat dieser SUV definitiv drauf. Zur Not auch in Driftwinkeln, die sich an Bord echt spaßig anfühlen und von außen ziemlich ungesund aussehen.

Besonders beeindruckt dabei die Ruhe, die sowohl Matt als auch das Auto bei diesen Spielchen ausstrahlen. Die Karosserie wankt so gut wie gar nicht, der DBX scheint jedem Befehl stoisch zu folgen. Die eigens für den SUV gebackenen Allwetterreifen von Pirelli machen alles klaglos mit und schaffen einen derart sanften Übergang von Haft- zu Gleitreibung, dass er von geübten Fahrern offensichtlich leicht zu parieren ist.

Antriebsstrang von AMG

Sechs Fahrmodi verpasst Aston Martin seinem ersten SUV: Zwei für Offroading, zwei für sportliches Fahren, eine individuell konfigurierbare Abstimmung und die GT-Einstellung. Dies ist der Standard-Modus, den Matt für die Landstraßen-Tour rund um Silverstone wählt. Hier fühlt sich der Prototyp plötzlich sanft und komfortabel an, den Krawallbruder von eben hat er hinter sich gelassen. Sensibel schluckt das Luftfahrwerk die Stöße, die von den Schlaglöchern herrühren. Und der Antrieb stimmt eine angenehm zurückhaltende Tonlage an.

Überhaupt deckt der Sound eine große Bandbreite ab. Vorhin auf der Rennstrecke klang der DBX deutlich heiserer, renniger, aber nicht unangenehm laut. Und längst nicht so tief bollernd und AMG-mäßig, wie wir ihn erwartet hatten. Schließlich stammt der Vierliter-Biturbo-V8 samt Neungang-Automatik aus Affalterbach. „Die Zusammenarbeit mit AMG vereinfacht Vieles“, sagt Becker, „denn um den Antrieb müssen wir uns kaum kümmern. Wir müssen ihn nur 'astonisieren'.“ 550 PS und maximal 700 Newtonmeter sind als Leistungs- und Drehmomentwert definiert.

Rennstrecke fühlt sich richtiger an als Schlamm

Tatsächlich passt der Antrieb, den Beckers Team da in eine völlig neue, von Aston Martin selbst entwickelte Plattform gesteckt hat, gut zum DBX. Stets leistungsbereit und kraftvoll, ohne große Anlaufzeit, setzt der doppelt aufgeladene Achtzylinder Gaspedal-Befehle in Vortrieb um – auch im Nassen. Die Automatik ist ebenso auf Zack, wenn auch völlig undramatisch. Schaltvorgänge führt sie aus, ohne dass man sie wahrnimmt, und zwar unabhängig vom gewählten Fahrmodus. Auf der Rennstrecke. Auf der Landstraße. Und im Gelände.

Ja, auch dahin entführt Matt den Aston und den Journalisten. Zwar sei die Nachfrage der Kunden gering. Schließlich kostet es Überwindung, ein mindestens 193.500 Euro teures Auto (zum Vergleich: den Bentayga gibt es ab 175.644 Euro) ins Unterholz zu manövrieren. Aber man wolle hier eben auch nicht schlechter sein als die Mitbewerber. Die Steigungen, Pfützen und Waldwege des Offroad-Geländes neben dem Silverstone Circuit, das echte Querfeldeinfahrer wahrscheinlich allenfalls milde belächeln würden, stellen dann auch keine große Herausforderung dar. Matt manövriert den DBX problemlos aus dem Matsch heraus und fährt wieder Richtung Boxengasse. Dort fühlt sich das Auto auch besser aufgehoben an als im Morast. Trotz seiner enormen Ausmaße, die in diesem Moment wieder zum Vorschein kommen.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Mercedes stellt eine besonders noble Maybach-Version des größten Mercedes-SUV vor: Der Mercedes-Maybach GLS 600 4Matic ...mehr
Die wohl bedeutendste Sammlung klassischer Maseratis gehört nicht Maserati selbst, sondern der Familie Panini (ja, die ...mehr
Mit dem GLS-Maybach möchte Mercedes Kunden locken, die sich luxuriöses Reisen in geräumigen Fonds wünschen. Wir ...mehr
Ähnliche Artikel
Anzeige