Neuer Peugeot 508 im Fahrbericht (2018)

"Der Unterschied zwischen dem Komfort- und Sportmodus wird erst
im zweiten Anlauf spürbar, dafür dann sehr eindeutig.", meint unser
Redakteur Thomas Hellmanzik.
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"Der Unterschied zwischen dem Komfort- und Sportmodus wird erst im zweiten Anlauf spürbar, dafür dann sehr eindeutig.", meint unser Redakteur Thomas Hellmanzik.

© Wolfgang Groeger-Meier
12.06.2018 - 20:25 Uhr von Gregor Hebermehl

Der französische Autobauer Peugeot stellt in Genf den neuen 508 vor. Mit ihm wollen die Franzosen den VW Arteon angreifen. Wir haben uns den Wagen genauer angesehen und sind ihn jetzt gefahren.

Karosserie mit Coupédach

Der neue Peugeot 508 trägt ein verkürztes nach hinten abfallendes Dach, während sein Vorgänger noch eine klassische Stufenheck-Limousine war. Der Neue ist acht Zentimeter kürzer und sechs Zentimeter flacher. Er folgt optisch dem Trend in der Mittelklasse: Auch der VW Arteon, der Kia Stinger und Insignia GT von Peugeots neuer Tochter Opel kommen als sogenannte viertürige Coupés daher. Erklärtes Ziel der Franzosen: der VW Arteon.

Die Frontscheinwerfer des neuen 508 sitzen tief in der Karosserie, damit bei einem Crash nur der Stoßfänger beschädigt wird. Aus dem gleichen Grund thronen die Heckleuchten weit über dem hinteren Stoßfänger. Die große Heckklappe ist im Dach angeschlagen – auch hier folgt Peugeot dem von der Konkurrenz vorgegebenen Trend. Sowohl die aktive, sich also bei einer Kollision mit einem Fußgänger anhebenden Fronthaube, als auch der Heckdeckel bestehen zum Einsparen von Gewicht aus Aluminium.

Sitzprobe

Die Türen des 508 sind rahmenlos. Innen erwarten den Fahrer ein kleines, oben und unten abgeflachtes, gut in der Hand liegendes Lenkrad und die neueste Generation des iCockpit. Dieses präsentiert sich optisch aufgefrischt und jetzt ohne den Warnblinker-Schalter ganz rechts – der wichtige Knopf sitzt nun zentral ganz oben in der Mittelkonsole zwischen zwei Lüftungsdüsen und ist damit im Notfall einfach zu finden. Das volldigitale Instrumenten-Display hat seinen Platz in Blickrichtung über dem Lenkrad. Es ist nicht so breit wie beispielsweise beim 308. Die Sitze sind bequem und geben zarten Seitenhalt – gegen Aufpreis massieren sie die Rücken der Insassen.

Der boomerangförmige Gangwahlhebel und der Fahrmodi-Schalter auf der Mittelkonsole sind gut erreichbar. Je nach Ausstattung ist die Mittelkonsole mit echtem Eichenfurnier (GT) oder Karbon-Imitat (Allure) überzogen. Ganz vorne befindet sich unter der Konsole ein Fach, in dem sich dafür geeignete Smartphones kabellos laden lassen. Dort sitzen auch zwei USB-Steckplätze. Liegt ein Handy im Fach oben auf der Mittelkonsole, kann das Kabel durch eine kleine Öffnung zum unteren Ladefach durchgezogen werden. Das Einstecken in die verdeckt unter der Konsole liegenden Buchsen erweist sich als Fummelarbeit. Beim Rundumblick fällt erst die sehr breite B-Säule auf, dann die von drei Kopfstützen beinahe komplett verstellte Sicht nach hinten.

Im Fond gibt es für 1,88 Meter große Insassen trotz des nach hinten abfallenden Dachs noch vier Zentimeter Platz über dem Kopf. Auch die Rückbank ist auf den äußeren Plätzen bequem, der Mittelplatz ist nur als Notsitz zu gebrauchen.

Fahrwerk und Assistenten

Der Fahrmodi-Schalter ist ein erster Hinweis: Den neuen 508 wird es auch mit adaptiven Dämpfern geben. Hinten kommt jetzt eine Mehrlenker-Achse zum Einsatz. Als Assistenzsysteme verspricht Peugeot alles, was der Markt zu bieten hat. So sorgen beispielsweise ein Spurhalte- und Spurwechsel-Assistent, ein Totwinkel-Warner, ein radarbasierter adaptiver Abstandstempomat und ein Notbrems-Assistent für mehr Sicherheit.

Fahrbericht Peugeot 508 GT

Und jetzt geht’s zur Fahrerei. Also, rein in den 508 GT und einrichten: Spiegel einstellen, die bequemen Ledersitze elektrisch in Position bringen und das Lenkrad auf richtiger Höhe in Richtung Innenraum ziehen – aufrecht sitzend wird die Sicht nicht verdeckt.

In der Stadt und auf der Autobahn federt das viertürige „Coupé“ (die Gänsefüßchen markieren hier nicht das Fremdwort – die sollen durchaus den Ironiemodus ein- und ausleiten) komfortabel, nicht jedoch französisch-wolkig. Will heißen, dass der Peugeot nicht mit riesigem Hub über Unebenheiten federt, sondern die Vorgänge zügig abschließt, ohne Stöße groß an die Passagiere zu lassen. Wichtige Anmerkung: Die Straßen auf der Testroute waren in gutem Zustand.

Auf der kamen dann auch endlich die spannenden Passagen: die Kurven. Der Unterschied zwischen dem Komfort- und Sportmodus wird erst im zweiten Anlauf spürbar, dafür dann sehr eindeutig. Auf Sport eingestellt, verzögern die Dämpfer die Wankbewegungen stark und der Franzose fährt auf seinen optionalen 19-Zoll-Rädern (235/40/R19, Michelin Pilot Sport 4) präzise ums Eck – im Komfortmodus kommen mitunter schon in mittelspitzen Kurven interessante Wankwinkel zustande. Also im Prinzip alles genau so, wie es sein soll.

Und der Topbenziner mit 225 PS und 300 Nm aus 1,6 Liter Hubraum? Der arbeitet harmonisch mit der zügigen Achtgangautomatik (auch beim Selbstschalten) und motorisiert den 508 GT souverän. Die Leistungsentfaltung läuft linear und unauffällig – beim enthusiastischen Landstraßenfahren oder beim plumpen Beschleunigen auf der Autobahn bleibt er aber auch nur das: souverän. Er beschleunigt vernünftig, erreicht laut Datenblatt sogar 250 km/h. Es ist nur ein bisschen der Punch aus den Ecken, der ihm hin und wieder fehlt. Wegen der guten Fahrwerksabstimmung würde er damit aber auch tatsächlich etwas anfangen können.

Motorisierungen

Zum Marktstart gibt es Benziner mit 180 und 225 PS. Das neue Top-Aggregat wird auch in einer hybridisierten Variante ausgeliefert, deren Systemleistung 300 PS beträgt und die 60 Kilometer rein elektrische Fahrt ermöglicht. Auch als Hybrid ist der neue 508 immer mit Frontantrieb unterwegs – laut Peugeot würde eine Verlegung des elektrischen Antriebs nach hinten zu viel Kofferraumvolumen kosten. Bei den SUV-Varianten seien Allradversionen wegen der höheren Bauweise kein Problem, hier beschneidet ein elektrischer Hinterrad-Antrieb nicht das Stauraumvolumen.

Als Diesel kommen Aggregate mit 130, 160 oder 180 PS zum Einsatz. Gekoppelt sind die Motoren wahlweise an eine manuelle Sechsgang-Schaltung oder eine Achtgang-Automatik. Benziner und Selbstzünder unterscheiden sich bei der Abgasanlage: Während beim Benzinmodell rechts und links vom mächtigen Heckdiffusor jeweils ein Endrohr aus dem Heck ragt, gibt es beim Diesel ein Doppelendrohr auf der linken Seite, rechts nimmt der Adblue-Tank den Platz weg.

Marktstart und Preise

Ab Oktober 2018 beginnt die Markteinführung des neuen Peugeot 508, die Hybridvariante folgt im Herbst 2019. Zum Marktstart wird es den 508 zudem als First Edition in der GT-Ausstattung und ausschließlich in blau und rot geben. Auf der Motorseite stehen der 225 PS starke Benziner und der 180-PS-Diesel zur Wahl. Der Innenraum wird mit Edelholzapplikationen, Alcantara und Leder sowie Alupedalen und weiteren Features aufgewertet. Die Preise für den neuen Peugeot 508 starten bei 31.250 Euro für den 130-PS-Diesel, die entsprechende Automatikvariante kostet ab 33.350 Euro. 160-Diesel-PS werden im 508 mit 38.450 Euro berechnet, die 180-PS-Variante steht mit 46.450 Euro in der Preisliste. Fällt die Wahl auf den 180-PS-Benziner, so werden wenigstens 34.750 Euro gefordert. Das 225 PS starke Benzinber-Topmodell kostet ab 45.600 Euro.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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