Opel Corsa (2019) im Fahrbericht

Französische Gene, deutscher Stil: der neue Opel Corsa will das
Beste aus zwei Welten verbinden. Ob ihm das gelingt, klärt unser
Fahrbericht.
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Französische Gene, deutscher Stil: der neue Opel Corsa will das Beste aus zwei Welten verbinden. Ob ihm das gelingt, klärt unser Fahrbericht.

© Opel

Französische Gene, deutscher Stil: der neue Opel Corsa will in sechster Generation das Beste aus zwei Welten verbinden. Ob ihm das gelingt, klärt unser Fahrbericht.

Kennen Sie diese vergitterten Bürowagen mit den quietschenden schief ziehenden Rädern, die immer dann in Einsatz kommen, wenn jemand den Arbeitsplatz wechselt? Und dann seine muffigen Aktenordner, gut abgehangene Magazine oder verstaubte Zimmer-Dekorationen entsorgt?

Bei Opel haben sie gerade die letzten dieser Dinger auf den Hof geschoben. Nein, nicht wegen entlassener Mitarbeiter, sondern um darin die letzten English-Dictionaries wegzuschaffen. Tschüss GM, hallo PSA. Weg mit der Gängelung durch Amerika, her mit sanften Druck und frischen Brise à la francaise. Und siehe da: Läuft bei Opel. Gute Zahlen, stimmiger Auftritt.

Auch beim neuen Corsa, inzwischen in sechster Generation einer der ganz großen bei den kleinen? Wir klären das, schließlich enthält seine DNA ja reichlich PSA – genauer: die CMP-Architektur – was ja an sich schon Stoff für einen coolen Rap („DNA, PSA und CMP...“) bieten würde. Schon gut, lassen wir das. Sehen wir es einfach als vielversprechende Basis für einen Kleinwagen, und prüfen, ob er trotzdem noch ein richtiger Rüsselsheimer Kerl ist.

Nix Badge Engineering. Der Corsa ist Opel

Wie er so dasteht: nix mit Badge-Engineering, fernab von einem Peugeot 208 mit Blitz-Emblemen. Wobei sie sich bei Opel ja mit Partnerschaften eigentlich ganz gut auskennen. Man sprach schon italienisch (der Corsa-Vorgänger enthielt reichlich Fiat Punto), kooperierte mit Suzuki (Agila) und stellte mit dem Karl einen GM mit koreanischen Wurzeln zum Händler.

Beim neuen Corsa ist das anders. Schick hier drin, der etwas bleierne Stil des Vorgänger passe, ohne gleich in den Expressionismus des Peugeot 208 zu verfallen. Wir stehen einfach drauf, wenn das Lenkrad optimal eingestellt noch den freien Blick auf die Instrumente zulässt. Manches darf ruhig so bleiben, wie es war. Schließlich war der Corsa zum Anfang seiner Karriere 1982 ein echter Knaller, der in der Kombination aus Platz, Preis und Fahreigenschaften der Konkurrenz arg zusetzte. Manchen Freak sogar auf Ideen brachte: so wie der ehemalige Opel-Händler Günter Artz aus Hannover, der 1983 Technik aus dem Kadett D GTE in den Corsa A pfropfte. Kurzer Exkurs: Der Artz war einer der Golf II mit Porsche 928 vermählte oder die Cordette schuf (raten Sie mal, was das war, wir verraten es am Ende des Textes. Nicht schummeln!). Zurück zum Opel Corsa A Mini-Blitz: 115 PS, 14 Zoll-Räder mit 195ern. Irre. Und Ganzleder Ausstattung! In einem schwachen Moment brutzelten die Niedersachsen sogar einen Kombi, basierend auf dem Corsa TR.

Extras? Alles, was Du willst. Na ja: fast

Was damals verrückt war, kannst Du heute einfach so kaufen. Gut, nicht den Kombi und keine vier Zylinder mehr, aber bis zu 130 PS sowie Ausstattung noch und nöcher. Bei den 14-Zöllern wird es allerdings schwierig, unter 15 Zoll tut es der Corsa selbst in der Basis nicht mehr. Dafür bleibt er dann auch unter 14.000 Euro. Wer mehr ausgibt bekommt das volle Programm. Zum Beispiel Matrix-LED-Scheinwerfer (Intellilux LED Matrix Licht mit acht LED-Elementen), die damit endgültig in der Kleinwagenklasse angekommen sind. Schummerlicht? Passé. Ledersitze gibt es auch. Sogar mit Lendenmassage für den Fahrer. Zudem: Digitales Siebenzoll-Cockpit, Zehnzoll-Infotainment samt Apple Carplay, Android Auto sowie Online-Navigation und kabelloses Laden. Nicht zu vergessen radargesteuertes ACC, Spurhalteassistent mit Lenkeingriff, und ein sensorgesteuerter Flankenschutz. Dieses Teil warnt beim Rangieren davor, mit der Seite ein Hindernis wie Wände oder Pfeiler zu streifen. Na, kommt ihnen das Problem bekannt vor. Na also!

Und so allgemein? Nicht schlecht für einen Kleinwagen. Doch darf man das bei 4,06 Metern Länge überhaupt noch sagen? Egal. Was in jedem Fall zu einem guten Autotext gehört, ist der Vergleich zu Vorgängern der nächsthöheren Klasse. Konkret: der neue Corsa ist länger als der oben erwähnte Kadett D, erreicht in etwa das Maß des Astra F. Im Innenraum geht es daher angemessen luftig zu mit genug Platz für Beine und Schultern sowie 309 Liter Kofferraumvolumen (Rücksitzlehnen im Verhältnis 60:40 umlegbar).

Zwei Zentner runtergehungert. Respekt!

Um trotz des grundsätzlichen Wachstums agiler zu werden speckten sie ihn ab, hungerten auch dank neuer Plattform rund zwei Zentner runter. Versuchen sie das mal. Scherz. Wobei prozentual... Wäre ein guter Vorsatz fürs nächste Jahr. Der Corsa hat ihn schon umgesetzt, sich in der leichtesten Variante unter eine Tonne gehungert und zwar durch hochfeste Stähle, Rohbauoptimierung, sowie leichte Vollaluminium-Motoren (minus 15 Kilo zum Vorgänger), Achsoptimierungen, Alu Haube (minus 2,4) sowie neue Sitzstrukturen vorn und hinten (minus zehn). Apropos Sitze: diese sind nicht nur körpergerecht, sondern auch fast drei Zentimeter tiefer montiert als bisher.

Derart zentriert fährt es sich gleich besser. Schön lenken und fahren kann der Corsa nämlich. Ausgewogen im besten Sinn. Opel halt. Sauberes Handling, weder spitz noch träge, saubere Feder-Dämpfer-Abstimmung an McPherson vorn und Verbundlenkerachse hinten, das Ganze weder hart noch wankig. Du ahnst, dass die Ingenieure dem Corsa auf der bereits ordentlichen Basis ihre eigene Abstimmung mitgaben. Das konnten sie schon immer: mit überschaubaren technischen Mitteln in engen Kostenrahmen gekonnte Setups abliefern. Wobei: der Elektromotor der Lenkung sitzt nicht auf der Stange, sondern am unteren Ende. Das kostet zwar etwas mehr, bringt aber auch mehr Gefühl. Was rüberkommt, wenn der Corsa sich die kurvigen Pisten in Kroatien einverleibt. Er lässt dich in Ruhe, bringt dich nach einem langen Tag ohne Anstrengung nach Hause kann aber auch mal flotter, wenn verlangt. Vor allem bleibt er immer auf der fahrsicheren Seite, hält exakt die Spur, bleibt auf Unebenheiten entspannt, rückt per Sporttaste mit Lenkung, Motoransprechverhalten und Sound dichter an den Piloten heran oder butlert mit einer Achtstufen-Wandlerautomatik.

Und die Cordette? Nun, die einmalige Zwangsheirat von Opel Kadett E GSI mit der Technik einer Corvette C4. Schwarz, breit und über 300 PS stark. Was heute in der Kompaktklasse auch keinen mehr hinterm Ofen herholt. Doch das ist wieder eine ganz andere Geschichte...

Technische Daten:

Corsa 1.2 DI Turbo

Leistung: 96 KW (130 PS)
Drehmoment (bei U/min): 230
Höchstgeschwindigkeit:208 km/h
Grundpreis:23.340 €

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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