Opel Zafira Life trifft VW Caravelle

Opel Zafira Life, VW Caravelle, Exterieur
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Opel Zafira Life, VW Caravelle, Exterieur

© Arturo Rivas

Bereits bestellbar, muss der neue Opel Zafira Life jetzt im ersten Fahrvergleich mit dem Marktführer VW-Bus seine Qualitäten beweisen. Unter der Haube: der kräftigste Diesel mit 177 PS.

Viel Geduld, Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an Erklärungskompetenz sollten Opel-Händler ab Herbst an den Tag legen. Denn dann kommt der neue Opel Zafira Life in die Verkaufsräume, und der „klassische“ Zafira, einst Vorreiter bei den Kompakt-Vans, wird eingestellt. Selbst wenn dieser zuletzt immer weniger Freunde fand, wird ihn so manch einer vermissen – insbesondere beim Anblick des voluminöseren neuen Life, der als weitere Ableitung der Großraum-Vans von PSA im Grunde seines Herzens ein Vivaro ist und bleibt. Jedenfalls hört die Nutzfahrzeugvariante weiter auf den inzwischen bekannten Namen.

Dafür bietet der Opel Zafira als Life nun viel mehr Platz und konkurriert künftig nicht mehr mit dem Touran von VW, sondern mit dem Bus T6 in all seinen Varianten.

Angeboten wird der rund 1,90 Meter hohe Großraumwagen von Opel als Small mit 4,61 Metern Länge (sechs Zentimeter weniger als der klassische Zafira), als Medium mit 4,96 Metern sowie als 5,31 Meter langer Large. Entsprechend variiert das maximale Ladevolumen zwischen 3.600, 4.200 und 4.900 Litern. Die Preise des Zafira Life starten bei 34.660 Euro.

Das klingt interessant, denn der 5,10 oder 5,41 Meter lange VW T6, der in diesem Fahrvergleich als Caravelle mit neun Sitzen vorfährt, fasst in der kurzen Ausführung 4.300 Liter. Mit langem Radstand schluckt der Bus maximal 5.000 Liter. Preislich sortiert er sich als Multivan Trendline knapp unter 39.000 Euro ein – teurer also als der besser ausgestattete Opel.

Das Interieur ist wertig und die Sitze bequem

Nun ist schieres Volumen ja nicht alles. Vielmehr gilt es auch, seine Passagiere gut unterzubringen und sich in puncto Variabilität nicht allzu störrisch zu geben. Hier offenbarte der bisherige nutzfahrzeuglastige Vivaro oftmals Schwächen. Der Opel Zafira Life macht es deutlich besser. Der fein ausstaffierte Testwagen, ein Life Innovation, wartet mit sauber eingepassten Alu-Schienen im Fahrzeugboden, leicht verschiebbaren Einzelsitzen in der zweiten Reihe sowie einer ein Drittel zu zwei Dritteln umklapp- und verschiebbaren Sitzbank in Reihe drei auf, was ebenso wenig Mühe bereitet.

Zugleich wirkt er sehr solide verarbeitet; die mit Leder bezogenen Sitze sind bequem, breit ausgeformt und fassen sich gut an. Kindersitze lassen sich überall im Fond per Isofix anbringen. Gut zu handhaben ist auch der auf Schienen bewegliche Tisch (650 Euro), der sich mühelos ein- und ausklappen lässt. Dazu garniert Opel den Zafira Life mit netten Features wie einer separat öffnenden Heckscheibe, einem zweiteiligen Panoramaglasdach und elektrischen Schiebetüren, die per Fußgeste öffnen und schließen. Nur mit drehbarem Gestühl kann der Opel im Fond nicht dienen – im Gegensatz zum VW Bulli.

Auffallend günstig ist der Opel Zafira Life dann allerdings nicht. Vielmehr verlangt Opel für einen kurzen Innovation mindestens 47.650 Euro. Die mittellange Version kostet 650 Euro mehr. Dass ein ebenbürtiger Multivan 2.0 TDI Comfortline mit mindestens 49.985 Euro zu Buche schlägt, tröstet da wenig.

Genug gerechnet und gepackt – derartige Kleinbusse sind schließlich auch häufig auf großer Tour und sollten somit auch einen annehmbaren Fahrkomfort spendieren. Hier haben die Entwickler gute Arbeit geleistet. Der Zafira Life gibt sich keine Blöße, er federt selbst ohne Beladung recht geschmeidig, meistert Querfugen gelassen und stört auch akustisch nicht mit Rumpelei. Da wirkt auch der gleichmütig wogende VW Caravelle nicht viel komfortabler. Als Joker hat er allerdings noch drei aufpreispflichtige Fahrwerke in petto, die teilweise mithilfe adaptiv arbeitender Dämpfer den guten Komfort noch weiter steigern können.

Der VW bietet etwas stärkere Motoren

Beim Antrieb setzen beide Hersteller vorzugsweise auf Selbstzünder. Beim VW kommen die bekannten Zweiliter-TDI mit einem Leistungsspektrum von 102 (müde) bis 199 PS (bärig) beziehungsweise 250 bis 450 Newtonmeter zum Einsatz. Der Opel hält mit einem 1,5 Liter großen Turbodiesel mit 120 PS sowie einem Zweiliter-Diesel dagegen, der es auf 150 und 177 PS bringt.

Letzterer stand auch für unseren ersten Ausflug zur Verfügung. Mit seinem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmeter macht der kräftige Vierzylinder seinen Job zwar nicht besonders leise, aber gut. Gekoppelt an eine angemessen schnell reagierende Achtgangautomatik, die die Drehzahlen gut portioniert, bringt er den mindestens 1,8 Tonnen schweren Siebensitzer locker in Schwung und erweckt den Eindruck, auch einer Tonne mehr an Bord gut gewachsen zu sein, denn das zulässige Gesamtgewicht der beiden Großraumtransporter liegt bei rund drei Tonnen.

Online-Vernetzung gibt es nur im Opel

Besser aufgestellt ist der Opel Zafira Life im Bereich Infotainment und Fahrerassistenz, denn der T6 muss aktuell noch ohne eigene Sim-Karte und Verkehrszeichenerkennung auskommen. Allerdings wird der Vorsprung nicht lange halten. Denn der VW bekommt demnächst ein großes Update: Optisch ziert den Multivan 6.1 eine modifizierte Front, technisch wappnet er sich mittels virtueller Instrumente, neuem Infotainment und weiterer Assistenzsysteme für die Zukunft. Die Markteinführung soll im Herbst erfolgen – wie die des Opel Zafira Life.

Umso mehr sind also die Opel-Händler gefordert, den gut gemachten Zafira Life sorgsam zu lancieren.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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